Manuel Lettenbichler hat beim Sea to Sky 2026 in der Türkei einmal mehr gezeigt, warum er zu den absoluten Ausnahmefahrern im Hard Enduro gehört. Der Red Bull KTM Factory Racing Pilot sicherte sich beim siebten und vorletzten Lauf der FIM Hard Enduro World Championship 2026 einen beeindruckenden Sieg. Auf seiner KTM 300 EXC kämpfte sich der Deutsche beim legendären Mountain Race von der dritten Startreihe bis an die Spitze und gewann mit über vier Minuten Vorsprung vor Teodor Kabakchiev und Mario Roman.
Dabei verlief das dreitägige Rennwochenende in Kemer für den mehrfachen Weltmeister alles andere als perfekt. Platz fünf beim Beach Race, technische Probleme und eine Zeitstrafe beim Forest Race machten die Ausgangslage für das entscheidende Mountain Race besonders schwierig. Doch genau dort spielte Lettenbichler seine ganze Klasse aus.
Sea to Sky 2026: Drei Renntage zwischen Mittelmeer und Hochgebirge
Das Sea to Sky in Kemer zählt zu den außergewöhnlichsten Veranstaltungen im internationalen Hard-Enduro-Kalender. Der Wettbewerb führt die Teilnehmer von den Sandstränden des Mittelmeers durch die Wälder des türkischen Hinterlands bis hinauf zum Gipfel des Mount Olympos.
Drei unterschiedliche Rennen prägen die Veranstaltung:
- Beach Race am Donnerstag: Spektakuläre Rennen direkt an der Mittelmeerküste mit tiefem Sand, künstlichen Hindernissen und mehreren Qualifikationsläufen.
- Forest Race am Freitag: Ein rund 40 Kilometer langes Zeitrennen durch das bewaldete Hinterland von Kemer.
- Mountain Race als Höhepunkt: Das anspruchsvolle 64-Kilometer-Rennen führt über steinige und technisch extrem schwierige Passagen bis zum Ziel auf dem Mount Olympos.
Gerade das Mountain Race ist für viele Teilnehmer die eigentliche Herausforderung. Hier entscheiden nicht nur Geschwindigkeit und fahrerische Technik, sondern vor allem Ausdauer, Kraft, Linienwahl und die Fähigkeit, auch unter größter Belastung konzentriert zu bleiben.
Beach Race: Lettenbichler startet mit Platz fünf
Der Auftakt am Donnerstag verlief für Manuel Lettenbichler solide, allerdings nicht ganz nach seinen Vorstellungen.
Beim Beach Race mussten sich die Fahrer zunächst über mehrere Vorläufe für das Finale qualifizieren. Tiefer Sand, künstliche Hindernisse und die kurzen, intensiven Rennläufe verlangten eine ganz andere Fahrweise als die langen technischen Sektionen, in denen Lettenbichler normalerweise seine Stärken ausspielt.
Der Deutsche kämpfte sich durch den anspruchsvollen Sandkurs und beendete den ersten Wettbewerbstag auf dem fünften Platz.
Damit war der Start ins Rennwochenende gelungen, auch wenn Lettenbichler noch nicht ganz dort stand, wo er sich selbst sehen wollte.
Forest Race: Bremsprobleme und zehn Minuten Zeitstrafe werfen Lettenbichler zurück
Am Freitag ging es für die Teilnehmer zum Forest Race. Auf dem rund 40 Kilometer langen Kurs durch die Wälder rund um Kemer waren Geschwindigkeit, Präzision und ein guter Rhythmus gefragt.
Lettenbichler zeigte zunächst eine starke Leistung und bewegte sich trotz technischer Schwierigkeiten im Bereich der besten fünf Fahrer.
Allerdings hatte der KTM-Werkspilot während des Rennens mit Problemen an seiner Bremse zu kämpfen. Zusätzlich erhielt er eine Zeitstrafe von zehn Minuten, die ihn in der Ergebnisliste deutlich zurückwarf.
Statt eines Top-Fünf-Ergebnisses stand am Ende lediglich Platz 15 zu Buche.
Eine denkbar ungünstige Ausgangsposition für das entscheidende Mountain Race, denn dadurch musste Lettenbichler aus der dritten Startreihe ins Rennen gehen.
Dennoch blieb der Deutsche optimistisch. Sein Gefühl auf der KTM 300 EXC stimmte, und er wusste, dass seine Chancen auf den Gesamtsieg noch immer vorhanden waren.
Mountain Race: Von Startreihe drei bis an die Spitze
Am entscheidenden Renntag zeigte Manuel Lettenbichler schließlich eine beeindruckende Leistung.
Obwohl er das 64 Kilometer lange Mountain Race lediglich aus der dritten Startreihe in Angriff nehmen konnte, ging er von Beginn an voll auf Angriff.
Bereits auf den ersten Kilometern arbeitete sich der KTM-Pilot konsequent durch das Fahrerfeld. Fahrer um Fahrer ließ er hinter sich und verkürzte den Abstand zur Spitze.
Die schwierige Startposition konnte ihn dabei kaum aufhalten.
Besonders bemerkenswert war, wie schnell Lettenbichler trotz des dichten Fahrerfeldes seinen eigenen Rhythmus fand. Gerade bei einem Rennen wie Sea to Sky kann das Überholen auf schmalen und technisch anspruchsvollen Bergpassagen viel Zeit kosten.
Doch der Deutsche fand immer wieder die passenden Linien und schob sich bis in die Spitzengruppe nach vorne.
Duell mit Teodor Kabakchiev entscheidet über den Sieg
An der Spitze entwickelte sich zunächst ein spannender Zweikampf zwischen Manuel Lettenbichler und dem Bulgaren Teodor Kabakchiev auf Sherco.
Beide Fahrer zählen zu den technisch stärksten Piloten der Hard-Enduro-Szene und lieferten sich auf den schwierigen Bergetappen ein intensives Duell.
Nachdem Lettenbichler die Führung übernommen hatte, fuhren die beiden zunächst einige Zeit zusammen.
Im weiteren Rennverlauf konnte sich der Deutsche jedoch entscheidend absetzen.
Insbesondere auf den letzten technisch schwierigen Abschnitten in Richtung Gipfel spielte Lettenbichler seine Erfahrung und sein Können aus. Während andere Fahrer zunehmend mit den extremen Bedingungen zu kämpfen hatten, bewältigte der KTM-Pilot die entscheidenden Passagen souverän.
Nach 3:40:01,78 Stunden erreichte er schließlich als Sieger das Ziel auf dem Mount Olympos.
Sein Vorsprung auf den zweitplatzierten Teodor Kabakchiev betrug exakt vier Minuten. Mario Roman folgte nur knapp elf Sekunden hinter dem Bulgaren auf Platz drei.
Damit war die Aufholjagd perfekt: Vom 15. Platz im Forest Race und der dritten Startreihe beim Mountain Race zum überlegenen Sieg beim Sea to Sky 2026.
Manuel Lettenbichler: „Ich wollte diesen Sieg unbedingt!“
Nach dem Rennen zeigte sich der KTM-Werkspilot entsprechend zufrieden. Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Erfolg aufgrund des schwierigen Rennverlaufs alles andere als selbstverständlich war.
Manuel Lettenbichler erklärte nach dem Rennen (aus dem Englischen übersetzt):
„Ich wollte diesen Sieg heute unbedingt, war mir aber nicht ganz sicher, wie es laufen würde. Ich hatte das Gefühl, dass ich meinen inneren Kampfgeist herausholen und wirklich alles geben musste.
Insgesamt war es für mich ein Wochenende mit vielen Höhen und Tiefen. Im Beach Race wurde ich Fünfter, dann kamen die Bremsprobleme beim Forest Race und die Zeitstrafe dazu, wodurch ich auf Platz 15 zurückfiel.
Trotzdem wusste ich die ganze Zeit, dass ich mich auf dem Motorrad gut fühlte. Ich musste mich beim Mountain Race einfach möglichst früh in eine gute Position bringen.
Aus der dritten Startreihe musste ich richtig Druck machen. Ich erwischte einen guten Start und konzentrierte mich darauf, mich so gut wie möglich nach vorne zu arbeiten.
Als ich die Führung übernommen hatte, fuhr ich zunächst eine Weile mit Teo zusammen, bevor ich mich absetzen konnte.
Ich freue mich riesig über den Sieg und darüber, dass ich meine Position in der Weltmeisterschaft mit nur noch einem ausstehenden Lauf weiter stärken konnte.“
Sea to Sky 2026: Die Top 5 des Mountain Race
Hinter Lettenbichler sicherte sich Teodor Kabakchiev auf seiner Sherco den zweiten Platz. Der Bulgare benötigte 3:44:01,89 Stunden und lag damit genau vier Minuten hinter dem Sieger.
Mario Roman komplettierte auf Husqvarna das Podium. Der Spanier erreichte das Ziel nach 3:44:12,88 Stunden und verpasste Rang zwei nur um 10,99 Sekunden.
James Moore aus Südafrika belegte auf Beta den vierten Platz. Der Brite Mitch Brightmore komplettierte auf GASGAS die Top Fünf.
| Platz | Fahrer | Motorrad | Fahrzeit / Rückstand |
|---|---|---|---|
| 1 | Manuel Lettenbichler (GER) | KTM | 3:40:01,78 |
| 2 | Teodor Kabakchiev (BUL) | Sherco | 3:44:01,89 / +4:00 |
| 3 | Mario Roman (ESP) | Husqvarna | 3:44:12,88 / +4:11 |
| 4 | James Moore (RSA) | Beta | 3:54:27,97 / +14:26 |
| 5 | Mitch Brightmore (GBR) | GASGAS | 3:56:22,79 / +16:21 |
Vorläufiges Ergebnis des Sea to Sky 2026.
Weitere deutsche Fahrer beim Sea to Sky 2026
Neben Manuel Lettenbichler waren zahlreiche weitere deutsche Teilnehmer beim Sea to Sky 2026 am Start.
Während im Kampf um den Gesamtsieg vor allem die internationalen Spitzenfahrer im Mittelpunkt standen, stellten sich auch die Teilnehmer der Klassen Silber, Bronze und Iron den anspruchsvollen Bedingungen in der Türkei.
Die verschiedenen Leistungsklassen bieten Fahrern unterschiedlicher Erfahrungs- und Leistungsstufen die Möglichkeit, sich der Herausforderung Sea to Sky zu stellen.
Silber-Klasse: Matthis Millich auf Platz 37
In der Silber-Klasse war Matthis Millich auf Rang 37 der bestplatzierte Fahrer aus der hier vorliegenden deutschen Ergebnisübersicht.
Vinzenz Paulus erreichte Platz 42, während Johannes Obermaier mit Rang 58 ebenfalls unter den ersten 60 gewerteten Teilnehmern lag.
Deutsche Ergebnisse – Silber-Klasse
| Platz | Fahrer |
|---|---|
| 37 | Matthis Millich |
| 42 | Vinzenz Paulus |
| 58 | Johannes Obermaier |
| 70 | Kai Haase |
| 100 | Jean-Pierre Morgen |
| 129 | Marco Ruf |
| 132 | Manuel Woesner |
Bronze-Klasse: Zahlreiche deutsche Teilnehmer im Ziel
Auch in der Bronze-Klasse waren viele deutsche Fahrer vertreten.
Andreas Stedele erreichte auf Platz 166 das beste Ergebnis der aufgeführten deutschen Teilnehmer. Henning Meyer folgte auf Rang 170, während Eva Täuber mit Platz 178 ebenfalls in der Ergebnisliste vertreten war.
Deutsche Ergebnisse – Bronze-Klasse
| Platz | Fahrer |
|---|---|
| 166 | Andreas Stedele |
| 170 | Henning Meyer |
| 178 | Eva Täuber |
| 235 | Norman Frenzel |
| 236 | Tobias Muck |
| 244 | Marius Schittko |
| 245 | Thomas Dräger |
| 246 | Georg Klassen |
| 254 | Knut Graf |
| 255 | Rene Triska |
| 266 | Christoph Gehlen |
| 267 | Florian Grauvogl |
Iron-Klasse: Zwei weitere deutsche Fahrer in der Wertung
In der Iron-Klasse sind zwei deutsche Teilnehmer in der vorliegenden Ergebnisübersicht aufgeführt.
Stefan Fischer-Wilhelm belegte Rang 293. Martin Backes wurde auf Platz 299 gewertet.
Deutsche Ergebnisse – Iron-Klasse
| Platz | Fahrer |
|---|---|
| 293 | Stefan Fischer-Wilhelm |
| 299 | Martin Backes |
Hinweis: Die angegebenen Platzierungen wurden aus der Ergebnisübersicht übernommen.
Ergebnisse
Alle Ergebnisse gibt es auf der offiziellen Webseite (LINK).
Hard Enduro WM 2026: Lettenbichler baut Führung auf 38 Punkte aus
Mit seinem Erfolg beim Sea to Sky hat Manuel Lettenbichler seine Ausgangsposition im Kampf um die FIM Hard Enduro World Championship 2026 weiter verbessert.
Nach sieben von acht Meisterschaftsläufen führt der KTM-Pilot die Gesamtwertung mit 177 Punkten an.
Sein nächster Verfolger, Mitch Brightmore, liegt mit 139 Punkten auf Platz zwei. Damit beträgt der Vorsprung des Deutschen vor dem Saisonfinale bereits 38 Zähler.
Teodor Kabakchiev folgt mit 124 Punkten auf dem dritten Gesamtrang.
WM-Gesamtstand nach 7 von 8 Läufen
| Platz | Fahrer | Motorrad | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | Manuel Lettenbichler (GER) | KTM | 177 |
| 2 | Mitch Brightmore (GBR) | GASGAS | 139 |
| 3 | Teodor Kabakchiev (BUL) | Sherco | 124 |
| 4 | Ashton Brightmore (GBR) | GASGAS | 104 |
| 5 | James Moore (GBR) | Beta | 86 |
Vorläufiger WM-Stand nach dem siebten Lauf der FIM Hard Enduro World Championship 2026.
Der Vorsprung ist komfortabel, doch die endgültige Titelentscheidung steht noch aus.
Sollte Lettenbichler die Meisterschaft erneut gewinnen, würde er Geschichte schreiben. Es wäre sein fünfter Weltmeistertitel in Folge und insgesamt bereits sein sechster WM-Triumph.
Saisonfinale bei Hixpania Hard Enduro vom 23. bis 25. Oktober 2026
Die Entscheidung um den Hard-Enduro-Weltmeistertitel 2026 fällt in Spanien.
Vom 23. bis 25. Oktober 2026 steht mit dem Hixpania Hard Enduro der achte und letzte WM-Lauf der Saison auf dem Programm.
Für Manuel Lettenbichler geht es dort um weit mehr als einen weiteren Tagessieg. Der Deutsche hat die Chance, seine beeindruckende Erfolgsserie fortzusetzen und sich zum fünften Mal hintereinander die Weltmeisterkrone zu sichern.
Nach seinem Sieg beim Sea to Sky reist er jedenfalls mit reichlich Selbstvertrauen zum Saisonfinale.
Fazit: Lettenbichler beweist beim Sea to Sky erneut seine Ausnahmeklasse
Das Sea to Sky 2026 war für Manuel Lettenbichler eine Achterbahnfahrt der Gefühle – mit einem perfekten Ende.
Nach einem fünften Platz beim Beach Race, Problemen an der Bremse und einer zehnminütigen Zeitstrafe im Forest Race schien die Ausgangslage für den Gesamtsieg zunächst schwierig.
Doch beim entscheidenden Mountain Race zeigte der Red Bull KTM Factory Racing Pilot, weshalb er seit Jahren die internationale Hard-Enduro-Spitze prägt.
Seine Aufholjagd aus der dritten Startreihe, das Duell mit Teodor Kabakchiev und schließlich der souveräne Sieg mit vier Minuten Vorsprung waren ein weiteres Ausrufezeichen im Kampf um die Weltmeisterschaft.
Jetzt fehlt nur noch das große Finale bei Hixpania in Spanien. Dort kann Manuel Lettenbichler seinen sechsten WM-Titel perfekt machen.
Quelle: KTM, Fotos von future7media