Manchmal läuft ein Rennwochenende genauso, wie man es sich erhofft. Manchmal kommt alles anders. Und manchmal hat man innerhalb weniger Wochen gleich die komplette Bandbreite: einen überraschenden Gesamtsieg direkt vor der Haustür, extreme Hitze bei der Enduro-Europameisterschaft, einen beinahe unfahrbaren Motocross-Lauf und intensive Trainingstage mit Freunden, Sponsoren und dem BvZ Racing Team.
Langweilig wurde es in den vergangenen Wochen jedenfalls nicht. Neben den Rennen standen auch mehrere wichtige Trainingseinheiten auf dem Programm. Dabei ging es nicht nur um meine eigene fahrerische Entwicklung. Beim Sponsoren-Training durfte ich mein Wissen weitergeben, während ich beim Teamtraining in Meltewitz selbst wieder jede Menge neue Impulse mitnehmen konnte.
Heimspiel beim ADAC Enduro Cup in Boxberg
Der ADAC Enduro Cup Ost gehört in diesem Jahr eigentlich nicht zu meiner regulären Rennplanung. Mein Fokus liegt weiterhin auf den großen Enduro-Veranstaltungen und den Läufen, die für meine Saisonziele besonders wichtig sind.
Da der Lauf beim CC Jämmlitz in Boxberg aber quasi direkt vor meiner Haustür stattfand, musste ich nicht lange überlegen. Kurzfristig entschied ich mich dazu, das Rennen als zusätzliche Trainingseinheit mitzunehmen und in der Sportfahrer-Klasse an den Start zu gehen.
Ein Rennen unter echten Bedingungen ist schließlich immer noch eines der besten Trainings. Man kann seine Linienwahl verbessern, an der Konzentration arbeiten und gleichzeitig überprüfen, wie gut man sein Tempo über einen längeren Zeitraum halten kann.
Normalerweise werden die Läufe im ADAC Enduro Cup über drei Stunden ausgetragen. In Boxberg war das Rennen jedoch auf zwei Stunden angesetzt. Dieses kompaktere Format liegt mir deutlich besser und macht mir persönlich auch mehr Spaß.
Von Beginn an fand ich einen guten Rhythmus. Über die gesamten zwei Stunden konnte ich ein konstant hohes Tempo fahren und konzentriert meine Runden abspulen. Dabei gelang es mir, größere Fehler zu vermeiden und auch gegen Ende des Rennens nicht nachzulassen.
Am Ende zahlte sich die konstante Leistung aus. Mit mehr als fünf Minuten Vorsprung konnte ich nicht nur meine Klasse gewinnen, sondern auch den Gesamtsieg aller Teilnehmer einfahren.
Aus dem ursprünglich geplanten Trainingslauf wurde damit ein rundum gelungener Renntag. Einen Gesamtsieg direkt vor der eigenen Haustür mitzunehmen, fühlt sich natürlich besonders gut an. Gleichzeitig war das Rennen eine wichtige Bestätigung dafür, dass meine Form stimmt und ich auch über die komplette Renndistanz ein hohes Tempo halten kann.
Hitzeschlacht bei der Enduro-Europameisterschaft in Italien
Nach dem erfolgreichen Heimspiel in Boxberg wartete eine komplett andere Herausforderung auf mich. Die zweite Runde der Internationalen Enduro-Europameisterschaft führte uns nach Italien.
Schon vor dem Start war klar, dass das kein normales Rennwochenende werden würde. Bereits am Morgen zeigte das Thermometer rund 28 Grad. Im weiteren Tagesverlauf kletterten die Temperaturen auf bis zu 36 Grad im Schatten.
Dazu kamen Staub, steile Auffahrten, steinige Abfahrten und anspruchsvolle Bergpassagen. Die Strecke verlangte nicht nur fahrerisch alles von uns ab. Auch körperlich wurde das Wochenende zu einer echten Belastungsprobe.
Bei diesen Temperaturen muss man permanent darauf achten, ausreichend zu trinken und die eigenen Kräfte richtig einzuteilen. Gleichzeitig darf man auf den Prüfungen keine Konzentration verlieren. Schon ein kleiner Fehler kann auf dem harten und steinigen Untergrund viel Zeit kosten.
Schwieriger Start und eine bittere Strafminute
Der erste Renntag begann für mich leider nicht ganz nach Plan. Auf der extrem engen Cross-Test-Strecke fiel es mir zunächst schwer, meinen Rhythmus zu finden.
Die Strecke ließ kaum Platz für Fehler. Viele Kurven waren eng angelegt und mussten sehr präzise gefahren werden. Gerade zu Beginn fehlte mir dort noch etwas die Sicherheit, um wirklich frei und aggressiv fahren zu können.
Hinzu kam ein Rückstau auf der Etappe. Dadurch erreichte ich den nächsten Test verspätet und kassierte eine Strafminute. Diese zusätzliche Minute war natürlich besonders ärgerlich, weil sie nichts mit meiner eigentlichen Geschwindigkeit auf den Prüfungen zu tun hatte.
In der Gesamtwertung warf mich die Strafe zunächst von Platz acht auf Rang elf zurück.
Trotzdem wollte ich mich davon nicht entmutigen lassen. Es bringt nichts, während eines laufenden Rennens lange über eine Strafe oder eine unglückliche Situation nachzudenken. Entscheidend ist, sich wieder zu sammeln und auf die nächsten Prüfungen zu konzentrieren.
Im Laufe des Tages gelang mir das immer besser. Sowohl im Enduro-Test als auch im Cross-Test konnte ich meine Zeiten kontinuierlich verbessern. Mit jeder Runde gewann ich mehr Sicherheit auf dem steilen, staubigen und steinigen Terrain.
Motorrad verschwindet nach Sturz im Abhang
Am zweiten Renntag passierte mir im Enduro-Test dann ein weiteres Missgeschick. Nach einem Sturz rutschte mein Motorrad einen steilen Abhang hinunter und blieb in den Büschen hängen.
In diesem Moment ging es nicht nur darum, schnell wieder auf das Motorrad zu kommen. Ich musste die Maschine zunächst aus dem Abhang befreien und zurück auf die Strecke bringen.
Bis ich das Motorrad wieder aus den Büschen gezogen hatte, vergingen rund 30 Sekunden. Zusätzlich kostete mich die Aktion jede Menge Kraft. Bei Temperaturen von deutlich über 30 Grad sind solche Situationen doppelt anstrengend. Der Zeitverlust ist ärgerlich, aber auch der körperliche Aufwand macht sich in den anschließenden Prüfungen bemerkbar.
Trotz dieses Rückschlags gab ich bis zum Schluss nicht auf.
In der letzten Runde konnte ich noch einmal richtig angreifen. Sowohl im Enduro-Test als auch im Cross-Test fuhr ich meine persönlichen Bestzeiten des gesamten Wochenendes.
Das war für mich eine wichtige Erkenntnis. Trotz der extremen Temperaturen, der Strafminute und des Sturzes war ich am Ende noch in der Lage, mein Tempo zu steigern. Das zeigt mir, dass die Geschwindigkeit grundsätzlich da ist und ich mich auch unter schwierigen Bedingungen weiterentwickeln kann.
Natürlich wäre ohne die Strafminute und den Sturz ein deutlich besseres Ergebnis möglich gewesen. Trotzdem nehme ich viele positive Erkenntnisse aus Italien mit.
Gerade auf einer so anspruchsvollen Strecke und bei diesen Temperaturen konnte ich wichtige Erfahrungen sammeln. Ich habe mich nicht aufgegeben, meine Zeiten kontinuierlich verbessert und bis zur letzten Prüfung gekämpft.
Jetzt heißt es, aus den Fehlern zu lernen, das Positive mitzunehmen und den Blick wieder nach vorne zu richten. Die Saison ist noch lang. Genau solche schwierigen Wochenenden sind es, die einen als Fahrer stärker machen.
Technikpech bei der Motocross-Landesmeisterschaft in Groß Glienicke
Nach dem anstrengenden Rennwochenende in Italien stand direkt die nächste Aufgabe an: die Motocross-Landesmeisterschaft in Groß Glienicke.
Das Ziel war klar. Ich wollte wichtige Punkte für die Meisterschaft sammeln und meinen zweiten Tabellenplatz verteidigen.
Der erste Lauf wurde jedoch schon früh zu einer echten Herausforderung. Nach einem Zusammenstoß in einer engen Kurve brach mein Kupplungshebel ab. Vermutlich hatte sich bei dem Kontakt zusätzlich die Schaltwelle verbogen.
Dadurch ließ sich das Motorrad kaum noch schalten. Einen großen Teil des ersten Laufs musste ich nahezu ausschließlich im dritten Gang absolvieren.
Auf einer Motocross-Strecke ist das natürlich alles andere als ideal. In langsamen Kurven fehlt der passende Gang für eine saubere Beschleunigung, während auf schnellen Passagen die Übersetzung nicht ausreicht, um das volle Tempo abzurufen.
Unter diesen Bedingungen war es schwer, wirklich schnell zu fahren. Trotzdem versuchte ich, meinen Rhythmus zu behalten, möglichst flüssig unterwegs zu sein und das Beste aus der Situation herauszuholen.
Nach dem ersten Lauf wurde das Motorrad provisorisch repariert. Ganz beheben ließ sich das Problem vor Ort jedoch nicht. Die Schaltung funktionierte weiterhin nicht sauber. Vor allem die höheren Gänge ließen sich nur schwer oder teilweise gar nicht einlegen.
Damit blieb auch der zweite Lauf ein Kampf gegen die Technik.
Am Ende reichte es dennoch für den fünften Platz in der Tageswertung. Außerdem konnte ich meinen zweiten Platz in der Motocross-Landesmeisterschaft verteidigen.
Unter normalen Umständen hätte ich mir natürlich ein besseres Ergebnis gewünscht. Wenn man bedenkt, dass das Motorrad über weite Teile des Renntages nicht richtig funktionierte, kann ich mit den geretteten Punkten aber zufrieden sein.
Qualifikation für die Cross Finals im Tessin
Mit dem Ergebnis in Groß Glienicke habe ich mich gleichzeitig für die Cross Finals qualifiziert, die Ende August im Tessin stattfinden.
Bei den Cross Finals treffen die jeweils besten Fahrer der verschiedenen Landesmeisterschaften aus den Bundesländern aufeinander. Für mich ist die Teilnahme etwas ganz Besonderes.
Mein sportlicher Schwerpunkt liegt in diesem Jahr eigentlich klar auf dem Enduro. Trotzdem bekomme ich nun die Möglichkeit, bei einem der größten Motocross-Events des Jahres für Brandenburg an den Start zu gehen.
Darauf freue ich mich riesig. Gemeinsam mit Gustav Busch werde ich versuchen, unser Bundesland bestmöglich zu vertreten.
Die Veranstaltung wird sicherlich noch einmal eine ganz andere Herausforderung. Dort treffen viele schnelle Fahrer aus ganz Deutschland aufeinander. Für mich ist es gleichzeitig eine gute Gelegenheit, weitere Motocross-Rennerfahrung zu sammeln und mich mit starken Fahrern zu messen.
Bis dahin bleibt noch etwas Zeit, um an meiner Geschwindigkeit und an den Starts zu arbeiten. Und natürlich hoffe ich, dass die Technik im Tessin zuverlässiger mitspielt als zuletzt in Groß Glienicke.
Gemeinsam besser: Mein drittes Sponsoren-Training
Neben den Rennen stand in den vergangenen Wochen auch wieder mein Sponsoren-Training auf dem Programm. Bereits zum dritten Mal in Folge fand der gemeinsame Trainingstag beim MSC Hänchen statt.
Auch in diesem Jahr war die Veranstaltung wieder ein voller Erfolg.
Besonders cool finde ich, dass die Trainingsgruppe aus dem ersten Jahr noch immer komplett dabei ist. Aus der damaligen Runde ist inzwischen fast schon eine eigene kleine Motorradgang entstanden.
Alle sind dem Sport treu geblieben, fahren regelmäßig zusammen und entwickeln sich immer weiter. Genau das war eines der Ziele, als wir das erste Sponsoren-Training organisiert haben. Es sollte nicht nur um einen einzelnen Trainingstag gehen, sondern auch darum, Menschen für den Motorradsport zu begeistern und eine Gemeinschaft entstehen zu lassen.
In diesem Jahr waren zusätzlich viele weitere Vereinsmitglieder, Unterstützer und Freunde dabei. Dadurch entstand eine richtig starke Gruppe und genau die passende Stimmung für einen entspannten, aber trotzdem produktiven Trainingstag.
Kleine Details machen auf dem Motorrad den Unterschied
Im Mittelpunkt des Trainings stand vor allem die Fahrtechnik auf dem Motorrad.
Wir haben unterschiedliche Übungen absolviert, an grundlegenden Bewegungsabläufen gearbeitet und immer wieder kleine Details verbessert. Häufig sind es genau diese Kleinigkeiten, die später einen großen Unterschied machen.
Dazu gehören unter anderem die richtige Position auf dem Motorrad, der Blick in die gewünschte Fahrtrichtung, eine saubere Bedienung von Kupplung und Bremse sowie das richtige Timing beim Beschleunigen.
Jeder meiner Schützlinge konnte sich im Laufe des Tages Schritt für Schritt verbessern. Für mich ist es immer wieder spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Fahrer an bestimmte Aufgaben herangehen.
Manchmal reicht schon ein kleiner Hinweis, damit eine Übung plötzlich deutlich besser funktioniert. Genau das macht mir an solchen Tagen besonders viel Spaß: zu sehen, wie die Teilnehmer meine Tipps umsetzen, sicherer werden und sich fahrerisch weiterentwickeln.
Am Ende war es ein rundum gelungener Tag mit viel Training, guter Stimmung und jeder Menge Spaß auf dem Motorrad.
Ein großes Dankeschön geht an alle Teilnehmer, Unterstützer und natürlich an den MSC Hänchen, der uns erneut hervorragende Bedingungen geboten hat.
Volle Power in Meltewitz beim BvZ-Teamtraining
Kurz darauf ging es für mich selbst wieder in die Rolle des Schülers. Fast das komplette BvZ Racing Team traf sich auf der legendären Strecke in Meltewitz zu einem gemeinsamen Trainingstag.
Vielen Dank an den Verein, der uns dieses Training ermöglicht hat.
Trainiert wurde den gesamten Tag gemeinsam mit Denis Schröter. Unser letztes gemeinsames Training lag bereits eine ganze Weile zurück. Deshalb wurde es definitiv wieder Zeit für eine neue Einheit.
Als 16-facher Deutscher Enduro-Meister bringt Denis unglaublich viel Erfahrung mit. Gleichzeitig hat er ein extrem gutes Auge für jeden einzelnen Fahrer.
Ob Linienwahl, Körperposition, Fahrtechnik oder kleine Fehler in den Bewegungsabläufen: Denis erkennt sehr schnell, an welchen Stellen noch Potenzial vorhanden ist. Seine Hinweise sind klar, direkt und lassen sich auf dem Motorrad gut umsetzen.
Davon konnte jeder im Team profitieren.
Besonders cool war, dass fast alle gemeinsam auf der Strecke unterwegs waren – von den jungen Nachwuchsfahrern bis zu den erfahrenen alten Hasen.
Jeder konnte an seinen persönlichen Schwächen arbeiten, neue Linien ausprobieren und sich im Laufe des Tages verbessern. Gleichzeitig war es schön, wieder einmal fast das komplette Team an einem Ort zu haben.
Solche gemeinsamen Trainingstage sind nicht nur aus sportlicher Sicht wichtig. Sie stärken auch den Zusammenhalt innerhalb des Teams. Man tauscht sich aus, hilft sich gegenseitig und kann voneinander lernen.
Für mich war es ein richtig guter und intensiver Trainingstag. Ich konnte einige wichtige Hinweise mitnehmen, an denen ich in den kommenden Wochen weiterarbeiten werde.
Zwischen Rennstrecke und Universität
Als Nächstes freue ich mich auf das Sprint Enduro in Großlöbichau. Das Format macht mir viel Spaß, und nach den intensiven vergangenen Wochen möchte ich dort wieder voll angreifen.
Die Erfahrungen aus Italien, Boxberg und den beiden Trainingstagen haben mir gezeigt, an welchen Bereichen ich weiterarbeiten muss. Gleichzeitig weiß ich, dass mein Tempo stimmt und ich auch unter schwierigen Bedingungen bis zum Schluss kämpfen kann.
Ganz nebenbei wartet allerdings auch abseits des Motorsports noch einiges auf mich. An der Universität stehen in nächster Zeit mehrere Prüfungen an.
Training, Rennen, Vorbereitung, Regeneration und Lernen unter einen Hut zu bekommen, wird sicherlich nicht ganz einfach. Aber genau solche Phasen gehören dazu.
Eine gute Planung wird in den kommenden Wochen also mindestens genauso wichtig sein wie eine schnelle Linie auf der Rennstrecke.
Ich bin gespannt, was die nächsten Veranstaltungen bringen. Nach Gesamtsieg, Hitzeschlacht, Technikpech und intensiven Trainingstagen ist auf jeden Fall eines sicher: Die Saison bleibt abwechslungsreich.
Bis bald an der Strecke!
Euer Felix