Dakar Rally 2026, Etappe 10: Van Beveren dominiert die Dünen, Brabec übernimmt die Gesamtführung

Die Dakar Rally 2026 bleibt ein absoluter Nervenkitzel – und Etappe 10 hat das Klassement einmal mehr komplett auf den Kopf gestellt. Während Adrien Van Beveren mit einer beeindruckenden Machtdemonstration in den Dünen seinen siebten Dakar-Etappensieg einfuhr, schnappte sich Teamkollege Ricky Brabec dank cleverem Racing und Zeitgutschriften die Führung in der Gesamtwertung.

Nach dem Biwak der Marathon-Etappe ging es frühmorgens in Richtung Bisha in der saudi-arabischen Provinz Asir. Auf die Fahrer wartete eine 368 Kilometer lange Wertungsprüfung, geprägt von weichem, kräfteraubendem Sand, endlosen Dünenketten und maximaler mentaler Belastung. Erst im Ziel durften Mensch und Maschine wieder auf die Unterstützung der Teams zurückgreifen – ein echter Härtetest.

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Van Beveren in seinem Element – Sand, Speed und Erfahrung

Wenn es tiefen Sand und riesige Dünen gibt, ist Adrien Van Beveren meist ganz vorne zu finden. Der Fahrer von Monster Energy Honda HRC fühlte sich auf Etappe 10 sichtlich wohl und spielte seine enorme Erfahrung im Sand gnadenlos aus. Nicht umsonst gewann der Franzose dreimal das legendäre Strandrennen Le Touquet – genau diese Routine zahlte sich auch hier aus.

Van Beveren arbeitete sich im Verlauf der Prüfung an Tosha Schareina, Brabec und Michael Docherty vorbei, übernahm die Führung und sammelte wertvolle Bonussekunden. Selbst als Luciano Benavides zwischenzeitlich Druck machte, blieb Van Beveren cool, kontrollierte das Tempo und zog das Ding souverän durch.

Am Ende stand ein klarer Etappensieg mit 3:49 Minuten Vorsprung auf Brabec – ein echtes Ausrufezeichen bei seiner mittlerweile 11. Dakar-Teilnahme. Nach Problemen zu Beginn der Rally ist der Franzose endgültig zurück auf Topniveau.

„Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel. Nach der schwierigen ersten Woche war es nicht leicht, den Fokus wiederzufinden. Aber heute habe ich gezeigt, dass ich wieder auf meinem echten Level bin.“
– Adrien Van Beveren


Brabec taktisch stark – neue Führung nach Etappe 10

Auch wenn er „nur“ Zweiter wurde: Ricky Brabec war einer der großen Gewinner des Tages. Der US-Amerikaner startete als Vierter, nutzte die Spuren vor sich clever aus und fand schnell einen starken Rhythmus. Kurzzeitig wurde er jedoch aufgehalten, als er anhielt, um dem gestürzten Daniel Sanders zu helfen – eine sportlich faire Aktion, die sich später auszahlen sollte.

Dank einer Zeitgutschrift von 1:37 Minuten für die Hilfeleistung übernahm Brabec nach dem Ziel die Gesamtführung der Dakar Rally 2026. Nach über 41 Stunden Rennzeit trennt ihn nun lediglich 56 Sekunden von Benavides – enger geht es kaum.

„Die Marathon-Etappe war etwas ganz Besonderes. Unter freiem Himmel schlafen, zwei harte Tage, aber wir sind sauber durchgekommen. Mein Bike ist heil – das freut vor allem meine Mechaniker.“
– Ricky Brabec


Benavides, Schareina & Howes – Drama, Fehler und Konstanz

Luciano Benavides erlebte einen echten Schreckmoment: Nach dem Tanken blieb er in einer Düne hängen und verlor mehrere Minuten. Zwischenzeitlich fürchtete der KTM-Pilot sogar das Aus für seine Dakar. Dank Hilfe anderer Fahrer konnte er jedoch weiterfahren und sich mit Platz drei auf der Etappe voll zurückmelden.

Tosha Schareina, Sieger der vorherigen Etappe, hatte als Eröffner der Route einen schweren Job. Bereits nach 123 Kilometern lag er rund 17 Minuten zurück. Später half auch er Sanders, kassierte dafür 5:28 Minuten Bonuszeit und liegt nun provisorisch auf Gesamtrang drei – mit guter Ausgangsposition für die kommenden Tage.

Skyler Howes zeigte einmal mehr, warum Konstanz bei der Dakar Gold wert ist. Platz vier auf der Etappe, keine technischen Probleme und weiterhin Rang fünf gesamt – eine blitzsaubere Leistung auf der Honda CRF450 RALLY.


Sanders stürzt schwer – Kampfgeist trotz Schmerzen

Für Daniel Sanders lief es bis Kilometer 123 eigentlich hervorragend. Der Australier holte den Führenden ein und sammelte Bonuszeit, ehe ein heftiger Sturz nach einem großen Dünsensprung alles veränderte. Trotz Verletzungen brachte er seine KTM 450 RALLY als 16. ins Ziel und wurde nach medizinischen Checks für den weiteren Verlauf freigegeben.

„Ich habe starke Schmerzen, aber Aufgeben ist keine Option. Jetzt heißt es, Tag für Tag zu schauen, was möglich ist und bis zum Ende zu kämpfen.“
– Daniel Sanders


Deutscher Fahrer: Maxi Schek solide unterwegs

Aus deutscher Sicht erreichte Maxi Schek auf Etappe 10 den 42. Rang. In der Gesamtwertung liegt er damit aktuell auf Platz 29 – eine respektable Leistung bei dieser extrem anspruchsvollen Dakar-Ausgabe.


Ergebnisse Etappe 10 – Dakar Rally 2026 (Motorrad)

  1. Adrien Van Beveren (FRA), Honda – 4:15:43
  2. Ricky Brabec (USA), Honda – +3:49
  3. Luciano Benavides (ARG), KTM – +4:04
  4. Skyler Howes (USA), Honda – +4:51
  5. Ignacio Cornejo (CHI), Hero – +6:34

Gesamtwertung nach 10 von 13 Etappen

  1. Ricky Brabec (USA), Honda – 41:35:13
  2. Luciano Benavides (ARG), KTM – +0:56
  3. Tosha Schareina (ESP), Honda – +15:43
  4. Daniel Sanders (AUS), KTM – +17:37
  5. Skyler Howes (USA), Honda – +38:53

Ausblick: Etappe 11 – alles oder nichts

Mit nur noch drei verbleibenden Etappen ist bei der Dakar Rally 2026 alles offen. Etappe 11 führt die Fahrer über satte 883 Kilometer Richtung Al Henakiyah – ein langer, brutaler Tag ohne Platz für Fehler. Konzentration, Navigation und körperliche Reserven werden jetzt über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Quelle: Dakar.com, KTM, Honda

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