Querbeet – Von Hindernissen, Schmierseife und jeder Menge Staub
Manchmal liegen im Motorsport Welten auseinander – und trotzdem nur eine Woche dazwischen. Genau so fühlten sich meine vergangenen Rennwochenenden an. Erst ging es für mich bei meiner SuperEnduro-Premiere in der Kaiserpfalz Arena über künstliche Hindernisse, direkt vor mehr als 2.000 Zuschauern. Nur wenige Tage später wartete in Großlöbichau wieder die Internationale Deutsche Enduro Meisterschaft – mit Regen, Schmierseife unter den Reifen und anschließend einer ordentlichen Staubschlacht.
Abwechslungsreicher hätte es kaum laufen können.
In meiner letzten Kolumne hatte ich bereits angekündigt, dass es für mich Anfang August zum Sprint Enduro nach Großlöbichau gehen sollte. Bevor es dort aber wieder um Punkte in der Internationalen Deutschen Enduro Meisterschaft ging, stand erst einmal etwas komplett Neues auf dem Programm: mein erstes SuperEnduro.
Und wie sich herausstellen sollte, war das alles andere als ein vorsichtiges Herantasten.
Neuland mit Hindernissen und jeder Menge Publikum
Enduro fahre ich nun wirklich nicht erst seit gestern. Trotzdem war das, was mich in der Kaiserpfalz Arena erwartete, absolutes Neuland.
Das Endurocross von Tim Apolle unterscheidet sich schon ziemlich deutlich von dem, was ich sonst gewohnt bin. Künstlich angelegte Hindernisse, enge Streckenabschnitte, kurze und extrem intensive Rennen – und dazu die Zuschauer praktisch direkt an der Strecke.
Normalerweise bist du beim klassischen Enduro über einen deutlich längeren Zeitraum unterwegs. Du hast Verbindungsetappen, Sonderprüfungen und musst deine Konzentration über den gesamten Fahrtag hochhalten. Beim SuperEnduro dagegen passiert gefühlt alles gleichzeitig.
Start. Erstes Hindernis. Nächste Spur. Zweikampf. Wieder ein Hindernis.
Viel Zeit zum Nachdenken bleibt da nicht.
Entsprechend gespannt war ich auf das Wochenende. Wenn man bei einem neuen Format zum ersten Mal am Start steht, weiß man vorher schließlich nie so genau, wo man tatsächlich steht.
Die Antwort darauf bekam ich ziemlich schnell.
Erster Start, erster Lauf – erster Sieg
Im ersten Lauf erwischte ich direkt einen richtig guten Start und konnte mich vorne behaupten.
Dass ich bei meiner allerersten Teilnahme tatsächlich gleich meinen ersten SuperEnduro-Lauf gewinnen würde, damit hatte ich definitiv nicht gerechnet.
Das war schon ein ziemlich cooler Einstand!
Natürlich merkt man trotzdem sofort, dass dieses Format seine ganz eigenen Anforderungen hat. Du musst die Hindernisse sauber fahren, schnell reagieren und gleichzeitig aufpassen, was die Konkurrenz um dich herum macht. Während du im klassischen Enduro häufig hauptsächlich gegen die Uhr kämpfst, bist du beim SuperEnduro viel direkter im Zweikampf.
Im zweiten Lauf kam ich erneut gut vom Start weg. Diesmal lief es danach allerdings nicht ganz so glatt.
Ich rutschte unglücklich weg – und plötzlich war die gute Ausgangsposition dahin. Statt vorne mitzufahren, fand ich mich praktisch am Ende des Feldes wieder.
Also blieb nur eins: abhaken, weiterfahren und versuchen, möglichst schnell wieder Plätze gutzumachen.
Am Ende konnte ich mich immerhin noch bis auf Rang sechs nach vorne kämpfen.
Gerade dabei merkt man, wie gnadenlos dieses Veranstaltungsformat sein kann. Die Rennen sind kurz, die Strecke ist eng und nach einem Fehler kommt sofort das nächste Hindernis. Viel Zeit, verlorenen Boden wieder gutzumachen, gibt es nicht.
Aber genau das macht die Sache gleichzeitig so spannend.
Mehr als 2.000 Zuschauer – diese Kulisse war neu
Fast ungewohnter als die Strecke selbst war für mich allerdings die Atmosphäre.
Mehr als 2.000 Zuschauer waren vor Ort – und das hat man definitiv gemerkt.
Beim klassischen Enduro bekommst du die Fans während einer Sonderprüfung meistens nur punktuell mit. An manchen Stellen stehen viele Leute, an anderen bist du wiederum komplett für dich.
In der Kaiserpfalz Arena war das völlig anders.
Dort bist du praktisch die gesamte Zeit mittendrin. Die Zuschauer sehen jeden Zweikampf, jedes Hindernis, jeden Fehler und natürlich auch jedes Überholmanöver.
Das sorgt für eine ganz besondere Stimmung.
Für meine erste Erfahrung im SuperEnduro hätte es deshalb eigentlich kaum besser laufen können. Klar ist auch: Fahrerisch gibt es bei so einem neuen Format für mich noch jede Menge zu lernen. Aber genau deshalb war dieses Wochenende so wertvoll.
Und vor allem hat es einfach riesigen Spaß gemacht.
Eines steht für mich deshalb schon fest: Wenn sich wieder eine Gelegenheit ergibt, war das garantiert nicht mein letztes SuperEnduro.
Zwei Welten: Erst Schmierseife, dann Staubschlacht
Viel Zeit, die neue Erfahrung zu verarbeiten, blieb allerdings nicht.
Nur eine Woche später ging es bereits weiter nach Großlöbichau bei Jena. Diesmal wartete wieder bekanntes Terrain auf mich: die Internationale Deutsche Enduro Meisterschaft.
Wobei „bekannt“ nur bedingt stimmt.
Denn Großlöbichau hatte an diesem Wochenende gleich zwei komplett unterschiedliche Gesichter.
Auf dem Programm stand ein Sprint-Enduro-Wochenende mit zwei Renntagen und jeweils 15 Sonderprüfungen. Das bedeutet ordentlich Fahrzeit – und vor allem jede Menge Möglichkeiten, Sekunden gutzumachen.
Oder eben liegenzulassen.
Das Besondere waren aber die Bedingungen.
Obwohl wir Samstag und Sonntag am gleichen Ort und auf den gleichen Prüfungen unterwegs waren, hätten sich die beiden Tage kaum unterschiedlicher anfühlen können.
Samstag: Regen, rutschiger Boden und Rhythmussuche
Am Samstag machte uns zunächst der Regen das Leben schwer.
Der Boden wurde immer schmieriger und die Prüfungen entsprechend anspruchsvoll. Unter solchen Bedingungen muss man ziemlich genau herausfinden, wie viel Grip überhaupt vorhanden ist.
Wie viel kann ich am Kurveneingang riskieren?
Wo kann ich früh ans Gas?
Welche Spur funktioniert?
Und wo reicht schon ein kleiner Fehler, damit das Motorrad plötzlich ganz woanders hinfährt als geplant?
Gerade unter solchen Bedingungen braucht es manchmal ein bisschen Zeit, bis man den richtigen Rhythmus findet.
Und genau diese Zeit brauchte ich an diesem Samstag leider auch.
Das Ergebnis am ersten Tag war deshalb noch nicht ganz das, was ich mir vorgestellt hatte. Trotzdem konnte ich im Verlauf des Tages einiges lernen und mich immer besser auf die schwierigen Bedingungen einstellen.
Beim Sprint Enduro ist das allerdings leichter gesagt als getan.
Durch die vielen kurzen Prüfungen musst du ständig wieder voll konzentriert sein. Du kannst nicht einfach sagen: „Die nächste halbe Stunde rolle ich mich erst einmal ein.“
Jede Prüfung zählt.
Jede Sekunde zählt.
Sonntag: Plötzlich Hitze und jede Menge Staub
Und dann kam der Sonntag.
Mit ihm kam praktisch das komplette Gegenteil.
Der Regen war weg, die Strecke trocknete ab, die Temperaturen gingen nach oben – und plötzlich kämpften wir statt mit Schmierboden mit Hitze und jeder Menge Staub.
Also hieß es wieder: komplett neu einstellen.
Genau das gehört für mich aber auch zum Endurosport dazu. Die Bedingungen können sich innerhalb kürzester Zeit verändern und als Fahrer musst du dich darauf einstellen.
Diesmal kam ich von Beginn an deutlich besser zurecht.
Ich fand schneller meinen Rhythmus, fühlte mich auf den Prüfungen wohler und konnte auch in dem stark und international besetzten Fahrerfeld gut mithalten.
Nach dem schwierigen Samstag war das für mich besonders wichtig.
Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn bereits am ersten Tag alles perfekt funktioniert hätte. Aber gerade die Steigerung vom Samstag auf den Sonntag zeigt mir, dass die Richtung stimmt.
Und manchmal nimmt man aus einem Wochenende, an dem nicht von Anfang an alles läuft, sogar mehr mit als aus einem Rennen, bei dem alles problemlos funktioniert.
Platz vier in der Meisterschaft
Über beide Tage gesehen war Großlöbichau deshalb wieder ein Wochenende, aus dem ich einiges mitnehmen konnte.
Vor allem die Verbesserung vom ersten auf den zweiten Renntag hat mich gefreut.
Und auch mit Blick auf die Meisterschaft hat sich das Wochenende gelohnt.
In meiner Klasse konnte ich mich in der Meisterschaftswertung auf den vierten Platz verbessern.
Damit bin ich natürlich noch nicht am Ziel. Aber die Ausgangslage für die kommenden Läufe ist definitiv interessant.
Gegensätze ziehen sich an
Wenn ich auf diese beiden Veranstaltungen zurückblicke, zeigt sich eigentlich ziemlich gut, was ich am Endurosport und am Motorradfahren generell so mag.
In der Kaiserpfalz stand ich plötzlich vor mehr als 2.000 Zuschauern auf einer künstlich gebauten Strecke und musste mich bei meinem ersten SuperEnduro über Hindernisse kämpfen, die mit einer klassischen Sonderprüfung nicht besonders viel gemeinsam haben.
Nur eine Woche später ging es in Großlöbichau wieder gegen die Uhr.
Erst bei Regen und Schmierboden.
Einen Tag später bei Hitze und Staub.
Viel unterschiedlicher hätten zwei Rennwochenenden kaum sein können.
Aber genau solche Erfahrungen bringen mich weiter.
Das SuperEnduro hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, auch einmal etwas komplett Neues auszuprobieren. Einfach in eine Situation zu gehen, bei der man vorher noch nicht genau weiß, was einen erwartet.
Und Großlöbichau hat einmal mehr gezeigt, wie schnell man sich beim Enduro auf komplett andere Bedingungen einstellen muss.
Langweilig wird es also weiterhin nicht.
Rennfahrerleben trifft Schulbank
Zwischen all den Rennwochenenden gibt es bei mir momentan natürlich auch noch den ganz normalen Alltag.
Während sich meine Betreuer zwischendurch sogar eine Woche Urlaub gegönnt haben, hieß es für mich weiter: Schulbank drücken und nach Potsdam pendeln.
Motorradfahren wäre mir meistens lieber.
Aber auch das gehört momentan eben dazu.
Training, Rennen, Vorbereitung, Schule und die ganzen Fahrten dazwischen wollen irgendwie unter einen Hut gebracht werden.
Nach den vergangenen Wochen kann ich mich trotzdem wirklich nicht beschweren.
Eine gelungene Premiere beim SuperEnduro, wichtige Erfahrungen in der Deutschen Meisterschaft und vor allem jede Menge Zeit auf dem Motorrad – so darf es gern weitergehen.
Und genau das wird es.
Denn die nächsten Aufgaben warten bereits.
Fremdgehen mit Rückkehrgarantie
Bevor es für mich beim Enduro weitergeht, steht nämlich noch einmal ein kleiner Ausflug in eine andere Disziplin an.
Und auch das wird wieder eine Premiere.
Durch meine Ergebnisse in der aktuell laufenden Motocross-Landesmeisterschaft Berlin-Brandenburg habe ich mich in diesem Jahr für die Cross Finals qualifiziert.
Bei den Cross Finals treten die jeweils besten Fahrer der verschiedenen Landesmeisterschaften gegeneinander an.
Für mich bedeutet das: Gemeinsam mit dem Team Berlin-Brandenburg geht es zu einer Veranstaltung, bei der ich bisher noch nie selbst am Start war.
Entsprechend groß ist meine Vorfreude.
Von den Cross Finals habe ich bisher immer nur gehört, dass es ein richtig starkes Event mit einer besonderen Atmosphäre sein soll. Jetzt selbst dort am Start zu stehen, macht die Sache natürlich noch einmal deutlich interessanter.
Ich bin auf jeden Fall riesig gespannt, was mich dort erwartet und wie ich mich gegen die Fahrer aus den anderen Landesverbänden schlagen kann.
Das wird sicherlich keine einfache Aufgabe.
Aber genau für solche Veranstaltungen fährt man schließlich Rennen.
Nach den Cross Finals zurück zum Enduro nach Rehna
Nach meinem kleinen Motocross-Ausflug geht es dann wieder zurück in den Enduro-Modus.
Der nächste Lauf der Internationalen Deutschen Enduro Meisterschaft führt uns in den hohen Norden nach Rehna.
Dort bin ich schon eine ganze Weile nicht mehr gefahren.
Die Sonderprüfungen habe ich noch etwas verschwommen in Erinnerung, aber allzu viel bringt einem das sowieso nicht. Strecke anschauen, Bedingungen einschätzen und dann versuchen, sich möglichst schnell darauf einzustellen – das Spiel kennen wir mittlerweile.
Gemeinsam mit meinem BvZ Racing Team möchte ich dort natürlich wieder möglichst gute Ergebnisse einfahren und wichtige Meisterschaftspunkte mitnehmen.
Nach Großlöbichau liege ich aktuell auf dem vierten Platz in meiner Klasse.
Diesen Platz möchte ich in Rehna natürlich mindestens verteidigen.
Wenn mehr möglich ist, nehme ich das selbstverständlich auch gern mit.
Es stehen also erneut zwei ziemlich unterschiedliche Rennwochenenden vor mir:
Erst Motocross bei den Cross Finals.
Danach zurück zum Enduro nach Rehna.
Nach SuperEnduro, Schmierseife, Staub und Sprintprüfungen bleibt die Saison damit genau so abwechslungsreich, wie sie zuletzt gewesen ist.
Langweilig wird es definitiv nicht.
Bis dahin – bleibt auf dem Gas!
Euer Felix
Quelle: Fotos von Nicolas Geßner (grenznic640)