Die 74. ADAC Geländefahrt „Rund um Rehna“ hatte wirklich alles, was einen klassischen Enduro-Lauf ausmacht: Dauerregen, tiefe Schlammlöcher, komplett aufgeweichte Sonderprüfungen, technische Probleme, Stürze und Entscheidungen um die Deutsche Meisterschaft, die teilweise erst auf den letzten Metern fielen. Rund 220 Fahrer stellten sich den extremen Bedingungen beim vorletzten Lauf der Deutschen Enduro Meisterschaft 2026.
Sportlich ragten vor allem zwei Fahrer heraus: Jeremy Sydow machte mit einer makellosen Vorstellung seinen nächsten Deutschen Meistertitel in der E1 perfekt, während Matyas Chlum die E2 nach einem echten Sekundenkrimi für sich entschied und ebenfalls vorzeitig Meister wurde. Dazu gab es im Juniorenbereich einige dramatische Wendungen – und für Garry Dittmann einen Podiumsplatz in der J1, nachdem sein Rennen zwischen starkem Auftakt, heftigem Sturz und erneutem Starkregen mehrfach auf der Kippe stand.
Dauerregen macht aus Rehna eine echte Enduro-Schlacht
Schon vor dem eigentlichen Renntag war klar: Einfach würde diese Geländefahrt nicht werden. Bereits am Freitag hatte Dauerregen den Untergrund rund um Rehna massiv aufgeweicht. Vor allem die Stoppelfelder und die Motocross-Strecke des MC Rehna standen unter enormem Einfluss der Wassermassen. Zusätzlich machte kräftiger Wind den Aufbau und die Vorbereitung nicht gerade leichter.
Auch aus Fahrersicht waren die Bedingungen außergewöhnlich. Im separaten Rennbericht wird beschrieben, dass es bereits ab Donnerstag extrem stark geregnet hatte. Der Untergrund war entsprechend komplett durchweicht. Tiefer Schlamm, große Pfützen und immer schwieriger werdende Spuren sorgten dafür, dass die Strecke von Runde zu Runde anspruchsvoller wurde.
Trotz aller Schwierigkeiten entschied sich die Rennleitung dafür, die Veranstaltung durchzuführen. Um 8:30 Uhr rollten die ersten Motorräder vor der Kulisse des Klosterhofs auf die Strecke. Damit bekam die traditionsreiche Geländefahrt genau das Szenario, das bei Enduro-Rennen zwar niemand unbedingt bestellt – das aber häufig für die spektakulärsten Geschichten sorgt.
Rund 70 Kilometer pro Runde und zwei komplett unterschiedliche Sonderprüfungen
Für die Fahrer der DEM-Klassen standen drei Runden mit jeweils rund 70 Kilometern auf dem Programm. Die übrigen Klassen absolvierten zwei Umläufe. Pro Runde warteten zwei Sonderprüfungen.
Der erste Test führte über die vereinseigene Motocross-Strecke des MC Rehna. Eigentlich sollte dieser Cross-Test eines der Highlights werden, doch nach dem Regen präsentierte er sich völlig anders als geplant. Tiefer Schlamm, große Wasserlöcher und ein Untergrund, der mit jedem Fahrer und jeder Runde weiter zerfahren wurde, verlangten ein sauberes Gefühl am Gas und eine gute Linienwahl.
Anschließend ging es hinaus auf die lange Enduro-Runde durch die Landschaft rund um Rehna. Wiesen, Felder und schnelle Passagen prägten den Kurs. Der zweite Test war mit einer Fahrzeit von ungefähr elf Minuten deutlich länger und bot gerade auf den schnellen Abschnitten reichlich Möglichkeiten, Zeit gutzumachen – oder eben liegenzulassen.
Auch aus dem Fahrerbericht wird die enorme Länge der Prüfungen bestätigt: Dort werden Enduro- und Crosstest jeweils mit ungefähr zehn Minuten Fahrzeit beschrieben. Unter normalen Bedingungen schon anspruchsvoll – bei komplett wassergesättigtem Boden eine echte Kraftprobe.
Jeremy Sydow dominiert: Sechs Prüfungen, sechs Bestzeiten
Wer mit den Bedingungen überhaupt keine Probleme zu haben schien, war Jeremy Sydow. Der Triumph-Pilot kam mit viel Selbstvertrauen nach Rehna und machte praktisch vom ersten Meter an deutlich, wer an diesem Tag der Mann war, den es zu schlagen galt.
Egal ob tiefer Schlamm im Cross-Test oder die schnelleren Passagen des Endurotests: Sydow fand sofort seinen Rhythmus. Die Bilanz spricht für sich:
- sechs gefahrene Sonderprüfungen
- sechs Bestzeiten
- Sieg im Championat
- vorzeitige Titelverteidigung in der E1
Damit blieb Sydow über den gesamten Renntag hinweg ungeschlagen.
Die Deutsche Meisterschaft in der E1 ist damit entschieden. Jeremy Sydow verteidigt seinen Titel und darf sich erneut Deutscher Meister der Klasse E1 nennen.
Ganz erledigt ist seine Saison allerdings noch nicht. Im Championat stand nach Rehna noch keine endgültige Entscheidung fest. Beim Finale in Streitberg geht es deshalb für Sydow noch einmal um den nächsten großen Erfolg.
Luca Fischeder bleibt Sydows stärkster Verfolger und gewinnt die E3
Hinter Sydow wurde es deutlich enger. Luca Fischeder war erneut der Fahrer, der dem Chemnitzer am nächsten kam. Zwar gelang es ihm nicht, Sydow eine Sonderprüfungs-Bestzeit abzunehmen, dennoch hielt der Sherco-Pilot den Abstand über den gesamten Renntag vergleichsweise gering.
Im Championat trennten beide am Ende nur etwas mehr als eine halbe Minute. Gleichzeitig holte Fischeder den Tagessieg in der E3.
Die Meisterschaft in der E3 ist allerdings weiterhin offen. Vor allem Toni Hoffmann hält den Titelkampf am Leben. Seine Motocross-Erfahrung kam ihm auf den schnelleren Passagen des Cross-Tests zugute. Maximilian Wills beendete den Renntag zudem als Zweiter der E3-Klasse. Die endgültige Entscheidung fällt deshalb erst beim Saisonfinale.
E2-Krimi: 0,81 Sekunden bringen Matyas Chlum den Meistertitel
Noch dramatischer verlief das Rennen in der E2.
Für Matyas Chlum war die Ausgangslage eindeutig: Er musste in Rehna gewinnen, wenn er den Meistertitel noch vor dem Saisonfinale sicherstellen wollte. Dementsprechend hoch war der Druck. Gleich in der ersten Runde lief für den Sherco-Piloten allerdings nicht alles nach Plan. Fehler kosteten wertvolle Sekunden.
Und hinter ihm lauerte Franz Lövquist.
Der Yamaha-Pilot aus Schweden hielt den Druck hoch und blieb über den gesamten Tag in Schlagdistanz. In der letzten Sonderprüfung eskalierte der Kampf endgültig: Chlum leistete sich mehrere kleinere Stürze und verlor jeweils einige Sekunden. Lövquist rückte dadurch bis auf weniger als eine Sekunde heran.
Am Ende entschieden gerade einmal:
0,81 Sekunden!
So knapp setzte sich Matyas Chlum in der E2 durch. Der Sieg reichte gleichzeitig zur vorzeitigen Entscheidung in der Meisterschaft. Chlum ist damit Deutscher Meister 2026 in der E2. Bereits 2024 hatte er sich den deutschen Titel in der E3 gesichert.
Der vorzeitige Titel kommt für Chlum genau zum richtigen Zeitpunkt: Beim Finale in Streitberg kann er nicht antreten, da für ihn parallel der Einsatz mit der tschechischen Trophy-Mannschaft bei den Six Days auf dem Programm steht.
Regen sorgt noch einmal für Chaos
Am Samstagmorgen sah es zwischenzeitlich tatsächlich so aus, als könnte sich die Strecke zumindest etwas erholen. Doch diese Hoffnung hielt nicht lange.
Im Laufe des Tages kam der Regen zurück – und zwar kräftig. Die bereits angeschlagenen Streckenabschnitte verwandelten sich erneut in tiefe Schlammlöcher. Bereiche, die zwischenzeitlich etwas abgetrocknet waren, wurden wieder extrem rutschig. Nicht nur für die Fahrer, sondern auch für die Motorräder wurde Rehna damit endgültig zur Belastungsprobe.
Pascal Sadecki: Von Bestzeiten zum Wertungsausschluss
Wie gnadenlos Enduro sein kann, zeigte das Rennen von Pascal Sadecki.
Der Junior war auf dem Weg zu einem starken Ergebnis und hatte zuvor sogar mehrere Bestzeiten gefahren. Dann blieb sein Motorrad stehen.
Das Team wollte trotzdem nicht aufgeben und schleppte Pascal schließlich mit einem Gurt Richtung Ziel. Der Einsatz zahlte sich sportlich allerdings nicht aus: Durch die Verzögerung erreichte er die Zeitkontrolle zu spät und wurde aus der Wertung genommen.
Der große Nutznießer war Leon Koch. Er feierte seinen ersten Tagessieg und übernahm damit zugleich die Führung in der Junioren-Meisterschaft.
Garry Dittmann kämpft sich aufs J1-Podium
Eine weitere starke Geschichte des Wochenendes lieferte Garry Dittmann in der J1.
Sein Samstag begann besser als zunächst erwartet. Obwohl sich der richtige Flow noch nicht sofort einstellte und die Strecke komplett mit Wasser vollgesogen war, konnte er sich bereits zu Beginn auf Rang drei der J1-Klasse positionieren. Gleichzeitig baute er einen Vorsprung auf den Viertplatzierten auf.
Für die zweite Runde war das Ziel klar: mehr Tempo.
Vor allem in den Kurven wollte Dittmann aggressiver fahren und noch einige Sekunden herausholen. Genau dieser Versuch wurde ihm allerdings im Enduro-Test zum Verhängnis. Dort kam es zu einem schweren Sturz.
Das Wichtigste zuerst: Fahrer unverletzt, Motorrad ohne größeren Schaden.
Sportlich hatte der Crash trotzdem Folgen. Der Sturz brachte ihn komplett aus dem Rhythmus, und in der Zwischenwertung rutschte er auf Platz vier zurück.
Fünf Sekunden fehlen vor der letzten Runde aufs Podium
Vor dem finalen Umlauf war trotzdem noch alles möglich.
Der Rückstand auf Rang drei betrug lediglich rund fünf Sekunden. Ein Podiumsplatz war also weiterhin realistisch. Doch ausgerechnet jetzt öffnete der Himmel erneut seine Schleusen. In der letzten Runde regnete es wieder extrem stark und die Strecke stand innerhalb kürzester Zeit erneut unter Wasser.
Unter diesen Bedingungen gelang es Dittmann nicht mehr, den Zeitrückstand aus eigener Kraft aufzuholen.
Dann kam allerdings die nächste typische Enduro-Wendung: Kurz vor dem Ziel fiel der bis dahin Führende der Klasse aus. Dadurch rückte Dittmann noch einmal eine Position nach vorne – und stand plötzlich wieder auf Rang drei der J1.
Podium mit gemischten Gefühlen
Im eigenen Rennbericht ordnet Dittmann das Ergebnis entsprechend ein. Einerseits überwiegt natürlich die Freude über den Podiumsplatz. Andererseits hätte er sich Rang drei lieber im direkten Kampf auf der Strecke gesichert.
Angesichts der extremen Bedingungen bewertet er sein Rennen dennoch als gute Leistung.
Als Nächstes richtet sich der Blick für ihn bereits wieder auf die internationale Saison. Zwei Wochen später steht laut seinem Rennbericht der vorletzte EM-Lauf in Spanien auf dem Programm.
Max Stradtner fühlt sich im Schlamm offensichtlich wohl
Während viele Teilnehmer mit dem tiefen Boden zu kämpfen hatten, kam Max Stradtner mit den schwierigen Bedingungen besonders gut zurecht.
Auf seiner 125er zeigte der Nachwuchsfahrer in der J2-Klasse eine starke Vorstellung. Mit viel Selbstvertrauen und einer konstanten, kontrollierten Fahrweise brachte er den Sieg schließlich nach Hause.
Gerade bei solchen Bedingungen ist das alles andere als selbstverständlich. Wer im tiefen Schlamm hektisch wird, zahlt oft sofort drauf – sei es durch Stürze, einen festgefahrenen Hinterreifen oder technische Probleme. Stradtner zeigte dagegen, dass kontrolliertes Fahren an solchen Tagen mindestens genauso wichtig sein kann wie pure Geschwindigkeit.
DEC Rehna 2026: Janik Koßack gewinnt das B-Championat
Auch der Deutsche Enduro-Cup meldete sich nach der Sommerpause zurück.
Im B-Championat setzte sich Meisterschaftsführer Janik Koßack durch und gewann gleichzeitig die Klasse E1B.
Das Podium:
- Janik Koßack
- Christopher Schmidt
- Jonathan Petter
Koßack konnte damit seine Führung im DEC weiter ausbauen.
Auch in weiteren Klassen gab es klare Sieger. Axel Hechelei gewann bei den Super Senioren mit deutlichem Vorsprung.
Bei den Damen ging der Tagessieg nach Schweden: Lisa Nyqvist dominierte ihre Klasse und setzte sich klar gegen die Konkurrenz durch.
Ergebnisse
Alle Ergebnisse gibt es auf der offiziellen Webseite (LINK).
Rehna 2026 zeigt, warum Enduro so unberechenbar ist
Was von diesem Rennen hängen bleibt, sind nicht nur Ergebnisse und Meisterschaftspunkte.
Rehna hat ziemlich eindrucksvoll gezeigt, warum Enduro eben nicht nur aus sechs Sonderprüfungen und einer Ergebnisliste besteht. Der Freitag brachte Dauerregen, einzelne Streckenabschnitte waren komplett aufgeweicht und zeitweise stand sogar die Durchführung des Rennens infrage. Am Samstag schienen sich die Bedingungen zunächst etwas zu stabilisieren – nur damit ein weiterer Regenguss die Strecke erneut völlig veränderte.
In solchen Rennen reicht es nicht, einfach nur schnell zu sein.
Man muss über viele Kilometer konzentriert bleiben, die Maschine schonen, Linien lesen, auf wechselnden Untergrund reagieren und auch dann noch funktionieren, wenn der ursprüngliche Plan schon längst nicht mehr zur Strecke passt. Genau diesen Charakter hebt auch die offizielle Pressemitteilung hervor.
Für den MC Rehna, der gleichzeitig sein 60-jähriges Vereinsjubiläum feierte, bekam die Veranstaltung dadurch einen ganz besonderen Charakter. Start und Parc Fermé im historischen Umfeld mitten in der Stadt sorgten zusätzlich für eine ungewöhnliche Kulisse.
Zwei Meister stehen fest – E3 und Championat bleiben offen
Nach Rehna sind zwei weitere Meisterschaftsentscheidungen gefallen:
- Jeremy Sydow – Deutscher Meister E1
- Matyas Chlum – Deutscher Meister E2
In der E3 und im DEM-Championat ist dagegen weiterhin nichts entschieden.
Das Saisonfinale steigt am 18. Oktober 2026 in Streitberg. Dort werden die letzten Punkte der DEM-Saison vergeben und damit auch die noch offenen Meisterschaften entschieden.
Nach der Schlammschlacht von Rehna dürfte dabei eines sicher sein: Langweilig wird auch das Finale garantiert nicht.
Quelle: Alexander Gehlert, Garry Dittmann, Fotos von Marcel Sänger