Am kommenden Wochenende geht es für die Enduro-Europameisterschaft 2026 in die heiße Phase. Am 19. und 20. September steigt in La Torre d’Oristà in Katalonien der dritte und damit bereits vorletzte Lauf der Saison. Beim Enduro del Lluçanès stehen aktuell 81 Fahrer aus 16 Nationen auf der vorläufigen Starterliste. Aus deutscher Sicht besonders erfreulich: Gleich fünf Fahrer nehmen die weite Reise nach Spanien auf sich.
Mit dabei sind Luca Fischeder, Yanik Spachmüller, Pascal Sadecki, Garry Dittmann und Nico Rambow. Und mehrere von ihnen reisen mit einer richtig starken Ausgangslage nach Katalonien.
Enduro-Europameisterschaft 2026: Die Entscheidung rückt näher
Vier Veranstaltungen mit jeweils zwei Wertungstagen umfasst die Enduro-Europameisterschaft in dieser Saison. Nach den Läufen in Tamási/Ungarn und Piediluco/Italien folgt nun Spanien, ehe das Finale am 31. Oktober und 1. November in Woltersdorf ausgetragen wird. Damit bleiben nach dem Wochenende in La Torre d’Oristà nur noch zwei Wertungstage übrig.
Entsprechend wichtig werden die beiden Tage in Spanien für die Meisterschaft.
Besonders spannend ist die Situation für Luca Fischeder. Der Sherco-Pilot reist als Führender der Gesamtwertung nach Spanien und liegt aktuell vier Punkte vor dem ungarischen Titelverteidiger Roland Liszka. Gleichzeitig führt Fischeder auch die E3-Wertung an.
Schon beim Saisonauftakt in Ungarn gehörte Fischeder zu den schnellsten Fahrern des gesamten Feldes. Am zweiten Fahrtag musste er sich Liszka im Overall lediglich um zwei Sekunden geschlagen geben.
Fünf deutsche Fahrer beim Enduro del Lluçanès
Aus deutscher Sicht dürfen wir uns in Spanien auf fünf Starter freuen:
- Luca Fischeder – aktuell Führender der Overall-Wertung und Spitzenreiter der E3
- Yanik Spachmüller – aktuell Vierter der E1-Wertung
- Pascal Sadecki – aktuell Vierter der E3-Wertung
- Garry Dittmann – aktuell auf Rang sieben in der Juniorenwertung
- Nico Rambow – Führender der Seniorenwertung
Auch Nico Rambow hat damit in Spanien einiges zu verteidigen. Nach seinem Sieg am zweiten Fahrtag in Italien führt er die Seniorenwertung derzeit mit sechs Punkten Vorsprung vor Dawid Hankus aus Polen an.
Yanik Spachmüller liegt nach vier von acht Wertungstagen auf Rang vier der E1. Pascal Sadecki nimmt ebenfalls den vierten Meisterschaftsplatz ein – allerdings in der E3, in der aktuell Fischeder die Spitze hält.
Für das deutsche Quintett heißt es also: Daumen drücken und Vollgas – let’s go!
81 Fahrer aus 16 Nationen
Die vorläufige Starterliste für Spanien umfasst insgesamt 81 Teilnehmer aus 16 Ländern. Fahrer aus Frankreich, Italien, der Slowakei, den Niederlanden, Polen, Deutschland, Großbritannien, Schweden, Norwegen, Österreich, Litauen, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Finnland und Portugal haben genannt.
Gefahren wird in neun Klassen:
Youth, Junior 1, Junior 2, E1, E2, E3, Senior 40, Senior 50 und Women.
Auch zahlreiche Spitzenfahrer des Saisonauftakts sind wieder dabei. Dazu gehören unter anderem Titelverteidiger und Junior-1-Sieger Roland Liszka auf Triumph, E1-Pilot Lorenzo Macoritto auf Husqvarna, Luca Fischeder auf Sherco, Junior-2-Pilot Matyáš Chlum auf Sherco, Youth-Sieger Leo Lavesvre auf Fantic sowie Malene Seljeseth auf KTM in der Damenklasse. Mit Matilda Ahlström und Stephanie Bianchi stehen dort weitere schnelle Fahrerinnen am Start.
Rund 150 Kilometer pro Fahrtag und vier Sonderprüfungen
Die Veranstalter haben für Samstag und Sonntag jeweils einen anspruchsvollen Renntag vorbereitet. Laut den offiziellen Veranstaltungsinformationen führt die Strecke über 2,5 Runden eines rund 60 Kilometer langen Kurses. Damit kommen die Fahrer auf ungefähr 150 Kilometer pro Tag.
Pro Runde sind vier Sonderprüfungen vorgesehen. In den offiziellen Unterlagen werden sie als Enduro Test, Cross Test, Extreme Test und Super Test bezeichnet. Die ersten Fahrer sollen am Samstag und Sonntag jeweils um 8:30 Uhr auf die Strecke gehen.
Schon am Freitag gibt es zusätzlich Action: Für den 18. September um 17:00 Uhr ist ein Super Test in unmittelbarer Nähe des Fahrerlagers bestätigt worden.
Garry Dittmann vor Ort: „Die Strecken sehen richtig gut aus“
Garry Dittmann ist bereits in Spanien angekommen und hat sich die Sonderprüfungen zu Fuß angeschaut. Ganz ohne kleines Handicap läuft die Vorbereitung allerdings nicht: Ausgerechnet am Montag vor dem Rennen hat ihn eine Erkältung erwischt.
Trotzdem blickt der TM-Pilot optimistisch auf das Wochenende. Der bisherige Verlauf mache ihm Hoffnung, dass die Beschwerden bis zum Rennstart wieder weitgehend verschwunden sind.
Viel wichtiger aus sportlicher Sicht: Die Prüfungen gefallen ihm.
Nach seinem ersten ausführlichen Streckencheck fällt sein Eindruck klar positiv aus.
Endurotest: Steine, Wald, Singletrails und ordentlich Höhenmeter
Der Endurotest dürfte nach Dittmanns Einschätzung eine der interessantesten Prüfungen des Wochenendes werden.
Zu Beginn führt die Prüfung zunächst über eher offene beziehungsweise landwirtschaftlich geprägte Flächen. Danach geht es hinein in bewaldetes Gelände und das für die Region typische steinige Terrain.
Dort warten zahlreiche Steinkanten, Auf- und Abfahrten, schnelle Abschnitte sowie schmalere Waldpassagen.
Besonders interessant wird es dann, wenn die Fahrer richtig attackieren wollen. Die einzelnen Schwierigkeiten seien für sich betrachtet zwar durchaus fahrbar, bei Renntempo könne der Test jedoch sehr anstrengend werden.
Dittmann beschreibt außerdem einige richtig steile Abfahrten sowie weitere felsige Sektionen.
Auch Singletrail-ähnliche Bereiche sollen Bestandteil der Prüfung sein.
Damit entsteht ein ziemlich abwechslungsreicher Mix aus:
Ackerpassagen, Wald, Unterholz, Steinen, schnellen Wegen, schmalen Trails sowie ständigem Hoch und Runter.
Spektakuläre Kreuzung innerhalb der Sonderprüfung
Ein interessantes Detail haben sich die Veranstalter im Endurotest ebenfalls einfallen lassen.
Gegen Ende führt die Strecke noch einmal über eine eigens angelegte Brückenkonstruktion. Dadurch können zwei Teile der Sonderprüfung innerhalb desselben Bereichs verlaufen beziehungsweise sich kreuzen, ohne dass sich die Fahrer gegenseitig behindern.
Dittmann gefällt die Idee jedenfalls:
„Das ist echt cool.“
Insgesamt dürfte diese Prüfung damit nicht nur für die Fahrer, sondern auch für die Zuschauer interessant werden.
Erster Crosstest: schnell, weitläufig und vermutlich staubig
Deutlich schneller präsentiert sich laut Dittmann einer der Crosstests.
Die Strecke sei sehr weitläufig und extrem schnell gesteckt. Als Vergleich zieht der Thüringer den Crosstest beim deutschen Meisterschaftslauf in Großlöbichau heran.
Allerdings erwartet er in Spanien etwas griffigeren Untergrund.
Aktuell ist es rund um La Torre d’Oristà trotzdem ziemlich trocken. Sollte sich daran nichts ändern, dürfte Staub während des Wochenendes definitiv zum Thema werden.
Gerade bei einem internationalen Starterfeld und mehreren Durchgängen kann sich eine zunächst griffige Prüfung über den Verlauf eines Fahrtages deutlich verändern.
Aus Fahrersicht dürfte der schnelle Charakter aber richtig Spaß machen.
Dittmann bringt es entsprechend auf den Punkt: Dort könne man das Motorrad ordentlich laufen lassen.
Zweiter Crosstest enger und etwas kniffliger
Die andere schnelle Prüfung beschreibt Dittmann als etwas enger und „hakliger“.
Auch hier beginnt der Kurs zunächst auf offenem Gelände beziehungsweise einem Acker, bevor einzelne Abschnitte wieder in bewaldetes Terrain führen.
Extrem technisch sei dieser Test nicht. Durch die engere Streckenführung, Richtungswechsel sowie kleinere Auf- und Abfahrten unterscheidet er sich jedoch deutlich von der sehr schnellen Prüfung.
Genau diese Mischung könnte im Kampf um Sekunden interessant werden.
Während auf dem schnellen Test Mut und maximaler Speed gefragt sind, kommt es hier stärker darauf an, sauber zu fahren und keine unnötigen Meter liegenzulassen.
Supertest mit künstlichen Hindernissen
Auch beim Supertest haben sich die Organisatoren offenbar einiges einfallen lassen.
Ein großer Teil liegt zwar ebenfalls auf offenem Gelände, zusätzlich wurden jedoch mehrere künstliche Hindernisse aufgebaut.
Dittmann berichtet unter anderem von einem Steinfeld, umgedrehten Containern und Baumstämmen.
Die Veranstalter hätten sich sichtbar Mühe gegeben, einen abwechslungsreichen und publikumsfreundlichen Kurs aufzubauen.
Der zusätzliche Super Test am Freitagabend beginnt nach aktuellen offiziellen Angaben um 17:00 Uhr nahe des Fahrerlagers.
Auch die Etappe könnte richtig Kraft kosten
Nicht nur die Sonderprüfungen werden in Spanien eine Rolle spielen.
Dittmann hat sich den ungefähren Verlauf der Verbindungsetappen bereits auf Karten angesehen und erwartet auch dort ein anspruchsvolles Wochenende.
Gerade über zwei lange Fahrtage mit jeweils rund 150 Kilometern summiert sich die Belastung.
Hinzu kommt das trockene spanische Terrain: Staub, Steine und hohe Konzentration über viele Stunden können ordentlich Kraft kosten.
Wer am Ende vorne stehen will, braucht daher nicht nur schnelle Sonderprüfungszeiten, sondern muss auch zwischen den Tests sauber und ohne größere Fehler durch den Tag kommen.
Garry Dittmann: Erst gesund werden, dann angreifen
Für Garry selbst steht vor dem ersten echten Angriff allerdings noch eine Aufgabe auf dem Programm: den hartnäckigen Schnupfen loswerden.
Sportlich stimmt ihn das, was er bisher gesehen hat, optimistisch.
Die Mischung aus schnellen Crosstests, steinigem Endurogelände, engen Waldpassagen und künstlichen Hindernissen entspricht genau dem abwechslungsreichen Charakter, den man sich von einem EM-Lauf erhofft.
Sein Fazit nach der ersten Besichtigung:
„Ich denke, das wird ein richtig cooles Wochenende hier.“
Dem können wir uns nur anschließen.
Deutsche Fahrer mit starken Ausgangspositionen
Aus deutscher Sicht könnte der dritte EM-Lauf kaum interessanter sein.
Luca Fischeder reist als Overall-Spitzenreiter nach Spanien und führt gleichzeitig die E3 an. Nico Rambow kommt als Tabellenführer der Seniorenklasse. Yanik Spachmüller und Pascal Sadecki liegen jeweils auf Platz vier ihrer Klassen, während Garry Dittmann im Juniorenfeld weitere wichtige EM-Punkte sammeln will.
Zwei Renntage in Spanien, danach wartet nur noch das große Saisonfinale in Woltersdorf.
Für die deutschen Fahrer kann das Wochenende in Katalonien deshalb bereits entscheidend für den weiteren Verlauf der Europameisterschaft werden.
Wir drücken Luca, Yanik, Pascal, Garry und Nico die Daumen – let’s go!
Quelle: Garry Dittmann, enduroeuropean.com