Zwischen Staub, Steinen und echtem Hardenduro-Gelände treffe ich heute wieder einen bekannten Interviewpartner: Eric Seifert. Endurofahrer, Hardenduro-Spezialist – und einer der ganz wenigen, die in der Serie konsequent mit einem Elektromotorrad unterwegs sind. Genauer gesagt: mit der Stark Varg EX.
Wir sprechen über seinen Werdegang, seine Erfahrungen im Hardenduro, die Umstellung auf elektrisch, Technik-Details, Akkuthematik und darüber, wo die Reise sportlich noch hingehen soll.
Vom Kinderbike ins Hardenduro – Erics Weg zum Extrem-Enduro
Wie bei vielen Offroad-Fahrern begann auch bei Eric alles ganz klassisch:
Mit sechs Jahren gab es das erste kleine Motorrad – ein Geschenk seines Vaters, der selbst früher ambitioniert Motocross gefahren ist. Statt klassischer MX-Strecken ging es aber von Anfang an eher ins Enduro-Gelände rund um die Heimat.
„Wir waren eigentlich nie nur auf Motocross-Strecken unterwegs. Es gab kleine Enduro-Gelände, da habe ich Motorradfahren gelernt.“
Der erste Wettkampf ließ nicht lange auf sich warten.
Erste Rennen, erste Erfolge, erste Motivation
Sein erstes Rennen fuhr Eric 2013 bei der Enduro Challenge Lichtenberg in der Bambini-Klasse – auf einer 65er. Ergebnis: Platz 3 beim Debüt.
Ein Moment, der hängen blieb – und vor allem Motivation für mehr.
Schon früh zeigte sich:
Schwere Trainingsbedingungen, technisches Gelände und lange Fahrzeiten lagen ihm deutlich mehr als klassisches Motocross.
Fokus Hardenduro: frühe Weichenstellung
Mit etwa 14 Jahren folgte der Umstieg auf größere Bikes (125 ccm) und die ersten SOC-Rennen – teilweise bereits allein über drei Stunden Renndistanz. Eine harte Schule, aber eine perfekte Grundlage.
„Ich habe früh gelernt, lange zu fahren, mich durchzukämpfen und auch alleine klarzukommen. Davon profitiere ich heute noch.“
Einstieg in die Hard Enduro Serie Germany
Die Hard Enduro Serie Germany startete 2018.
Eric war zunächst Zuschauer, analysierte Strecken, beobachtete Fahrer und nutzte die Zeit gezielt zum Training.
- 2019: erste eigene Saison (nicht alle Rennen, logistisch noch eingeschränkt)
- 2020: erste vollständige Saison gemeinsam mit Marcel Teucher
- danach: stetige Steigerung, mehr Rennen, mehr Erfahrung, mehr Konstanz
Von 250 & 300 ccm zum Elektromotorrad
Lange Zeit war Eric klassisch unterwegs:
- zuerst 250 ccm
- später 300 ccm
- überwiegend Zweitakt
Der große Schritt kam Anfang dieses Jahres: Der Umstieg auf die Stark Varg EX.
Und der verlief erfolgreicher als viele erwartet hätten.
Erfolgreiche erste Saison auf der Stark Varg EX
Ohne große Umbauten, ohne exotische Spezialteile, weitgehend Serienzustand – und trotzdem:
- Platz 5 bei den Profis in der Hardenduro-Serie
- konstant konkurrenzfähig
- technisch extrem sauber unterwegs
„Ich bin alles relativ serienmäßig gefahren. Kein großes Tuning – und es hat völlig gereicht.“
Ein starkes Statement für das Konzept Elektromotorrad im Hardenduro.
Technik-Setup: erstaunlich nah an Serie
Änderungen am Bike:
- Fußrasten: tiefer und weiter hinten (Größenanpassung)
- Fahrwerk: Serien-Mittel-Setup, nur Klicks angepasst
- Schutzfolien & Grip-Pads an Scheuerstellen
- Bremsscheibenschutz hinten
- Handbremse hinten statt Fußbremse
„Ein Fahrwerk, das überall perfekt funktioniert, gibt es im Hardenduro nicht. Aber ich habe ein Setup gefunden, das im Extremgelände sehr gut funktioniert.“
Keine Kupplung – warum die Handbremse Pflicht ist
Die Stark hat keine Kupplung. Klingt ungewohnt – funktioniert aber.
- Kontrolle über Gas & Hinterradbremse
- präzises Nachkorrigieren in technischen Passagen
- sichere Kontrolle bei steilen Uphills & Downhills
„Wenn man es einmal verstanden hat, ist das Fahren sogar einfacher als mit Kupplung.“
Leistungs-Mappings: weniger ist oft mehr
Eric nutzt 5 Mappings, davon aktiv meist 3:
- 25 PS + hohe Rekuperation
→ lange Downhills, weniger Bremsstress, leichte Energierückgewinnung - 25–30 PS
→ extrem rutschige Steinfelder, maximale Traktion & Gefühl - 35–40 PS
→ normale Rennpassagen
Umschalten erfolgt blitzschnell über die Lenker-Schalter.
Akku & Renndistanz: reicht das?
Kurzfassung: meist ja, manchmal nein.
- In vielen Rennen: ein Akku reicht
- Bei extrem langen Rennen (z. B. Meltewitz): Akkutausch nötig
- Wechselzeit:
- Labor: 5–6 Minuten
- Rennen: ca. 8 Minuten
Mit kleinen Modifikationen (Zugänglichkeit, Akkuschrauber) absolut machbar.
Vorteile & Nachteile des Elektrobikes im Hardenduro
Vorteile:
- extrem gut dosierbare Leistung
- kein Kupplungsstress
- ruhiger, kontrollierter Fahrstil
- variabel anpassbar an jedes Gelände
Nachteile:
- Gewicht beim Umsetzen & Schieben
- im stehenden Extremgelände merkt man jedes Kilo
„Beim Fahren merkt man das Gewicht kaum – aber beim Tragen dann schon.“
Support & Fahrerförderung bei Stark Future
Wichtig zu wissen:
- keine direkte Werksunterstützung
- alles läuft über Händler
- klar definierte Kriterien
- Unterstützung basiert auf Leistung, nicht auf Versprechen
Rennserien mit Elektro-Freigabe:
- Hard Enduro Serie Germany
- GCC
- MSR Cup
- ausgewählte internationale Events
Laden, Update & Schnelllader
- Serien-Ladeständer: 3,3 kW
- Software-Update bereits aktiv für 6,6 kW
- Schnelllader in Entwicklung (Zubehör)
- portables Ladegerät bereits verfügbar (kompatibel mit allen Modellen)
Fazit: Elektromotorrad im Hardenduro? Funktioniert.
Eric Seifert zeigt eindrucksvoll, dass Hardenduro auf Elektro-Basis nicht nur möglich, sondern konkurrenzfähig ist.
Mit klarem Fahrstil, technischem Verständnis und gezieltem Setup ist die Stark Varg EX längst mehr als nur ein Experiment.
Quelle: Fotos von Michel238pic