Staub ohne Ende, lange Warteschlangen vor den Sonderprüfungen und ein regelrechtes Zeit-Chaos: Auch für Marvin Möhler vom Mission 100 Team Germany hatte der zweite Fahrtag bei den Six Days 2026 in Portugal einiges zu bieten. Dabei hatte alles so entspannt begonnen. Doch im Laufe des Tages summierten sich die Strafminuten, an den Sonderprüfungen ging teilweise kaum noch etwas voran und die große Frage lautete: Wie wird die FIM mit den entstandenen Zeitstrafen umgehen?
Wir haben mit Marvin Möhler gesprochen. Im ausführlichen Interview berichtet er von seinem Renntag, den schwierigen Sichtverhältnissen, seinem Umgang mit den langen Wartezeiten und einer Entscheidung der FIM, die am Ende für Erleichterung sorgte.
Six Days 2026: Marvin Möhler kämpft sich durch den Staub von Portugal

Die 100. Ausgabe der International Six Days of Enduro (ISDE) findet vom 12. bis 17. Oktober 2026 rund um Grândola in Portugal statt. Mit dem Mission 100 Team Germany sind insgesamt neun deutsche Fahrer in drei Clubmannschaften am Start. Das große Ziel: Die deutsche Enduro-Szene bei der historischen Jubiläumsausgabe würdig vertreten und gemeinsam das Abenteuer Six Days meistern.
Einer dieser Fahrer ist Marvin Möhler. Er startet gemeinsam mit Paul Topor und Martin Werz für das Clubteam Team Germany – ADAC Nordbaden.
Doch schon die ersten Renntage zeigen: Die Six Days in Portugal sind alles andere als ein Spaziergang. Besonders der aufgewirbelte Staub, die eingeschränkte Sicht auf den Sonderprüfungen und die teilweise extremen Wartezeiten stellen die Teilnehmer vor große Herausforderungen.
Wie Marvin Möhler diese Bedingungen erlebt hat, schildert er im folgenden Interview.
„Der Morgen war eigentlich noch recht locker!“

Enduro.de: Marvin, zunächst einmal: Mit wem bist du bei den diesjährigen Six Days unterwegs und wie lief dein Start in den Renntag?
Marvin Möhler: „Ich fahre gemeinsam mit Paul Topor und Martin Werz im Team.
Heute Morgen war eigentlich noch alles recht locker. Der Tag hat gut begonnen und auch die Etappen haben zunächst gut funktioniert. Bei den ersten Sonderprüfungen mussten wir zwar schon ein bisschen anstehen, aber da war noch alles im grünen Bereich.
Die Prüfungen selbst haben eigentlich ganz gut funktioniert. Ich hatte teilweise auch ein paar gute Fahrer vor mir, die mir ein bisschen Sicht ermöglicht haben.
Natürlich war das nicht ideal, aber es war okay. Ich denke, mit diesem Problem hat momentan jeder Fahrer zu kämpfen.“
Enduro.de: Die Staubentwicklung ist also weiterhin eines der größten Probleme?

Marvin Möhler: „Ja, auf jeden Fall. Die Sicht ist teilweise wirklich schwierig. Man muss versuchen, irgendwie damit zurechtzukommen.
Wenn man einen Fahrer vor sich hat, der eine gute Linie fährt und nicht zu viel Staub aufwirbelt beziehungsweise weit genug entfernt ist, kann das helfen. Aber optimal ist das natürlich trotzdem nicht.
Ich glaube, dass aktuell wirklich jeder mit diesen Bedingungen zu kämpfen hat. Da muss man einfach das Beste daraus machen.“
„Dann haben sich die Strafminuten langsam summiert!“
Enduro.de: Neben den schwierigen Sichtverhältnissen waren die Wartezeiten ein großes Thema. Wann hat sich das bei dir erstmals auf die Zeit ausgewirkt?
Marvin Möhler: „Irgendwann haben sich die Strafminuten dann langsam summiert.
Erst waren es zwei Minuten, danach habe ich noch einmal eine Minute bekommen. Zu diesem Zeitpunkt war das für mich alles noch einigermaßen im grünen Bereich.
Ich habe einfach versucht, das Beste daraus zu machen und mich nicht zu sehr davon beeinflussen zu lassen.“
Was zunächst noch nach einem überschaubaren Zeitverlust aussah, entwickelte sich im weiteren Tagesverlauf allerdings zu einem deutlich größeren Problem. Insbesondere beim zweiten Durchgang verschärfte sich die Situation an den Sonderprüfungen erheblich.
„Im zweiten Durchgang wurde das Ganze richtig chaotisch!“

Enduro.de: Wann ist die Situation dann richtig schwierig geworden?
Marvin Möhler: „Im zweiten Durchgang hat das Ganze dann angefangen, richtig chaotisch zu werden.
Irgendwann standen wir ungefähr 25 Minuten vor der Sonderprüfung vier. Da ging es einfach nicht richtig vorwärts und wir mussten entsprechend lange warten.
Bei Sonderprüfung fünf wurde es dann noch chaotischer. Dort waren wir irgendwann bei ungefähr 30 bis 40 Minuten Wartezeit.
Das war natürlich schon eine extreme Situation. Man steht da, möchte eigentlich seine Prüfung fahren und kommt einfach nicht weiter.“
Enduro.de: Wie war es dann bei der letzten Sonderprüfung des Tages?
Marvin Möhler: „Bei der letzten Sonderprüfung, also der ST6, war dann eigentlich gar nichts mehr los.
Das war für mich gefühlt sogar die beste Prüfung, die ich an diesem Tag gefahren bin. Zumindest vom Gefühl her hat dort alles ganz gut funktioniert.
Ich konnte endlich relativ frei fahren und hatte ein besseres Gefühl auf dem Motorrad. Das war schon ein deutlicher Unterschied zu den Prüfungen davor.“
40 Strafminuten – und plötzlich große Ungewissheit

Enduro.de: Nach diesen langen Wartezeiten standest du aber zunächst mit einer ordentlichen Menge Strafzeit da. Wie sah deine Bilanz am Ende aus?
Marvin Möhler: „Ja, das war dann natürlich die große Ungewissheit.
Wir haben uns gefragt, wie jetzt mit der ganzen Strafzeit umgegangen wird. Ich habe dann irgendwann alles zusammengerechnet und bin auf insgesamt 40 Minuten Strafzeit gekommen.
Das war natürlich erst einmal eine Hausnummer.
Ich bin dann ins Pre-Finish gekommen und habe dort noch schnell alle Vorbereitungen getroffen, damit ich anschließend meinen Service ordentlich durchziehen kann.
Der Service selbst hat dann eigentlich ganz gut funktioniert.
Danach bin ich mit diesen 40 Minuten Pluszeit ins Parc Fermé gefahren.“
Enduro.de: In so einem Moment ist das natürlich besonders bitter, wenn die Zeit nicht durch eigene Fahrfehler, sondern vor allem durch die Situation an den Prüfungen verloren geht. Gab es anschließend eine Entscheidung der Rennleitung?
Marvin Möhler: „Ja, danach kam von der FIM noch die Entscheidung, dass die Pluszeiten storniert werden.
Also die entsprechenden Pluszeiten wurden gestrichen, die Minuszeiten allerdings nicht.
Mich hat das zum Glück nicht betroffen. Von daher war für mich am Ende alles gut.“
Für Marvin war das eine wichtige Erleichterung. Denn nach einem ohnehin schon anstrengenden Fahrtag hätten die aufgelaufenen 40 Strafminuten eine erhebliche zusätzliche Belastung bedeutet.
Die von Marvin geschilderte Entscheidung der FIM zeigt aber auch, wie außergewöhnlich die Situation an diesem Renntag war. Wenn Fahrer an einzelnen Sonderprüfungen bis zu 40 Minuten warten müssen, gerät der normale Zeitplan einer Enduro-Veranstaltung schnell aus den Fugen.
„Ich hatte heute keinen einzigen Sturz!“
Enduro.de: Abgesehen vom Zeit-Chaos: Wie zufrieden bist du mit deiner eigenen fahrerischen Leistung?

Marvin Möhler: „Eigentlich war es ein echt cooler Tag.
Natürlich hatten wir wieder sehr staubige Bedingungen. Ich habe einfach versucht, das Beste daraus zu machen und vor allem die Sicht zu bewahren.
Was mich besonders freut: Ich hatte heute keinen einzigen Sturz!
Ich hatte mir für diese schwierigen Bedingungen schon vorher einen kleinen Plan zurechtgelegt. Ich wollte ein bisschen Abstand zu anderen Fahrern halten, damit ich mehr sehen kann und vor allem nicht stürze.
Das hat eigentlich ganz gut funktioniert.“
Enduro.de: Du hast dich also bewusst dafür entschieden, nicht jedes Risiko einzugehen?
Marvin Möhler: „Ja, genau.
Bei diesen Bedingungen muss man einfach schauen, dass man vernünftig durchkommt. Wenn du nichts siehst, bringt es dir auch nichts, auf Biegen und Brechen schneller fahren zu wollen.
Ich habe gestern schon einige Stürze gesehen. Da wollte ich auf keinen Fall selbst dabei sein.
Deshalb habe ich versucht, meine Abstände entsprechend zu wählen, die Sicht so gut wie möglich zu erhalten und einfach sauber durch die Prüfungen zu kommen.
Das war mein Plan und der hat funktioniert.“
„Mit dem, was passiert ist, bin ich echt happy!“
Enduro.de: Wenn du jetzt auf den gesamten Renntag zurückblickst, was ist dein persönliches Fazit?
Marvin Möhler: „Ich bin eigentlich echt happy mit dem, was passiert ist.
Klar, die Bedingungen waren schwierig und die ganze Geschichte mit den Wartezeiten und den Strafminuten war natürlich nicht optimal.
Aber ich bin gut durchgekommen, hatte keinen Sturz und konnte meinen Plan umsetzen.
Gerade wenn ich sehe, wie viele andere Fahrer bei diesen Bedingungen Probleme haben oder gestürzt sind, bin ich froh, dass bei mir alles funktioniert hat.
Von daher bin ich mit meinem Tag wirklich zufrieden.“
Team Germany bei den Six Days 2026: Ankommen ist genauso wichtig wie schnell sein
Das Interview mit Marvin Möhler macht deutlich, worauf es bei einer Veranstaltung wie den Six Days wirklich ankommt.
Natürlich geht es in den Sonderprüfungen um Sekunden, Platzierungen und möglichst schnelle Zeiten. Doch bei sechs aufeinanderfolgenden Fahrtagen spielen auch andere Faktoren eine entscheidende Rolle.
Besonders unter den aktuellen Bedingungen in Portugal sind eine vorausschauende Fahrweise, ein vernünftiger Umgang mit dem eigenen Risiko und ein zuverlässiges Motorrad mindestens genauso wichtig wie die reine Geschwindigkeit.
Marvin hat sich deshalb bewusst für eine kontrollierte Strategie entschieden. Statt bei schlechter Sicht unnötig zu attackieren, hielt er Abstand zu vorausfahrenden Teilnehmern und versuchte, Fehler zu vermeiden.
Dass er den Tag ohne einen einzigen Sturz beenden konnte, bestätigt seine Herangehensweise.
Hinzu kommt die besondere Situation mit den langen Wartezeiten. Gerade bei den Six Days, wo Zeitkontrollen, Sonderprüfungen, Servicezeiten und die Einfahrt ins Parc Fermé eng miteinander verzahnt sind, können solche Verzögerungen den gesamten Tagesablauf durcheinanderbringen.
Für die Fahrer bedeutet das zusätzlichen Stress. Sie müssen nicht nur auf der Strecke konzentriert bleiben, sondern gleichzeitig auf ihren Zeitplan achten und den abschließenden Service organisieren.
Fazit: Ein chaotischer Renntag mit positivem Ausgang
Für Marvin Möhler war es ein Tag mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern.
Auf der einen Seite standen schwierige Sichtverhältnisse, lange Warteschlangen und insgesamt 40 zunächst aufgelaufene Strafminuten. Auf der anderen Seite konnte der deutsche Clubfahrer alle Sonderprüfungen absolvieren, sein Motorrad ohne größere Probleme durch den Service bringen und den Renntag sturzfrei beenden.
Besonders die letzte Sonderprüfung blieb ihm positiv in Erinnerung. Dort konnte er endlich wieder freier fahren und hatte nach eigener Aussage das beste Gefühl des gesamten Tages.
Dass die FIM anschließend die entsprechenden Pluszeiten annullierte, sorgte schließlich für zusätzliche Erleichterung.
Für Marvin Möhler zählt am Ende vor allem eines: Er ist weiterhin im Rennen, gesund geblieben und mit seiner eigenen Leistung zufrieden.
Und genau darum geht es bei der Mission 100 Team Germany: Gemeinsam durchkommen, sich gegenseitig unterstützen und die deutsche Enduro-Szene bei der 100. Ausgabe der Six Days würdig vertreten.
Enduro.de bleibt für euch am Ball und berichtet weiter über die deutschen Fahrer bei den Six Days 2026 in Portugal.
Quelle: Marvin Möhler / Mission 100 Team Germany





