Die diesjährige Saison in der Enduro Weltmeisterschaft hätte wohl kaum spannender sein können. Gleich mehrere Duelle sorgten über einen langen Zeitraum hinweg, für ordentlich Zündstoff und brachten die Akteure oftmals an die Leistungsgrenze. Hinzu gesellte sich der Wetterfaktor, bei zahlreichen Grand Prix in dieser Saison ging es von einem Extrem ins andere. Wer sich jedoch am Ende die Krone in der neu geschaffenen EnduroGP-Klasse aufsetzen durfte, blieb lange Zeit ungewiss.

Wie jeder Grand Prix startete auch das Saisonfinale in Cahors mit dem obligatorischen Super Test am Freitagabend. Der ortsansässige Trail Club unter Leitung von Didier Valade hatte diesen Test präpariert. Knapp 8.000 Zuschauer wollten sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen und feuerten ihre Locals an. Während die Junioren noch bei normalen Lichtverhältnissen an den Start durften, mussten die Big Boys unter Flutlicht ran. Mit diesem kleinen Vorteil was die Sichtverhältnisse angeht, gelang Jeremy Carpentier (Honda) die Sensation. Der Franzose konnte die schnellste Zeit mit 1’48“94 Minuten hinlegen und lies damit seine beiden Landsmänner Mathias Bellino (Husqvarna) und Loic Larrieu (Yamaha) hinter sich. Damit hatten es am Freitag gleich 3 Franzosen aufs Treppchen geschafft.

Am Samstag gab es dann den ersten Weltmeister zu verkünden. Der Brite Steve Holcombe (Beta) ging als Führender der Klasse E3 an den Start und musste nur noch diesen einen Tag ohne nennenswerte Fehler überstehen um E3-Meister zu werden. Gesagt, getan! Auch wenn sich der Brite nach eigenen Aussagen nicht zu 100 Prozent auf dem Level bewegte, auf dem er die gesamte Saison unterwegs war. Holcombe gewann die Tageswertung dennoch eindrucksvoll vor Manuel Monni und seinem Teamkollegen Johnny Aubert. Damit war ihm sein erster WM-Titel nicht mehr zu nehmen.

Mathias Bellino präsentierte sich in Frankreich in guter Form, einen Titel verpasste der Franzose jedoch knapp

Mathias Bellino präsentierte sich in Frankreich in guter Form, einen Titel verpasste der Franzose jedoch knapp

Keine Vorentscheidung gab es hingegen in der EnduroGP-Kathegorie. Hier kämpften Mathias Bellino und Matt Phillips (Sherco) verbissen um jede Sekunde. Von seinen heimischen Fans angetrieben war Bellino am Samstag nicht zu schlagen. Speziell in der Anfangsphase des Tages war der Franzose in den Sonderprüfungen verdammt schnell unterwegs und sicherte sich die jeweiligen Bestzeiten. Trotz einiger Fehler in der letzten Runde konnte er seinen Vorsprung ins Ziel retten und gewann die Overall-Wertung mit etwas mehr als 4 Sekunden Vorsprung auf Taylor Robert (KTM). Der US-Boy drehte gegen Tagesende noch einmal richtig auf und schrammte nur knapp am Sieg vorbei, dennoch eine hervorragende Leistung des KTM-Werkspiloten. Dritter wurde Loic Larrieu, der schon im Super Test seine ganze Klasse gezeigt hatte und diese am Samstag bestätigte. Weniger erfreulich verlief der Tag bei Titelfavorit Matt Phillips. Der Australier wollte den Sack zu machen, doch das gelang ihm nicht. Phillips riskierte angesichts des unheimlichen Speeds von Bellino nicht allzu viel und blieb den ganzen Tag im ‚Sicherheitsmodus‘. Phillips landete im Ziel auf Platz 5 hinter Nathan Watson. Das war aber kein Drama, sondern eher kalkuliert und taktischer Natur. Denn Phillips wusste, er muss am Sonntag nur heil durchkommen um als erster EnduroGP-Weltmeister in die Geschichtsbücher einzugehen. Und genau das setzte der Australier in die Tat um. Auch wenn der schnellste Mann am Sonntag Taylor Robert hieß, der wahre Sieger an diesem Tag war Matt Phillips! Dem Sherco-Werksfahrer genügte ein vierter Platz um den lang ersehnten EnduroGP-Titel und auch den E2-Titel in der Hand zu halten. Glückwunsch an dieser Stelle!

In der Klasse E1 bekam der klare Favorit Eero Remes (TM) noch einmal ordentlich Konkurrenz. Rookie Nathan Watson setzte in Frankreich alles auf eine Karte und wollte dem Finnen ein klares Statement in Richtung 2017 senden. Der Brite dominierte an beiden Fahrtagen und bewies eindrucksvoll das er zu den schnellsten Enduro-Piloten zählt. Nichts desto trotz, Eero Remes behielt die Nerven und lies sich in keinen unnötigen Zweikampf ein. Er hatte die Saison in der Klasse E1 diktiert und begnügte sich mit 2 dritten Plätzen, in dem Wissen er würde damit sicher Weltmeister werden. Remes schnappte sich den WM-Titel mit 9 Zählern Vorsprung auf Watson und hatte damit sein erklärtes Ziel erreicht.

Laia Sanz holt Titel bei den Damen

Laia Sanz holt Titel bei den Damen

Bei den Damen bahnte sich in Frankreich eine kleine Sensation an. Am Freitagabend inmitten des Super Test wirkte noch alles wie immer – Laia Sanz (KTM) gewann den Auftakt vor Jane Daniels (Husqvarna) und Maria Franke (KTM). Am Samstag drehte Maria Franke den Spieß jedoch um und zeigte ihren Konkurrentinnen aus welchem Holz sie geschnitzt ist. Von den zahlreichen deutschen Fans angefeuert, gelang es der KTM-Sturm-Pilotin zum ersten Mal in ihrer Karriere, die Tageswertung eines WM-Laufs zu gewinnen! Mit 3 gewonnen Sonderprüfungen legte sie den Grundstein für ihren Erfolg. Das mussten auch Sanz und Daniels anerkennen die an diesem Tag keine Chance gegen die schnelle Zeitzerin hatten. Am Sonntag ging die Spanierin Sanz schließlich komplett an ihr Limit um einen weiteren Tagessieg von Maria Franke zu verhindern. Mit Erfolg, die erfahrene KTM-Werkspilotin gewann am Sonntag knapp vor Franke und sicherte sich damit auch dem WM-Titel in der Damenklasse. Für Maria Franke waren die Resultate in Frankreich allerdings enorm wichtig, da sie mit ihrem 1-2 Resultat in der WM-Wertung den Sprung auf Gesamtrang 2 und damit Vizieweltmeisertin schaffte!

Maria Franke feierte am Samstag ihren ersten Tagessieg

Maria Franke feierte am Samstag ihren ersten Tagessieg

Wir haben mit Maria gesprochen und gefragt wie man sich denn nach diesem Erfolg fühlt:

Maria, Vizeweltmeister! Wie war der Grand Prix in Frankreich für dich?

„Absolut super! Im Vorfeld hatte man mir erzählt, dass es in Frankreich oft sehr hart zugeht und die Strecken, insbesondere die Sonderprüfungen sehr schwierig seien. Das hat sich allerdings nicht bestätigt, alles war bestens organisiert und die Strecke sehr flüssig und fahrbar hergerichtet. Über den Tagessieg am Samstag war ich selbst etwas überrascht. Klar, ich habe mir vorgenommen als erste über die ‚Ziellinie‘ zu fahren, das aber umzusetzen ist noch einmal etwas anderes. Ich konnte mir über den Tag hinweg einen kleinen Vorsprung herausfahren und hatte vor der letzten Sonderprüfung 4 Sekunden Vorsprung gegenüber Laia Sanz. Sie hat mir zwar noch 1 Sekunde abgenommen, aber den Tagessieg konnte sie mir nicht mehr nehmen! Ein cooles Gefühl, seinen ersten WM-Lauf zu gewinnen. Das hätte ich natürlich am zweiten Tag gern wiederholt. Nach der ersten Runde sah es auch ganz gut aus, aber leider war Sanz zum Schluss hin etwas schneller als ich. Der Vizetitel, noch dazu in meiner ersten WM-Saison, ist jedoch ein hervorragendes Ergebnis! Ohne die tolle Unterstützung vor Ort durch alle Fans, Betreuer sowie Heiner Schmidt und Wolfgang Butzner wäre das aber nicht möglich gewesen.“

Video-Highlights Tag 1 und 2:

Quelle: EnduroABC