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Luca Fischeder fiebert WM-Auftakt entgegen – bisherige Saison von großem Erfolg gekrönt!

Luca Fischeder

Für Luca Fischeder ist 2022 ein ganz entscheidendes Jahr!

Der 23-Jährige hat altersbedingt letztmalig die Möglichkeit, international bei den Junioren anzutreten und sich dort für höhere Aufgaben seiner weiteren Karriere zu empfehlen. Die bisherige Saison verlief bis dato absolut vielversprechend, sogar nahezu perfekt. Warum das so ist und wieso der Sherco-Fahrer in diesem Jahr noch besser für alle Herausforderungen gerüstet ist, verrät er in seiner ersten Saison-Zwischenbilanz.

„Auch wenn es anstrengend wurde, war ich immer noch fit und konnte pushen“, so Luca im Rückblick auf den langen, mit 14 Sonderprüfungen gespickten DEM-Auftakt in Tucheim und den nicht minder anspruchsvollen Enduro-Klassiker „Rund um Dahlen“ mit immerhin acht Tests. „Mein großes Plus ist ganz klar meine Fitness. Allerdings habe ich in den zurückliegenden Jahren immer meinen Trainingsplan allein erarbeitet. Für mich entschieden, heute fahre ich Motorrad, morgen mache ich Krafttraining und danach geht es noch für die Ausdauerförderung aufs Rennrad. Unterm Strich war ich schon auf dem richtigen Weg. Aber gerade in der WM, gegen Ende der oft langen Fahrtage, gingen mir ab und an dann doch die Körner ein wenig aus, während die Besten noch einen drauf setzen konnten. Also war in diesem Punkt mein größter Handlungsbedarf“, analysiert Luca, zusammen mit seinem Teamchef, die abgelaufene Saison messerscharf. Folglich wurde auf diesem Gebiet professionelle Hilfe gesucht und schließlich bei Dr. Konrad Smolinski in Gera gefunden, einem absoluten Fachmann im Bereich der Sportmedizin, speziell im Ausdauersport. „Für mich ist diese Zusammenarbeit ein absoluter Glücksfall. Konrad schneidert mir maßgerechte, aber auch extrem vielseitige Trainingspläne zu. Diese umfassen sechs Tage in der Woche in Kombination mit dem Motorradtraining. Zudem absolviere ich einmal pro Woche ein mentales bzw. Fitnesstraining beim ihm vor Ort. Alles individuell und hochprofessionell“, freut sich Luca, der schon nach kurzer Zeit deutliche Fortschritte verspürte. „Ich fühle mich wesentlich besser, frischer, einfach energiegeladener.“

DEM: Zwei – Eins – Spitze!

Das bekam die Konkurrenz auch gleich deutlich zu spüren. Schon beim Auftakt zur Int. Deutschen Enduro Meisterschaft in Tucheim präsentierte sich Luca in extrem starker Form. Einzig dem schwedischen Gaststarter Filip Bengtsson musste er den Vortritt lassen – Rang zwei. Noch besser sollte es dann drei Wochen später beim zweiten DEM-Lauf in Dahlen laufen. Von Beginn an brannte der Sherco-Fahrer Top-Zeiten auf die Strecke, so dass sein erster Championatssieg überhaupt, nie wirklich gefährdet war. „Auch jetzt, mit etwas Abstand betrachtet, war es für mich ein ganz besonderes Rennen und ein richtig geiler Erfolg! Erstmals Gesamtschnellster eines DEM-Laufes zu werden, ist schon eine Riesensache! Dazu in Dahlen, bei Top-Bedingungen, vor den vielen Fans an der Strecke, die uns Fahrer so mächtig angefeuert haben und nicht zuletzt auch, weil es meine Heimveranstaltung ist und ich für den MSC Dahlen starte. Kurzum, an diesem Tag hat einfach alles gepasst und ich war einfach nur extrem stolz und glücklich. Von der Gefühlslage und der Freude her, definitiv vergleichbar mit meinem E3-Titelgewinn im letzten Jahr“, lacht Luca, der nun punktgleich mit Filip Bengtsson die Int. Deutsche Enduro Meisterschaft anführt!

Vielseitige Unterstützung ausschlaggebend

„Überhaupt bin ich vielen Leuten sehr dankbar, für deren weitreichenden und vielseitigen Support. Wie gesagt, Dr. Konrad Smolinski und seinem Team, dem MSC Dahlen e.V., insbesondere Tino Schönfelder-Ulbrich, dem ADAC Sachsen, meinem Teamchef Marcus Kehr und dem gesamten Betreuerstab der Sherco Academy Deutschland und natürlich Sherco selbst“ stahlt Luca über das ganze Gesicht, der zudem noch weitere Unterstützung von ganz anderer Seite erhält. „Zum einen bin ich dem MC Flöha e.V. extrem dankbar, dass ich dessen Trainingsareal jederzeit für nutzen darf. Durch das vielseitige Terrain mit Motocross-Strecke, Trial-Sektionen und Enduro-Abschnitten bietet das Gelände allerbeste Voraussetzungen. Ich kann mir dort nach Herzenslust meine eigenen Tests kreieren und trainieren – das ist schon große Klasse! Zum anderen bin ich seit diesem Jahr Mitglied in der Stiftung ADAC Sport. Das ist natürlich eine große Ehre und macht mich schon stolz“, freut sich Luca, der auch von dieser Seite professionelle wie auch finanzielle Hilfe erhält, um seine internationale Karriere auf hohem Level weiter voranzutreiben! „Es ist eine riesige Wertschätzung für unseren Sport. Erstmals sind mit Maximilian Wills und mir, neben den ganzen Fahrern aus dem Motocross-, Kart-, Rallye- oder GT-Sport, auch zwei Enduristen vertreten! Jetzt heißt es, das entgegengebrachte Vertrauen mit starken Ergebnissen zurückzuzahlen!“

WM-Generalprobe in Österreich geglückt

Foto: Tino Schönfelder-Ulbrich

Um sich auf die am kommenden Wochenende in Spanien beginnende EnduroGP-Weltmeisterschaft einzuschießen, nutzte Luca im April die ersten beiden Läufe der Österreichischen Enduro Staatsmeisterschaft. „Es war wirklich eine tolle Vorbereitung, wenngleich der Veranstaltungsmodus für mich zunächst etwas ungewohnt war. Denn es gibt lediglich eine Rundenvorgabe, die in einer vorgeschriebenen Zeit zu absolvieren war. Also z.B. vier Runden in vier Stunden“, erklärt der 23-Jährige, der vom dortigen Gelände total angetan war. „Der erste Lauf fand in 1200 Meter Höhe statt. Tolles Panorama, erstklassige Strecke, zwei anspruchsvolle Tests, steile Auf- und Abfahrten. Es ging nur über Stock und Stein – einfach genial.“ Genial war auch das Ergebnis. Den Auftakt in Guttaring konnte Luca nach einem hochspannenden Duell mit Bernhard Schöpf knapp für sich entscheiden. Auch der zweite Lauf in Althofen gestaltete sich voll und ganz nach seiner Vorstellung. „Ich führte souverän, doch dann ging mir in der letzten Prüfung leider das Motorrad kaputt. Schon ärgerlich, aber lieber jetzt als später bei der WM“, lächelt Luca den Ausfall charmant weg.

Ab jetzt zählt nur die WM!

Nun aber richten sich seine Blicke nur auf die bevorstehende WM-Saison. „Ich bin extrem heiß und voll motiviert“, gibt sich Luca voll fokussiert, der in der WM eine Zweitakt-Sherco mit 250 ccm anstatt eine mit 300 ccm wie in der DEM einsetzt. „Das ist ganz einfach erklärt. In der DEM möchte ich gern meinen E3-Titel verteidigen. Allerdings bin ich vom Gefühl her mit der 250iger noch etwas schneller. Das Motorrad fühlt sich für mich spielerischer, agiler an.“ Und sich auf dem Motorrad zu 100 % wohl zu fühlen, ist ein ganz wichtiger Faktor, wenn es gegen die weltbesten Enduro-Fahrer auf Zeitenjagd geht. Denn wie eingangs erwähnt, das Jahr 2022 wird ein ganz entscheidendes. „Meine letzte Saison bei den Junioren. Da verspüre ich schon ein wenig Druck, das gebe ich ganz offen zu. Gleichzeitig ist das aber auch ein extremer Ansporn!“ Ein Prognose, wo er sich aktuell sieht, möchte Luca allerdings nicht abgegeben. „Die in der WM fahren sind alle stark. Ich werde wie immer mein Bestes geben. Allerdings bin ich nach dem bisherigen Saisonverlauf und meinem aktuellen Fitnesszustand schon sehr optimistisch. Mein Traum ist immer noch, es auf das Podium zu schaffen. Vielleicht sogar beim Finale in Zschopau, das wäre natürlich der Wahnsinn!“ Doch bevor es im Oktober soweit ist, gilt es noch sechs weitere WM-Wochenenden zu bestreiten. Die ersten Beiden auf der Iberischen Halbinsel stehen unmittelbar bevor. Zunächst im spanischen Lalín, danach reichliche 200 km südlich davon im Peso da Régua in Portugal. „Ich denke, es erwarten uns dort echt taffe Veranstaltungen. Allerdings wird die An- und Abreise die wohl größte Herausforderung“, bemerkt Luca augenzwinkernd, angesichts der 2500 Kilometer langen Anfahrtsstrecke. Doch zum Glück muss er diese nicht allein abspulen, denn er hat sich wieder mit Eddi Hübner, seinem mittlerweile langjährigen Trainingspartner zusammengetan. Die beiden Mittelsachsen wohnen nur wenige Kilometer voneinander entfernt und sind zudem die einzigen beiden deutschen Dauerstarter in der EnduroGP-Weltmeisterschaft 2022!

Text / Fotos: Peter Teichmann

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