2020 präsentiert sich die französische Motorradschmiede Sherco wieder mit einer breiten Produktpalette. Vom Rally- übers Enduro- bis zum Trialbike ist alles vertreten. Patrick Strelow war für Enduro.de bei der Präsentation in Italien vor Ort und durfte die neuen Sherco 2020 Modelle antesten.

Video von den 2020 Racing Modellen

Die Sherco 2020 Modelle

Immer noch keine Einspritzung bei den Zweitaktern

Jedes Modell erhielt ein paar Neuerungen im Detail, auf die lang erwartete 2 Takt-Einspritzung hofft man allerdings vergebens. Der Grund dafür ist allerdings gut verständlich, laut Sherco besitzt man die Technologie schon und hat sie auch bis zur Serienreife getestet. Allerdings ist der daraus resultierende Vorteil noch nicht groß genug, um gegenüber dem Kunde die im Zusammenhang stehende Preissteigerung zu rechtfertigen. Spätestens wenn 2024 die neue Euro 5-Norm eingeführt wird, sollten wir die Shercos aber mit Einspritzung sehen. Momentan müssen wir uns noch mit der „alten“ Vergasertechnik begnügen;-).

Diese muss sich allerdings überhaupt nicht vor der Konkurrenz mit Einspritzung verstecken und wer denkt, dass hier die Zeit deswegen stehen geblieben ist, der irrt sich. Denn durch den unter anderem neuen Ansaugtrakt hinterm Luftfilter haben die 250er und 300er schon im unteren Drehzahlbereich mehr Leistung. Überhaupt kann man besonders bei der 300 SE die kürzlichen Erfolge beim Extremenduro verstehen. Mega Drehmoment gepaart mit einem spielerischen Handling sind eben eine gute Kombination, wenn das Gelände mal schwerer wird.

Erster Fahreindruck

Patrick beim testen der neuen Sherco Modelle

Überhaupt ist das Handling bei allen Sherco 2020 Modellen hervorragend, natürlich hat die 500er nicht das selbe Handling wie die 125iger. Allerdings bewegt sich selbst das hubraumstärkste Motorrad der Sherco-Familie locker und leicht auch durch engere Passagen. Die sanfte Leistungsentfaltung der 450iger und 500er SEF sind deren größte Stärke. Durch die neue Steuerkette halten sich die Motorgeräusche auch in Grenzen und so merkt man beim ersten Aufsitzen kaum wie viel Leistung man eigentlich unter sich hat.

Verändertes Umlenksystem

Am meisten Spaß hatte Patrick mit der 250 und 300 SEF.

Alle Modelle haben ein verändertes Umlenksystem spendiert bekommen, dass soll vor allem für bessere Haltbarkeit und Handling sorgen.
Die kleinen Viertakter 250 / 300 SEF haben mir persönlich am meisten Spaß gemacht, gerade die 300er hat hier einfach das beste Gesamtpaket zwischen kontrollierbarer Leistung und leichten Handling. Mit den zwei Modellen kann jeder, selbst wenn man das erste mal auf dem Motorrad sitzt, Spaß haben.

Factory oder Racing Version ?

Hier in Action die 300 SER Factory.

Jetzt stellt sich noch die Frage: Factory oder Racing Modelle?
Auf jeden Fall verdient die angebotene Sonderedition den Namen „Factory“, denn die Extras (Kayaba Fahrwerk, Akrapovic (4t) Auspuffanlage, Lüfter, Gabelbrücke von Nekken, andere Sitzbezug und Factory Graphics) sind nicht nur hochwertig, sondern auch durchdacht. Für den Aufpreis bekommt man also was für sein Geld, allein das Fahrwerk von Kayaba wäre der Aufpreis wert. Und das macht auch den größten Unterschied, vor allem wenn man etwas schneller auf der Runde unterwegs ist, zeigt sich ein bessere Ansprechverhalten und mehr Durchschlagreserven im Vergleich zum WP Xplor Fahrwerk in den Racing Modellen.
Bei den kleinen Viertaktern macht die Akrapovic Auspuffanlage auch nochmal einen erheblichen Unterschied bei der Motorleistung und Leistungsentfaltung, was auch für die Factory-Version spricht.
Generell kann man die Factory Edition jeden ambitionierten Fahrer wärmstens ans Herz legen. Für eingefleischte Hobbyfahrer reichen wohl auch die Racing-Modelle.

Text: Patrick Strelow / Foto: POUGET JM, Sherco