Diverses Interviews

Fahrer im Fokus – heute: Davide von Zitzewitz

Als Spross einer überaus erfolgreichen Motorsport-Familie, aufgewachsen zwischen Motocross- und Enduro-Motorrädern, drehte er bereits mit vier Jahren am Gasgriff. Doch erst mit zwölf leckte Davide von Zitzewitz so richtig Blut, als sein Kumpel Clubmeister wurde und dafür einen Mega-Pokal bekam. „Den fand ich so cool, dass ich auch einen haben wollte“, erinnert sich Davide, der daraufhin ein Jahr später sein erstes Rennen fuhr und am Ende tatsächlich auch Clubmeister wurde. Seitdem hat er nicht nur den Mega-Pokal, sondern auch viele weitere Trophäen gewonnen. Auch vier Deutsche Meistertitel konnte der 28-jährige Norddeutsche bis dato einfahren. Welcher ihm am meisten bedeutet und ob er noch weitere anvisiert, erzählt er uns im folgenden Interview.

Hallo Davide, verrückte Monate liegen hinter uns. Wie hast Du die Zeit erlebt, hast du das Racing vermisst oder war dir die Auszeit ganz lieb?

Davide von Zitzewitz: „Grundsätzlich fand ich es sogar schön, einmal eine solche Pause zu haben. Man nimmt den Stress ja gar nicht mehr so wahr, den man sich all die Jahre durch die ganzen Rennen und alles was da noch so dran hängt eigentlich macht. Seit ich fünfzehn bin, bin ich jedes Jahr eine volle Saison gefahren. Das heißt, seit dieser Zeit habe ich keinen Sommer so richtig zu Hause verbracht. Von daher empfand ich es schon als sehr angenehm, nicht andauernd wohin zu müssen.“

Klingt ganz so, als hättest du die ruhigere Zeit sehr genossen. Musstest du dich daher für die üblichen Trainingseinheiten überwinden oder warst du stets motiviert?

„Ich habe ja das Riesenglück, eine eigene Privatstrecke bei uns zu haben. So konnte ich trotz aller Beschränkungen doch einige Runden auf unserem Grund und Boden drehen. Natürlich macht es alleine nicht so viel Spaß, wie in einer Gruppe, doch Motivationsprobleme hatte ich da keine. Ich fahre ja gern Motorrad und da kann ich mich anhand meiner Rundenzeiten auch selbst recht gut pushen. Wesentlich schwerer fiel mir hingegen immer das morgendliche Lauftraining, das fand ich manchmal schon schlimm.“ (lacht)

Du bist in einer erfolgreichen Motorsport-Familie aufgewachsen. Großvater, Vater und Onkel haben über Jahre hinweg dem Endurosport, aber auch dem Motocross- und Rallye-Bereich ihren Stempel aufgedrückt. Rückblickend auf deine eigene Karriere, siehst du diesen Umstand eher als Vorteil oder Nachteil?

„Ganz klar als Vorteil. Es beginnt ja schon im jungen Alter. Wenn du dich bemühst, fällst du den Leuten mit einem bereits bekannten Namen eher auf und bleibst ihnen auch besser im Gedächtnis. Natürlich kamen mir auch die ganzen Verbindungen meines Vaters und meines Onkels zugute und das wir schon damals unser eigenes Team hatten. Dadurch hatte ich schon sehr früh gute Partner an meiner Seite, die mich über all die Jahre hervorragend unterstützt haben. Hinzu kommt, dass ich von Bert und Dirk natürlich unheimlich viel lernen konnte. Und von Marco Straubel, der gleich bei uns um die Ecke wohnte. Mit ihm bin ich früher immer sehr viel gefahren. Das waren so die drei Fahrtrainer, die mich in meiner Karriere am meisten begleitet und geprägt haben. Erst in den letzten Jahren arbeite ich ab und an mit Jef Janssen. Als Nachteil habe ich höchstens die gesteigerte Erwartungshaltung empfunden, weil man kritischer bewertet und beäugt wird. Doch davon habe ich mich sehr schnell freimachen können. Ich habe dahingehend nie irgendeinen speziellen Druck verspürt.“
(Anm.: Opa Volker, Vater Bert und Onkel Dirk gewannen zusammen knapp 30 (!) Titel in der Deutschen Enduro Meisterschaft. Hinzu kommen erfolgreiche Teilnahmen an Enduro-WM, -EM und Six Days aber auch im Motocross und der Rallye Dakar)

Wie muss man sich bei euch ein Familientreffen vorstellen. Werden da an der Kaffeetafel überwiegend Benzin-Gespräche geführt?

„Das ist eher im Alltag der Fall, beim Mittagessen oder so. Da werden schon oft derartige Themen besprochen. An der Kaffeetafel bei Feierlichkeiten eher nicht. Da nehmen wir Männer uns zurück. Schon den Frauen unserer Familie zuliebe. Die können diese Themen manchmal nicht mehr hören.“ (lacht)

Du hast mittlerweile drei Deutsche Enduro Meistertitel gewonnen. Dazu noch einen deutschen Titel im Motocross. Welcher bedeutet Dir von allen am meisten?

„Klar kann man jetzt sagen, es war nur die MX2-Meisterschaft und nur bis 25 Jahre und zwei wichtige Fahrer haben gefehlt. Aber dennoch, es war alles andere als einfach, ich musste extrem kämpfen. Von daher bin ich extrem stolz auf diesen Titel, zumal ich in unserer Familie der erste bin, der im Motocross Deutscher Meister geworden ist. (lacht) Aber auch mein Enduro-Titel aus dem Vorjahr bedeutet mir sehr viel, da ich mich über die Saison auch so richtig strecken musste. Letztlich sind alle Titel toll, aber der Cross-Titel 2017 und der Enduro-Titel 2019, die waren wohl am schwersten für mich zu erreichen und daher persönlich wertvoller, als die Enduro-Titel aus den Jahren 2015 und 2016.“

Selbstredend sollte für einen amtierenden Champion die Titelverteidigung immer das Ziel sein. Hat der E2-Titel wirklich oberste Priorität oder schielst du nicht doch auch auf die Championatskrone?

(lacht) „Es wäre jetzt gelogen, wenn ich sagen würde, ich hätte noch nie auf die Championatskrone geschielt. 2016 war ich ja schon mal recht nah dran, danach leider nicht mehr ganz so. Doch mein Championat-Tagessieg letztes Jahr in Rehna hat mir gezeigt, dass ich es ja kann. Von daher, mal sehen was kommt…“

Du hast an fünf Six Days erfolgreich teilgenommen und bist zwei Jahre lang die komplette Enduro-Europameisterschaft gefahren. Hast du Ambitionen, in der Zukunft wieder international zu starten? Vielleicht sogar eine Saison in der EnduroGP-Weltmeisterschaft?

„EnduroGP eher nicht, da ist meine Motivation nicht so hoch. Manche Tests sind in der Vergangenheit ja doch recht extrem gewesen. Das reizt mich nicht ganz so. Ich bin dann doch zu viel Motocrosser, der lieber über den Table springt, anstatt sich den steilsten Hang hinauf zu schinden. Zur Enduro-Europameisterschaft schiele ich hingegen schon immer noch rüber und auch weitere Six Days kann ich mir gut vorstellen.“

Wo siehst du dich in zehn Jahren? Immer noch als Fahrer oder als Teamchef von BvZ Racing oder gar in einer komplett motorsportfremden Position?

„Puh, gute Frage. Wenn mein Studium vorbei ist, möchte ich schrittweise in die Firma meines Vaters hineinwachsen und diese dann auch schon irgendwann einmal übernehmen. Von daher würde ich mich grundsätzlich freuen, wenn ich in zehn Jahren erfolgreicher Unternehmer wäre. Und nebenher immer noch saumäßig Spaß am Motorradfahren habe. (lacht) Dennis (Anm. Schröter) ist genau zehn Jahre älter als ich. Ob ich so lange durchhalte und noch motiviert bin, weiß ich nicht. Ich würde es sogar fast verneinen, aber ich hoffe, dass die Lust auf´s Racing noch lange anhält.“
(Anm.: Davide studiert an der Technischen Hochschule Lübeck Wirtschaftsingenieurwesen und beginnt in Kürze mit seiner abschließenden Bachelor-Arbeit)

Das wünschen wir uns auch, damit uns Davide noch möglichst lang als aktiver Fahrer erhalten bleibt. Alles Gute und viel Erfolg weiterhin!

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Foto: Peter Teichmann

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