Diverses Enduro National Interviews

Fahrer im Fokus – heute: Garry Dittmann

Garry Dittmann

Nach Maximilian Wills und Nils Teegen schließen wir nun mit Garry Dittmann unseren kleinen Jahres-Rückblick über die heranwachsende Generation im DMSB-Enduro-Cup ab. Der Thüringer ist einer der zahlreichen „Young Guns“, die sich speziell in der Jugend-Kategorie tummeln und dort für eine enorme Leistungsdichte sorgen. So war es in diesem Jahr keine Seltenheit, dass sich manchmal im B-Championat-Tagesranking gleich vier Fahrer aus dem DSMB Enduro-Jugend-Cup wiederfanden. Allen voran Gesamtsieger Nils Teegen, aber auch Leon Thoms, Pascal Sadecki, Luca Wiesinger, Domenik Nieschalk, Jeremy Nimmrich und eben Garry Dittmann, der eine Saison mit mächtigen Höhen und Tiefen durchlebte.

Dass bei dem 17-Jährigen nicht gleich alles glatt läuft, musste er schon bei seinem ersten Fahrversuch erkennen. Vater Eric, selbst Mitte der 80iger Jahre als Ausweis-Fahrer mit einer Eigenbau-Maschine in der DDR-Enduromeisterschaft unterwegs, nahm seinen Sprössling schon von klein auf zu Geländesport-Veranstaltungen mit. So war das Interesse, selbst einmal mit dem Motocross-Motorrad über die Strecke zu brausen bei Garry natürlich schnell geweckt. Folglich wurde eine kleine 50iger beschafft und der erste Fahrversuch auf einem Feldweg unternommen. „Da war ich sieben Jahre alt und das ganze Abenteuer dauerte nicht länger, als eine halbe Minute“, blickt Garry mit einem Schmunzeln zurück. „Ich bin damals tatsächlich gleich beim ersten Versuch gestürzt und von da an hatte sich das Thema für mich vollkommen erledigt. Da half auch kein gutes Zureden, ich bin nicht wieder aufgestiegen.“ Von diesem Zeitpunkt an wurde das Motorrad von Garry keines Blickes mehr gewürdigt und fristete in der Garage ein trostloses Dasein, bis es sein Vater schließlich wieder verkaufte.

ADAC-Enduro-Cup als perfektes Sprungbrett

Es gingen fünf Jahre ins Land, bis Garry durch weitere Besuche mit seinem Vater bei verschiedenen Enduro-Veranstaltungen wie in Zschopau, Dahlen oder Streitberg doch wieder Blut leckte. Als es abzusehen war, dass er es wirklich ernst meint, wurden sämtliche Ersparnisse zusammengekratzt und eine 85iger KTM gekauft. Sein erstes Rennen bestritt er schließlich auf dem Wiesel-Gelände zwischen Flöha und Frankenberg. Etwa zur selben Zeit startete der ADAC Sachsen Jugend-Enduro-Cup in seine erste volle Saison, der genau konzipiert war für Kinder und Jugendliche wie Garry. Leichter Einstieg, Enduro fahren und Spaß haben! „Den ersten Lauf in Dahlen habe ich mir mit meinem Vater zunächst nur angeschaut, ab dem zweiten bin ich dann regelmäßig mitgefahren“, erinnert sich Garry, der damals in der 85ccm-Jugend-Klasse schon auf einige seiner jetzigen Konkurrenten wie Pascal Sadecki, Luca Wiesinger oder Jeremy Nimmrich traf. „Rückblickend war diese Serie für mich das perfekte Sprungbrett. Hier konnte ich mich richtig gut in den Endurosport einleben und entwickeln, trotz dass ich erst relativ spät anfing, aktiv zu fahren. Ich habe zunächst zwei Jahre bei den 85igern verbracht und bin dann zu den 125igern aufgestiegen“, berichtet Garry über seinen Werdegang, der sich selbst nicht als Übertalent sieht, sondern sich vielmehr alles mit eisernem Willen und durch Trainingsfleiß erarbeitet muss. Und da Rennen fahren bekanntlich das beste Training ist, wurde auch an der Enduro-Nachwuchsserie in Brandenburg, der IGE und der GCC teilgenommen. „In einem Jahr waren es einmal 25 oder 26 Veranstaltungen!“ Eine Mammut-Aufgabe, nicht nur für Garry, sondern auch für seinen Vater, der ihn zu allen Rennen begleitete.

Endlich – der erste „richtige“ Lauf!

Waldkappel 2019, nun war es soweit. Der Teenager der im Sommer seinen 16. Geburtstag feierte, durfte nun endlich an seiner ersten „richtigen“ Enduro-Veranstaltung teilnehmen. „Das war schon etwas Besonderes. Diesem Ereignis habe ich lange entgegen gefiebert. Klar war ich aufgeregt, aber es lief alles glatt. Mit Platz vier gelang mir ein richtig guter Einstand, den ich so nicht erwartet hätte. Zudem bin ich mit der Mannschaft gleich Zweiter geworden.“ Bis zum Saisonende folgten noch zwei weitere vierte Ränge in Rehna und Kempenich sowie ein siebter Platz beim Finale in Tucheim.

Das Podium soll her!

Angespornt von der gelungenen Debüt-Saison klemmte sich Garry nun über den Winter noch mehr dahinter. Der Schornsteinfeger-Lehrling trainierte in gefühlt jeder freien Minute. „Ich habe mich wirklich sehr gut vorbereitet, auch Dank des erstklassigen Kader-Trainings des ADAC Hessen-Thüringen. In die Top Drei zu fahren, sollte eigentlich drin sein“, so die Zielsetzung vor dem Saison-Auftakt in Rehna. Doch es sollte noch besser kommen! Unbeschwert und präzise zog Garry an diesem Tag seine Runden. „Es lief alles wie am Schnürchen, wirklich großartig und ganz ohne Probleme. Ein traumhafter Saisonstart, der mit einem Klassensieg und sogar Rang drei im B-Championat belohnt wurde. Ehrlich, es kam schon sehr überraschend, das hätte ich wirklich nie und nimmer erwartet“, freut sich der Teamfahrer von Zweirad Voss überschwänglich über seinen ersten Sieg im DMSB-Enduro-Jugend-Cup. Doch schon beim nächsten Lauf in Burg wurde er etwas unsanft auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. „Da lief überhaupt nichts zusammen. Ich bin fast in jedem Test gestürzt. Wahrscheinlich habe ich mir da selbst zu viel Druck gemacht. Nach dem tollen Saisonstart war meine eigene Erwartungshaltung wohl viel zu hoch“, gesteht sich Garry ein, mit der Erkenntnis, dass die Bäume doch nicht über Nacht in den Himmel wachsen. „Zudem habe ich mich mit der Fahrwerkseinstellung etwas vertan“, so der KTM-Fahrer, der sich in diesem Bereich intensiv eingearbeitet hat und folglich selbst die ganzen Abstimmungen vornimmt.

Lichtblick und Knock-Out

Nach den für ihn enttäuschenden Rängen sechs und fünf in Burg folgte in Tucheim mit Platz zwei wieder ein Erfolgserlebnis. Auf das Rennen in Kempenich freute sich Garry besonders. „Endlich mal kein Sand“, ein Satz, der in diesem Jahr von so ziemlich  jedem „Hartboden-Fahrer“ zu hören war. Und in der Tat schienen die Bedingungen in der Eifel dem 17-Jährigen wie auf den Leib geschneidert zu sein. Nach den ersten beiden Runden lag er in der Jugend-Klasse knapp in Front, bis er sich im fünften Test in einem schnellen Teilstück heftig überschlug. „Ich lag unter dem Motorrad. Vielleicht war ich auch kurz weg. Keine Ahnung. Jedenfalls hatte ich starkes Nasenbluten. Danach ging nichts mehr, ich wusste nicht einmal mehr so recht, wo hinten und vorne war“, lässt Garry die Szene noch einmal Revue passieren und ist im Nachhinein einfach nur froh, keine schlimmeren Verletzungen davon getragen zu haben.

Unrühmlicher Abschluss einer guten Saison

So stand er in Rüdersdorf wieder am Start. Doch auch beim Saisonfinale hatte Garry das Glück nicht auf seiner Seite. „Durch meinen Ausfall musste ich von weiter hinten starten, wodurch ich in den Tests leider immer wieder auf langsamere Fahrer aufgelaufen bin. Gerade an den Auffahrten war damit oft kein freies Fahren möglich“, bedauert der Youngster, der bei einer der zahlreichen Überholaktionen stürzte und dabei sein Motorrad beschädigte. Die anschließende Reparatur dauerte zu lange, wofür er drei Strafminuten kassierte. Dennoch reichte es noch zu Platz vier. Am zweiten Tag sollte es jedoch noch bitterer kommen! „Im zweiten Test bin ich im Schlamm leicht gestürzt, nichts Wildes. Doch dabei ist mir der Gasgriff vom Lenker gerutscht. Eine totale Katastrophe“, kann es Garry auch heute noch nicht wirklich begreifen. „Ich habe alles ordnungsgemäß mit Drehmomentschlüssel montiert. Keine Ahnung, wie das passieren konnte.“ Zu allem Unglück passierte es im äußersten Zipfel der Sonderprüfung. Werkzeugtasche? Fehlanzeige! Die befand sich am Start-Ziel-Bereich der Sonderprüfung „Zwar habe ich mir noch etwas Werkzeug organisiert, doch bis alles halbwegs wieder funktionierte, war ich schon über der Karenzzeit“, so Garry über das enttäuschende Ende einer sonst guten Saison, die er dennoch, trotz zweier Ausfälle, auf Rang sechs im DSMB Enduro-Jugend-Cup abschloss. „Unterm Strich war in diesem Jahr viel Pech dabei. Aber ich denke, ich hatte auch ein paar wirklich gute Auftritte. Daraus ziehe ich meine Motivation. Ich bin jedenfalls fest entschlossen, noch härter zu trainieren, um in der kommenden Saison noch besser vorbereitet zurück zu kommen!“ Na dann, auf ein erfolgreiches 2021!

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Fotos: Peter Teichmann

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