CEO Stefan Pierer im Interview (Foto: KTM BLOG)

CEO Stefan Pierer im Interview (Foto: KTM BLOG)

Ein exklusives Interview mit CEO Stefan Pierer haben die Jungs vom KTM Blog geführt.
Im folgenden findet Ihr einen Auszug vom Interview!
Das komplette Interview könnt Ihr hier nachlesen –> ZUM KTM BLOG

Können wir über Husqvarna sprechen? Was waren die Hintergründe für die Übernahme?

Stefan Pierer: Husqvarna hat im Offroadsektor über Jahre Maßstäbe gesetzt und war immer
ein respektierter Wettbewerber. Mitte der 90er Jahre holte Giovanni Castiglioni mit
Cagiva die Marke nach Italien, worauf sich in Schweden eine Gruppe Ingenieure abspaltete,
unter dem Namen Husaberg. Später wurde Husaberg von uns übernommen und 2003 schließlich
nach Mattighofen verlegt, was sinnvoll war, weil so Synergien genutzt werden konnten.
Analysiert man die Situation, hat Husaberg mit 6.000 verkauften Einheiten jährlich mit
dazu beigetragen, dass Husqvarna nicht profitabel operierte, denn die Onroad-Modelle
alleine verkauften sich nicht ausreichend erfolgreich.

Die Erfahrungen, die wir mit Husaberg als zweite Marke sammelten, waren nützlich und
hilfreich, speziell was die Überlappung mit KTM betrifft. Wir konnten Plattform- und
Gleichteile-Strategien anwenden, wie sie auch in der Automobilbranche üblich sind.
Verwendet man Motoren und Chassiskomponenten doppelt, resultieren daraus Vorteile bei
der Entwicklung, beim Einkauf und in der Produktion. Bei Husaberg kommen uns diese
Vorteile seit zehn Jahren zu Gute. Deswegen bin ich felsenfest überzeugt, dass wir
künftig Husqvarna als zweite Marke sehr gut händeln und die Vorteile zu nutzen wissen
werden.

Wenn Husaberg eine Schwäche hat, dann beim Bekanntheitsgrad. In Europa passt es, aber
in Amerika ist Husaberg kein Begriff. Das ist mit Husqvarna anders. Offroad kann
jeder etwas mit Husqvarna anfangen, speziell im Motocross wurde echte Pionierarbeit
geleistet. Husqvarna ist eine historisch wertvolle, bestens bekannte und fest verankerte
Marke, nicht nur in den Staaten, sondern weltweit. Dazu ist es immerhin die zweitälteste
Motorradmarke der Welt.

BMW hatte beschlossen, sich strategisch neu ausrichten und die Offroad-Aktivitäten
beenden. Für uns war diese Entwicklung interessant. Unser Plan mit der Übernahme von
Husqvarna ist, Husaberg darin aufgehen zu lassen, so das Husqvarna als zweite, weltweit
starke Marke neben KTM existieren kann. Dank unserer Plattform-Strategie wird es möglich,
die Husaberg-Modelle mit neuen Farben, Graphics und technischen Neuerungen als Husqvarna
weiterentwickelt fortzuführen. Bei den Motocrossern werden wir auf KTM-Know-how zurück-
greifen. Husqvarna wird auf der nächsten EICMA-Messe in Mailand mit einem starken Linie-
Up auftreten, im Enduro- wie im Motocross-Segment und in allen Hubraumklassen – 250, 350
und 450 – dazu mit 125er and 250er Zweitaktern. Dazu wird es eine 690er Einzylinder-
Viertaktmaschine geben. Husqvarna wird auf Anhieb mit einem kompletten, runden Programm
glänzen, so dass die Händler allein mit dem Offroad-Angebot gut überleben können. Im
Prinzip erlaubt uns Husqvarna weltweit eine eigenständig starke zweite Vertriebsschiene,
um gegen die Konkurrenz aus Fernost zu bestehen.

Was antworten Sie Skeptikern, die einwenden: »Was kann KTM besser machen,
wenn nicht einmal BMW in der Lage war, diese Marke zum Erfolg zu führen?

Stefan Pierer: Wir werden mit Husqvarna erfolgreich sein, weil wir seit 20 Jahren in
der Offroad-Nische operieren und über entsprechend Erfahrung verfügen. Dieses Segment
erfordert neben dem Fingerspitzengefühl auch Mitarbeiter, die mit echtem Enthusiasmus
zu Werke gehen, Ex-Rennfahrer und Aktive ebenso wie brillante Techniker. Nur wenn alle
Details stimmig gelöst sind, lässt sich ein konkurrenzfähiges Produkt auf die Räder,
das vom Markt auch angenommen wird. Dazu muss man Teil der Offroad-Gemeinde sein, weil
sonst die falschen Entscheidungen getroffen werden. Entweder man lebt diesen Sport,
oder man agiert daran vorbei.

Es ist in Italien nicht einfach, als Unternehmer erfolgreich zu agieren, die Auflagen
sind kompliziert. Zuerst muß man reichlich in eine Firma investieren, und sollte es
nicht wie gewünscht funktioniert, gibt es etliche Auflagen, bevor man sie abstoßen kann.
Nur Frankreich ist diesbezüglich noch unattraktiver. Vor diesem Hintergrund kam es zu
Gesprächen mit BMW. Wir respektieren einander als europäische Wettbewerber, nicht nur
wegen der räumlichen Nähe, sondern weil jeder auf seine Art und Weise erfolgreich sein
kann. BMW hat angefragt, ob Interesse an der Übernahme Husqvarnas besteht, um sich auf
den Onroad-Markt zu konzentrieren. Meine Antwort lautete: »Warum nicht, wir sollten
uns zusammensetzen und reden«. So kam es zur Übernahme von Husqvarna. Das klingt einfach
und es war einfach. Wir sind glücklich, wie sich die Dinge entwicklet haben. Wir werden
in Mattighofen dank bereits bewährter Plattform-Strategien zusätzlich 15.000 Einheiten
für Husqvarna fertigen. Vergleichbar mit dem, was in der Autoindustrie Volkswagen mit
Seat, Audi und Skoda anstellt. Auf dem Markt operieren die Marken getrennt, aber bei d
er Produktion werden die Synergie-Vorteile genutzt, die ein gesundes wirtschaftliches
Überleben ermöglichen.

Und im Sport – werden KTM und Husqvarna gegenander wetteifern?

Stefan Pierer: Ja, natürlich! Wettkampf ist etwas Positives. Wenn man über einen
längeren Zeitraum erfolgreich ist, besteht auch die Gefahr, satt zu werden und sich
nicht mehr so anzustrengen. Dem lässt sich vorbeugen. Ein bestimmtes Mass an Konkurrenz
geht deshalb in Ordnung.

Falls Husqvarna mit vergleichbarer Technik erfolgreich auftritt, wie unterscheiden
sich dann noch die Marken, speziell im Vergleich zu »Orange«?

Stefan Pierer: Die Marken sollen und werden getrennt bleiben. Der Auftritt von KTM bleibt
modern, mutig, mehr am Limit und insgesamt sportlicher. Husqvarna bleibt als Marke
eigenständig mit skandinavischem Touch, wird sich einen Tick weniger kantig präsentieren,
dafür spielt die Historie mit hinein. Das Design fällt softer aus, nicht so radikal wie
von KTM gewohnt. Bei den Asphaltmodellen werden Supermotos im Vordergrund stehen, Offroad
wird die komplette Palette abgedeckt. Es gibt genug Nischen, die Husqvarna als Marke
besetzen kann, um erfolgreich durchzustarten.