APT Smardcarb vs. Standartvergaser

APT Smartcarb vs. Standard Vergaser

Kurztest: APT Smartcarb – Besser als der Standard Vergaser?

Testfahrzeug: Husaberg TE300 2011 mit SX-Zylinderkopf
Testfahrer/Testbericht: Christoph Jadanowski (www.endurocult.de)

Einleitung

American Performance Technologies, APT verspricht mit
dem Smartcarb einen Vergaser entwickelt zu haben, der ohne Bedüsungsänderung Höhen-
und Temperatur-änderungen kompensieren kann. Gleizeitig sollen Leistung / Drehmoment
steigen und der Verbrauch sinken. Gründe genug für einen Test der 36 mm Vorserienversion…

Auspacken und erster Eindruck

Die Vorserienversion (CNC gefräst) ist sauber verarbeitet, wirkt robust und ist auch entsprechend schwer.
Die Höhe der Leerlaufdrehzahl wird ähnlich dem PWK über eine eine seitliche Einstellschraube eingestellt.
Dem Vergaser liegen ein längerer Benzinschlauch (der originale war bei mir ausreichend lang), eine Ersatz-
Schwimmerkammerdichtung sowie das Handbuch bei.

Gut verpackt der APT Smardcarb, inkl. Handbuch (engl.)

Gut verpackt der APT Smartcarb, inkl. Handbuch (engl.)

Weniger Teile als beim Standartvergaser.

Alle Teile vom APT Smartcarb.

Hauptunterschiede zum Keihin PWK Vergaser:
• Die Gemischeinstellung erfolgt über einen Einstellmechanismus über dem Gasschieber.
• Anstelle der Nadel enthält der Vergaser einen sogenannten “Metering Rod”. Dieser soll laut Hersteller
einen Großteil der Anwendungen abdecken und muss somit nicht gewechselt werden. Der Metering
Rod ist zur Einlassseite des Vergasers hin abgerundet und auf der Auslassseite eckig.
• Es gibt keine Haupt- und Nebendüsen mehr. Die Einstellung erfolgt nur über die Gemisch-
einstellschraube (Leerlauf bis Halbgas) und den Metering Rod (Halbgas bis Vollgas).
• Der Schwimmer ist zweigeteilt. Zwei Plastikschwimmer betätigen unabhängig voneinander
das Schwimmernadelventil.
• Es gibt keine Entlüftungsschläuche mehr.
• Die Vorserienversion besitzt keinen Überlauf.

Einbau
Der Vergaser ist ein paar Zentimeter länger als der PWK. Das Rahmenheck sollte also zum
Austausch hochgeschwenkt werden:
• Entfernen der unteren Verschraubung und Lösen der oberen Verschraubung des Rahmenhecks.
• Hochschwenken des Rahmenhecks.
• Ausbau des alten Vergasers.
• Einbau des Smartcarb und Rückbau des Rahmenhecks

Der Luftfilterkasten verzieht sich durch den längeren Vergaser etwas, dichtet aber weiterhin
korrekt ab. Der original Gaszug ist eigentlich etwas zu kurz, passt aber mit kleineren Änderungen
am Gasgriff und an der Verlegung dann doch irgendwie. Seitens APT ist ein angepasster Gaszug in Arbeit.

SC22

Der APT Smartcarb fertig verbaut im Testbike (Husaberg 300TE, Bj.2011).

Die rechte Seite mit dem Smardcarb.

Die rechte Seite mit dem Smartcarb.

Test und Einstellung

Der Vergaser wird voreingestellt ausgeliefert. Der kalte Motor startet nach wenigen Kicks.
Der Choke scheint bei ~ 10°C nicht zwingend notwendig zu sein und kann schnell wieder raus.

Geruch und Qualmentwicklung sind anders als bisher. Das Abgas riecht süßlich. Im kalten Zustand
gibt es weniger Qualmentwicklung – Im warmem Zustand praktisch keine. Die Voreinstellung lief
bereits gut, war aber einen Tick zu fett. APT empfiehlt im Handbuch die Gemischeinstellung von
der Leistungscharakteristik des Motorrads abhängig zu machen und diesen nicht über das Kerzenbild
einzustellen.

Die Gemischeinstellschraube lässt sich bei der Husaberg TE300 aufgrund des großen Tanks am Besten
von der rechten Seite aus vornehmen. Man stellt dazu den Motor ab, drückt die Gemischeinstellschraube
nach unten und gibt Vollgas. Dadurch rastet der Einstellmechanismus im Schieberdeckel in das
passende Gegenstück im Schieber ein. Nun dreht man man die Einstellschraube links oder rechts
(1 Klick nach rechts = fetter, 1 Klick nach Links = magerer, Einstellbereich ca. 50 Klicks).
Die Änderung ist jeweils gering, aber merklich. Ich schätze, dass 3 oder 4 Klicks einem Nadelclip
bei PWK-Nadeln entsprechen – falls man das überhaupt vergleichen kann und sollte. Die Einstellung
an der Gemischeinstellschraube verändert den Gasschieberbereich von Leerlauf bis Halbgas. Um den
Bereich Halbgas bis Vollgas einzustellen, müsste man den “Metering Rod” tauschen – was laut APT
wohl nur selten nötig sein soll.

Einmal eingestellt ist das Ansprechverhalten sehr gleichmäßig und sauber. Der Motor hat im unteren
Drehzahlbereich deutlich mehr Drehmoment. Bezüglich Leistungssteigerung kann ich noch keine genauen
Aussagen treffen – tendenziell ist aber mehr Endleistung vorhanden. In technischen Passagen konnte
ich häufig einen Gang höher fahren als gewohnt. Gaswechsel nimmt der Motor sehr gut an und ist
noch spritziger. Bezüglich der Leistungsquarakteristik gibt es also durchweg Verbesserungen.
Bei zukünftigen Tests werde ich versuchen, die Leistungscharakteristik über den Einstellmechanismus
der Auslass-Steuerung weiter zu optimieren (https://www.kreftmoto.com/kreftmoto/PVtuning.html).

Testverbrauch waren 3,6 Liter auf 34 km, also ca. 10,5 Liter / 100 km
(größtenteils technische Passagen und schnelle Verbindungsetappen).

Auch im heißen Zustand lässt sich der Motor weiterhin sehr gut starten. Auch Starts in steilen Auf-
oder Abfahrten sind kein Problem. Liegt das Motorrad jedoch einmal so kommt der fehlende Überlauf
zum Tragen. Beim nächsten Start muss lange mit Vollgas gekickt oder georgelt werden und der Motor
erwacht langsam mit Qualmschwaden aus dem Auspuff zum Leben. Legt man das Motorrad bei laufendem
Motor auf die Seite so geht es sehr schnell aus. Schneller als mit dem PWK. Bei zwei “Liegeversuchen”
auf der linken Seite ist dann auch Benzin aus dem Luftfilterkasten gelaufen (!).
Der Schwimmer alleine scheint also keine zuverlässige Absperrung zu sein.

vorläufiges Fazit

Negativ:
• Der fehlende Überlauf ist nicht nur störend, sondern auch ein Sicherheitsrisiko.
Ich hoffe, dass sich APT diesbezüglich etwas einfallen lässt.

Positiv:
• APT scheint die Versprechen einhalten zu können. Insbesondere Ansprechverhalten
und Drehmoment sind deutlich verbessert. Zum Verbrauch und zur Leistung sind weitere
Tests notwendig und werden von mir in Teil 2 dieses Berichts nachgereicht.

Verfügbarkeit

Die Billet-Version (CNC gefräst) ist zur Zeit ausverkauft. APT nimmt Vorbestellungen für die
36/38/40 mm Version an (Preis 775 USD, ab 31.3.13 lieferbar).
Für die Guss-Version des 38 mm Vergasers nimmt APT auch Vorbestellungen an (Preis 375 USD, ab 1.5.13 lieferbar).

Ich bin in Kontakt mit APT und hoffe, Euch den Vergaser dann schnellstmöglich auch
auf www.endurocult.de anbieten zu können.

Weitere Informationen zum APT Smartcarb unter:
https://secure.powerapt.com/smartcarb-difference.php
APT @ facebook: https://www.facebook.com/PowerAPT