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Enduro DM Großlöbichau, Tag 1: Jeremy Sydow dominiert, Henry Strauss sorgt für die Sensation

Enduro DM Großlöbichau

Zwischen Weltklasse und Nachwuchs-Coup: Großlöbichau liefert die erste große Überraschung der DEM-Saison

Der dritte Lauf der Deutschen Enduro Meisterschaft hatte am ersten Augustwochenende im thüringischen Großlöbichau wirklich alles zu bieten: anspruchsvolle Sonderprüfungen, wechselhafte Wetterbedingungen, einen souveränen Championats-Sieger und einen gerade einmal 17 Jahre alten Nachwuchsfahrer, der bei seinem ersten klassischen Enduro-Einsatz mit einem großen Motorrad direkt die etablierte Spitze aufmischte.

Während Jeremy Sydow seiner Favoritenrolle eindrucksvoll gerecht wurde und das Championat mit mehr als zwei Minuten Vorsprung gewann, stahl Henry Strauss dem erfahrenen Spitzenfeld zumindest ein Stück weit die Show. Der junge Husqvarna-Pilot raste bei seinem DEM-Debüt sensationell auf den dritten Gesamtrang und sorgte damit für die dickste Überraschung des ersten Fahrtages.

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Großlöbichau eröffnet die zweite Saisonhälfte der Deutschen Enduro Meisterschaft

Mit dem dritten Saisonlauf wurde in Großlöbichau offiziell die zweite Hälfte der Deutschen Enduro Meisterschaft eingeläutet. Der ausrichtende MSTC Gembdental präsentierte sich dabei erneut als hervorragender Gastgeber und zeigte eindrucksvoll, warum sich die Veranstaltung innerhalb kürzester Zeit einen festen Platz im DEM-Kalender erarbeitet hat.

Die Organisatoren boten den Fahrerinnen und Fahrern eine kompakte, aber ausgesprochen intensive Runde. Rund 18 Kilometer Streckenlänge mussten im A-Championat insgesamt fünfmal absolviert werden. Pro Runde warteten drei verschiedene Sonderprüfungen, sodass am Ende des Fahrtages insgesamt 15 gezeitete Tests in die Wertung eingingen.

Damit war von Beginn an klar: In Großlöbichau ging es nicht nur um maximale Geschwindigkeit. Kondition, Konzentration, Anpassungsfähigkeit und eine möglichst fehlerfreie Fahrweise waren mindestens genauso wichtig.

Bereits am Vormittag gehörte die Strecke den jungen Talenten der Mini-Enduro-Europameisterschaft. Am Nachmittag übernahmen schließlich die Fahrerinnen und Fahrer der Deutschen Enduro Meisterschaft sowie die Teilnehmer der nationalen Jugendklasse bis 23 Jahre ohne Hubraumbeschränkung das Geschehen.

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Drei Sonderprüfungen mit völlig unterschiedlichem Charakter

Für besonders viel Abwechslung sorgten die drei komplett unterschiedlich aufgebauten Wertungsprüfungen. Jede Prüfung verlangte den Fahrern andere Fähigkeiten ab und machte es entsprechend schwierig, über den gesamten Tag konstant schnelle Zeiten abzuliefern.

Schneller Crosstest verlangt Mut und Präzision

Der Crosstest war schnell, offen und mit weit gezogenen Kurven sowie langen Geraden versehen. Hier mussten die Fahrer früh ans Gas gehen, viel Schwung mitnehmen und gleichzeitig äußerst präzise arbeiten.

Schon kleine Fehler beim Anbremsen oder in der Linienwahl kosteten wertvolle Sekunden. Gleichzeitig war Mut gefragt, denn auf dem schnellen Untergrund musste das Motorrad auch bei hoher Geschwindigkeit kontrolliert und sauber durch die Kurven bewegt werden.

Enduro-Test mit Hangpassagen und tückischen Wiesenkurven

Der flüssig gesteckte Enduro-Test stellte ganz andere Anforderungen. Zahlreiche Hangpassagen, wechselnde Radien und schwierige Wiesenkurven verlangten eine besonders saubere Linienwahl.

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Hier entschied nicht allein die maximale Geschwindigkeit. Entscheidend waren Gefühl am Gasgriff, eine ruhige Fahrweise und die Fähigkeit, den vorhandenen Grip richtig einzuschätzen. Gerade bei den zunächst nassen Bedingungen konnten hektische Bewegungen oder ein zu aggressiver Gaseinsatz schnell zu einem Rutscher führen.

Extreme-Test wird zum Publikumsliebling

Das größte Grinsen unter den Fahrern und die meiste Begeisterung bei den Zuschauern verursachte allerdings der Extreme-Test.

Der Abschnitt war zwar vergleichsweise kurz, dafür jedoch steil, technisch anspruchsvoll und spektakulär anzusehen. Enge Linien, anspruchsvolle Hindernisse und steile Passagen sorgten dafür, dass die Fahrer kaum Zeit zum Verschnaufen hatten.

Der Test entwickelte sich schnell zum Publikumsliebling und zeigte eindrucksvoll, dass ein echter Extreme-Test hervorragend in die Deutsche Enduro Meisterschaft passt. Gerade die Spezialisten aus dem Hard-Enduro-Bereich konnten hier ihre technischen Fähigkeiten voll ausspielen.

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Einer von ihnen sollte später noch für die größte Geschichte des gesamten Tages sorgen.

Regen zum Start, Sonne am Nachmittag

Auch das Wetter mischte sich kräftig in das Renngeschehen ein. Pünktlich zum Start setzte Regen ein und verwandelte die ohnehin anspruchsvollen Sonderprüfungen in rutschige Herausforderungen.

Vor allem auf den Wiesenpassagen wurde der Untergrund zunehmend schmierig. Wurzeln, Hänge und ausgefahrene Spuren verlangten den Fahrern höchste Konzentration ab. Wer zu früh oder zu hart beschleunigte, riskierte einen Fehler und damit einen erheblichen Zeitverlust.

Im weiteren Verlauf des Nachmittags kämpfte sich schließlich die Sonne durch die Wolken. Die Strecken trockneten nach und nach ab, wodurch die Bedingungen von Runde zu Runde schneller wurden.

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Damit mussten sich die Teilnehmer permanent auf neue Gripverhältnisse einstellen. Linien, die am Anfang des Tages noch gut funktionierten, konnten wenige Stunden später bereits deutlich langsamer sein. Fahrer, die sich besonders schnell an die Veränderungen anpassen konnten, verschafften sich einen entscheidenden Vorteil.

Jeremy Sydow setzt in Großlöbichau das Maß aller Dinge

Mit reichlich Rückenwind aus der Enduro-Weltmeisterschaft reiste Jeremy Sydow nach Thüringen. Der Triumph-Pilot hatte in den vergangenen Wochen mehrfach auf internationalem Parkett überzeugt und knüpfte in Großlöbichau nahtlos an diese starken Leistungen an.

Bereits im ersten Test setzte Sydow das Tempo und machte unmissverständlich deutlich, wer an diesem Samstag der Mann war, den es zu schlagen galt.

Trotz der schwierigen und ständig wechselnden Bedingungen fand der Chemnitzer sofort seinen Rhythmus. Er fuhr schnell, kontrolliert und vor allem beeindruckend konstant. Weder der Regen zu Beginn noch die später abtrocknenden Prüfungen brachten ihn aus dem Konzept.

Sydow wirkte jederzeit souverän und hatte das Geschehen fest im Griff. Selbst kleine Veränderungen des Untergrundes oder neue Spuren in den Tests schienen ihn kaum zu beschäftigen.

Ein kleiner Sturz im letzten Enduro-Test blieb die einzige nennenswerte Unachtsamkeit eines ansonsten nahezu perfekten Renntages. Größere Folgen hatte der Zwischenfall nicht.

Am Ende sicherte sich Jeremy Sydow souverän den Sieg in der Klasse E1. Gleichzeitig gewann er mit mehr als zwei Minuten Vorsprung auch die Gesamtwertung des Championats.

Diese Leistung unterstrich einmal mehr, dass sich der Deutsche aktuell in herausragender Form befindet. Sydow brachte seine internationale Erfahrung auf die anspruchsvollen Prüfungen in Großlöbichau und ließ der nationalen Konkurrenz an diesem Tag praktisch keine Chance.

Luca Fischeder kämpft sich trotz Erkältung auf Platz zwei

Ganz andere Voraussetzungen brachte Luca Fischeder mit nach Großlöbichau. Der amtierende Deutsche Enduro-Meister kämpfte bereits seit mehreren Tagen mit einer hartnäckigen Erkältung.

Schon vor dem Start war daher klar, dass der direkte Kampf gegen einen bestens aufgelegten Jeremy Sydow unter diesen Umständen äußerst schwierig werden würde. Dennoch stellte sich der Sherco-Pilot der Herausforderung.

Fischeder bewies einmal mehr, warum er seit Jahren zu den konstantesten und erfolgreichsten Fahrern der Deutschen Enduro Meisterschaft gehört.

Während seine Kräfte im Laufe des Tages sichtbar nachließen, setzte er auf Erfahrung, Übersicht und kluges Rennmanagement. Anstatt mit unnötigem Risiko einen Fehler oder sogar einen Ausfall zu provozieren, konzentrierte sich Fischeder darauf, aus seiner körperlich schwierigen Situation das Maximum herauszuholen.

Diese Strategie ging auf.

Mit einer starken und kontrollierten Leistung gewann Luca Fischeder die Klasse E3. Gleichzeitig belegte er den zweiten Platz im Championat.

Es sind genau diese schwierigen Renntage, die am Ende einer langen Meisterschaftssaison über den Titel entscheiden können. Auch wenn der Gesamtsieg an diesem Tag außer Reichweite lag, sammelte Fischeder wichtige Punkte und begrenzte den Schaden auf ein Minimum.

Matyas Chlum bleibt eine feste Größe in der DEM

Seit vielen Jahren gehört Matyas Chlum zu den bekanntesten Gesichtern im Fahrerlager der Deutschen Enduro Meisterschaft.

Der sympathische Tscheche reist regelmäßig zu den deutschen Meisterschaftsläufen und zählt seit Jahren zu den konstantesten Fahrern im Feld. Auch in Großlöbichau stellte Chlum seine Klasse eindrucksvoll unter Beweis.

Mit schnellen und zuverlässigen Zeiten sicherte er sich den Sieg in der Klasse E2. In der Gesamtwertung des Championats belegte er den vierten Rang.

Damit sammelte Chlum erneut wichtige Meisterschaftspunkte und bestätigte einmal mehr seine Rolle als einer der zuverlässigsten Spitzenfahrer der Serie. Während andere Fahrer mit Fehlern oder schwankenden Zeiten zu kämpfen hatten, lieferte der Tscheche über den gesamten Tag eine konzentrierte Leistung ab.

Henry Strauss schreibt die Geschichte des Tages

Die größte Überraschung des ersten Fahrtages trug allerdings den Namen Henry Strauss.

Der gerade einmal 17 Jahre alte Husqvarna-Pilot wollte das Wochenende ursprünglich nutzen, um erstmals mit einem großen Motorrad im klassischen Enduro-Sport an den Start zu gehen. Für Strauss sollte es in erster Linie ein spannender Test unter Wettbewerbsbedingungen werden.

Doch aus dem geplanten Test wurde innerhalb weniger Prüfungen eine echte Sensation.

Bereits im ersten Extreme-Test setzte Strauss die absolute Bestzeit gegen die komplette Konkurrenz. Damit ließ er nicht nur die Fahrer seiner eigenen Klasse hinter sich, sondern auch sämtliche etablierten Spitzenpiloten des Championats.

Spätestens nach dieser Zeit war klar, dass mit dem jungen Hard-Enduro-Spezialisten zu rechnen war.

Vor allem in den technisch anspruchsvollen Prüfungen spielte Strauss seine außergewöhnlichen Fähigkeiten aus. Steile Auffahrten, enge Linien und schwierige Hindernisse schienen dem Nachwuchsfahrer besonders gut zu liegen. Runde für Runde sorgte er mit seinen Zeiten für staunende Blicke entlang der Strecke und im Fahrerlager.

Klassensieg und sensationeller dritter Platz im Championat

Mit dem Sieg in der Klasse J1 setzte Henry Strauss bereits ein deutliches Ausrufezeichen.

Noch beeindruckender war allerdings sein Ergebnis in der Gesamtwertung. Der 17-Jährige beendete den ersten Fahrtag auf dem dritten Platz im Championat und ließ damit zahlreiche erfahrene sowie etablierte Spitzenfahrer hinter sich.

Bei seinem ersten klassischen Enduro-Einsatz mit einem großen Motorrad direkt auf das Championatspodium zu fahren, ist eine bemerkenswerte Leistung. Strauss bewies, dass er nicht nur auf extremen Hindernissen schnell ist, sondern auch mit dem klassischen Format aus langen Fahrtagen, wechselnden Prüfungen und unterschiedlichen Streckencharakteren hervorragend zurechtkommt.

Fast noch sympathischer als seine fahrerische Leistung war seine Reaktion im Ziel.

Mit einem breiten Grinsen erklärte Strauss, dass er eigentlich gedacht habe, noch näher an Jeremy Sydow und Luca Fischeder dran zu sein. Lediglich im schnellen Crosstest habe er gemerkt, dass die beiden erfahrenen Spitzenfahrer an diesem Tag noch einmal ein anderes Tempo anschlagen konnten.

Diese Aussage zeigt, wie unbekümmert der junge Husqvarna-Pilot an sein erstes DEM-Wochenende herangegangen ist. Vielleicht war genau diese lockere Herangehensweise einer der Gründe dafür, dass er ohne großen Erwartungsdruck die größte Überraschung des Tages liefern konnte.

Nach diesem Auftritt dürfte Henry Strauss bei seinen nächsten Starts ganz sicher nicht mehr unterschätzt werden.

Andreas Beier zeigt den Wert seiner Erfahrung

Für eine weitere positive Überraschung sorgte Andreas Beier.

Während im Enduro-Sport häufig über die nächste Generation und die aufstrebenden Nachwuchstalente gesprochen wird, zeigte der erfahrene E2-Pilot eindrucksvoll, dass Routine und Übersicht weiterhin unbezahlbar sind.

Auf den drei völlig unterschiedlichen Sonderprüfungen fand Beier vom ersten Meter an einen hervorragenden Rhythmus. Besonders unter den wechselhaften Bedingungen spielte er seine ganze Erfahrung aus.

Er vermied größere Fehler, passte seine Fahrweise an die jeweiligen Streckenverhältnisse an und arbeitete sich mit konstant starken Zeiten immer weiter nach vorne.

Am Ende wurde diese Leistung mit einem starken fünften Platz im Championat belohnt. Auch innerhalb der Klasse E2 lieferte Beier eine überzeugende Vorstellung ab.

Sein Ergebnis unterstrich einmal mehr: Die jungen Wilden sorgen zwar für frischen Wind und spektakuläre Geschichten, doch die erfahrenen Routiniers sind noch lange nicht bereit, die Bühne kampflos zu verlassen.

Der zweite Fahrtag verspricht die nächsten spannenden Duelle

Nach dem ereignisreichen Auftakt richtet sich der Blick bereits auf den zweiten Fahrtag in Großlöbichau.

Ab 08:00 Uhr eröffnet erneut die Mini-Enduro-Europameisterschaft das Renngeschehen. Ab 13:00 Uhr gehen anschließend die Fahrerinnen und Fahrer der Deutschen Enduro Meisterschaft wieder auf die Strecke.

Dann werden die nächsten wichtigen Meisterschaftspunkte vergeben. Besonders spannend wird die Frage, ob Jeremy Sydow seine dominante Vorstellung wiederholen kann und ob Henry Strauss erneut in den Kampf mit den etablierten Championats-Fahrern eingreifen wird.

Auch Luca Fischeder dürfte trotz seiner gesundheitlichen Probleme alles daransetzen, den Abstand zur Spitze zu verkürzen. Gleichzeitig lauern mit Matyas Chlum, Andreas Beier und weiteren schnellen Fahrern mehrere Kandidaten auf ihre Chance.

Die Premiere des Rennwochenendes hat jedenfalls bereits gezeigt: Großlöbichau ist jederzeit für Überraschungen gut.

Ausführliche Ergebnisse und weitere Informationen zur Deutschen Enduro Meisterschaft gibt es unter: https://www.enduro-dm.de

Quelle: Textgrundlage: Alexander Gehlert / ADAC Enduro, Fotos: Marcel Sänger / ADAC Enduro

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