Romain Febvre gewinnt erstmals 2026 ein MXGP-Quali-Rennen – Camden Mc Lellan triumphiert in der MX2. Vor stark gefüllten Rängen liefert der erste Tag des LIQUI MOLY MXGP of Germany in Teutschenthal alles, was das Motocross-Herz braucht.
Der erste Tag des LIQUI MOLY MXGP of Germany 2026 im legendären Teutschenthaler Talkessel ist Geschichte – und dieser Samstag hatte es direkt in sich. Bei bestem Rennwetter, einer hervorragend vorbereiteten Strecke und bereits richtig gut gefüllten Zuschauerbereichen lieferten die Quali-Rennen der Motocross-Weltmeisterschaft einen starken Vorgeschmack auf den großen Rennsonntag.
In den beiden WM-Klassen MXGP und MX2 gab es dabei neue Samstagsieger. In der Königsklasse MXGP setzte sich der Franzose Romain Febvre durch und feierte seinen ersten Quali-Sieg der Saison 2026. In der MX2-Klasse gelang dem Südafrikaner Camden Mc Lellan der erste Samstagssieg des Jahres.
Schon am Samstag zeigte sich: Der Talkessel ist bereit für ein großes deutsches Motocross-Fest.
Perfekte Bedingungen beim LIQUI MOLY MXGP of Germany 2026
Der diesjährige deutsche Lauf zur Motocross-Weltmeisterschaft begann genau so, wie man es sich als Fan, Fahrer und Veranstalter wünscht. Sonne, eine starke Kulisse und eine Strecke, die vom MSC Teutschenthal e. V. im ADAC erstklassig vorbereitet wurde.
Gerade die Strecke stand am Samstag besonders im Fokus. Der Club hatte im Vorfeld viele Tonnen sandigen Boden eingebracht und auch am Layout Veränderungen vorgenommen. Das Ergebnis: deutlich mehr Grip, bessere Linienwahl und insgesamt Bedingungen, die bei Fahrern, Jury und Serienpromoter sehr gut ankamen.
Der legendäre Talkessel bei Halle/Saale präsentierte sich damit einmal mehr als würdiger Austragungsort eines WM-Laufs. Bereits am ersten Veranstaltungstag sorgten die zahlreichen Fans für eine Atmosphäre, die eher nach Rennsonntag als nach Quali-Tag klang.
MXGP: Romain Febvre gewinnt vor Gajser, Coenen und Herlings
Im Quali-Rennen der MXGP-Klasse standen die Top-Fahrer der aktuellen Weltmeisterschaft sofort im Mittelpunkt. Nach dem Start sortierten sich gleich die großen Namen auf den vorderen Plätzen ein: Romain Febvre, Tim Gajser, Lucas Coenen und Jeffrey Herlings.
Die vier Top-Piloten lieferten sich zwar keine wilden Positionswechsel, doch langweilig wurde es trotzdem nicht. Die Abstände blieben eng, das Tempo hoch und die Qualität auf der Strecke war auf absolutem WM-Niveau. Jeder kleine Fehler hätte die Reihenfolge verändern können.
Am Ende setzte sich Romain Febvre vom Kawasaki Racing Team MXGP durch. Der Franzose behielt die Oberhand vor Tim Gajser vom Monster Energy Yamaha Factory MXGP Team, Lucas Coenen auf der Red Bull KTM Factory Racing und Jeffrey Herlings vom Team Honda HRC PETRONAS.
Auch markentechnisch bot die Spitze jede Menge Abwechslung: Kawasaki, Yamaha, KTM und Honda belegten die ersten vier Plätze.
Romain Febvre lobt Strecke und Veranstalter
Für Febvre war der Samstag ein perfekter Start in das deutsche GP-Wochenende. Der amtierende Weltmeister zeigte sich nach dem Quali-Sieg entsprechend zufrieden – nicht nur mit seiner eigenen Leistung, sondern auch mit der Arbeit des Veranstalters.
„Das war ein sehr guter Tag für mich, und ich denke auch für viele Fans, die bereits da waren. Das Wetter war erstklassig, und ich hoffe, dass das auch morgen der Fall ist. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass der Verein mit der neuen Erde auf der Strecke einen sehr guten Job gemacht hat. Sie haben auch am Layout der Strecke ein paar Veränderungen vorgenommen, sodass sie viel besser ist als zuvor. Vorher war der Boden extrem hart und rutschig. Nun bietet er den ganzen Tag viel Grip. Es ist schön zu sehen, wie sich hier bemüht wurde, die Bedingungen zu verbessern. Für mich persönlich war es natürlich ein guter Start in den GP. Ich hoffe, dass ich am Sonntag so weitermachen kann.“
Gerade diese Einschätzung zeigt, wie wichtig die Streckenarbeit im modernen Motocross ist. Mehr Grip bedeutet nicht automatisch einfachere Bedingungen – aber es ermöglicht den Fahrern mehr Linien, mehr Angriffsmöglichkeiten und ein intensiveres Rennen.
Die Punkteränge im MXGP-Quali-Rennen
Hinter dem Führungsquartett komplettierten starke Namen die Top Ten. Da am Samstag in der Motocross-WM halbe Punkte vergeben werden und nur die ersten zehn Fahrer punkten, waren die Plätze fünf bis zehn ebenfalls besonders wichtig.
Die weiteren Punkteränge in der MXGP:
- 5. Andrea Adamo – Italien, Red Bull KTM Factory Racing
- 6. Ruben Fernandez – Spanien, Honda HRC PETRONAS
- 7. Kay de Wolf – Belgien, Nestaan Husqvarna Factory Racing
- 8. Pauls Jonass – Lettland, Kawasaki Racing Team MXGP
- 9. Andrea Bonacorsi – Italien, Red Bull Ducati Factory Racing MXGP
- 10. Alberto Forato – Italien, Fantic Factory Racing MXGP
Damit war bereits am Samstag klar: Für den Sonntag ist in der MXGP einiges angerichtet. Die Spitze ist eng zusammen, die großen Namen sind vorne dabei und die Strecke bietet genug Möglichkeiten für spannende Rennläufe.
Deutsche Wild-Card-Fahrer mit schwierigem Startplatz-Handicap
Aus deutscher Sicht war der Samstag vor allem für die Wild-Card-Piloten eine besondere Herausforderung. Insgesamt acht deutsche Fahrer qualifizierten sich für das Rennen, doch die Startpositionen waren alles andere als ideal.
Der Grund: Es wurden zwei Trainingsgruppen gebildet – eine für die Permanent Rider und eine für die Wild-Card-Fahrer. Dadurch hatten die deutschen Piloten kaum eine realistische Chance auf einen wirklich guten Startplatz. Gerade in Teutschenthal ist das ein entscheidender Faktor, denn die abbiegende Startgerade macht eine gute Ausgangsposition extrem wertvoll.
Bester Deutscher wurde Tom Koch vom KTM Sarholz Racing Team. Der Wormstedter beendete das Quali-Rennen auf Platz 17 und zog dennoch ein positives Fazit.
Tom Koch: „Rein fahrerisch war es gut“
Tom Koch zeigte sich nach dem Quali-Rennen grundsätzlich zufrieden mit seiner eigenen Leistung. Besonders im Vergleich zu seinen letzten Auftritten sah er einen klaren Schritt nach vorne.
„Ich denke, rein fahrerisch war es gut, wesentlich besser als meine letzten Rennen – sowohl im ADAC MX Masters, speziell aber auch bei meinen bisherigen zwei Starts in diesem Jahr bei der WM. Das war auch, weil ich einfach ein bisschen lockerer in den Tag gestartet bin. Ich habe mich schon im Zeittraining gut gefühlt.“
Das Problem lag aus seiner Sicht weniger im Speed, sondern in der Ausgangsposition.
„Da zwei Trainingsgruppen – eine für die Permanent Rider und eine für die Wild-Card-Fahrer – gebildet wurden, hatten wir Deutschen natürlich keine Chance auf einen guten Startplatz, was hier auf der abbiegenden Startgeraden extrem wichtig ist. Da fährst du in der ersten Kurve gefühlt 20 Meter mehr.“
Trotzdem fand Koch schnell seinen Rhythmus und sprach von einer soliden Fahrt. Für den Sonntag nimmt er sich erneut eine konzentrierte Leistung vor.
„Das war eine solide Fahrt, was auch für den Sonntag mein Ziel ist. Vielleicht kommt dann ja ein Top-15-Ergebnis raus. Damit wäre ich sehr zufrieden. Einfach wieder mein Bestes geben, dann wird das schon gut.“
Auch zur Stimmung im Talkessel fand „ToKo“ klare Worte:
„Die war heute schon extrem gut. Ich weiß nicht, wann es zuletzt so gut war an einem Samstag. Auch die Änderungen an der Strecke sind aus meiner Sicht sehr gut gelungen.“
MX2: Camden Mc Lellan feiert ersten Samstagssieg 2026
In der MX2-Klasse blickten viele deutsche Fans natürlich besonders auf Simon Längenfelder. Der Vorjahres-Weltmeister und aktuelle Tabellenführer gehört in Teutschenthal traditionell zu den großen Hoffnungsträgern. Im Quali-Rennen lief es für den Franken allerdings nicht ganz nach Wunsch. Längenfelder musste sich am Samstag mit Rang acht begnügen.
An der Spitze sah zunächst alles nach einem weiteren starken Auftritt von Sasha Coenen aus. Der Belgier, Zwillingsbruder des MXGP-Tabellenführers Lucas Coenen, ist als extrem starker Starter bekannt und hatte sich auch diesmal früh an die Spitze gesetzt.
Doch erneut wurde ihm seine Sturzanfälligkeit zum Verhängnis. In Runde drei ging Coenen zu Boden und verlor damit die Chance auf den nächsten Samstagssieg. Am Ende reichte es für ihn nur zu Platz sechs.
Diese Situation nutzte Camden Mc Lellan perfekt aus. Der Südafrikaner vom Triumph Racing MX2 Factory Team übernahm seine Chance und fuhr zum ersten Sieg an einem kombinierten Trainings- und Renntag in dieser Saison.
Zweiter wurde Janis Martins Reisulis aus Lettland auf der Monster Energy Yamaha Factory MX2. Rang drei ging an Liam Everts aus Belgien vom Nestaan Husqvarna Factory Racing Team.
Simon Längenfelder mit Luft nach oben vor dem Rennsonntag
Für Simon Längenfelder war Platz acht im MX2-Quali-Rennen sicherlich nicht das erhoffte Ergebnis. Dennoch ist für den Rennsonntag noch alles offen. In Teutschenthal können Starts, Linienwahl und Streckenentwicklung schnell eine große Rolle spielen.
Gerade auf einer Strecke, die über den Tag hinweg Grip bietet und sich dennoch verändert, ist Konstanz gefragt. Längenfelder hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass er unter Druck liefern kann. Die deutschen Fans dürften ihn am Sonntag noch einmal lautstark nach vorne tragen.
WMX: Daniela Guillen gewinnt ersten Lauf vor Fontanesi und Duncan
Auch die Support-Klassen boten am Samstag bereits richtig sehenswerten Sport. In der WMX, der Frauen-Motocross-Weltmeisterschaft, stand der erste von zwei Wertungsläufen auf dem Programm.
Zunächst führte die Spanierin Daniela Guillen das Feld an. Hinter ihr machte die niederländische Vorjahresweltmeisterin Lotte van Drunen Druck. Zur Rennmitte übernahm van Drunen sogar die Führung, stürzte jedoch wenig später und fiel zurück. Am Ende wurde sie Vierte.
Der Sieg ging damit an Daniela Guillen, die ihre starke Form erneut bestätigte. Zweite wurde die Italienerin Kiara Fontanesi, Platz drei ging an Courtney Duncan aus Neuseeland.
Beste Deutsche war Larissa Papenmeier auf Rang sieben.
EMX250: Mads Fredsoe mit Start-Ziel-Sieg
Auch in der EMX250 wurde am Samstag der erste Wertungslauf ausgetragen. Dort zeigte Mads Fredsoe aus Dänemark eine blitzsaubere Vorstellung. Er übernahm früh die Führung und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab.
Der Däne feierte einen überzeugenden Start-Ziel-Sieg vor dem Niederländer Gyan Doensen und dem Australier Liam Owens.
Gerade die EMX250 zeigte einmal mehr, wie hoch das Niveau im europäischen Motocross-Nachwuchs ist. Viele dieser Fahrer könnten in Zukunft auch in den WM-Klassen eine Rolle spielen.
MSC Teutschenthal zieht positives Zwischenfazit
Zur Halbzeit des deutschen Motocross-Highlights zeigte sich auch die Vereinsführung des MSC Teutschenthal sehr zufrieden. Clubchef Jens-Uwe Jahnke lobte den Auftakt, die Zuschauerresonanz und die Entwicklung der Strecke.
„Wir können auf einen schönen ersten Renntag zurückblicken und sicherlich auf einen ebenso schönen zweiten vorausschauen. Der erste Tag war mit den vielen Fans einfach genial. Wir haben ja viele Tonnen sandigen Boden auf die Strecke gebracht, sodass die Verhältnisse optimal sind.“
Auch von offizieller Seite gab es viel Lob für die Arbeit des Clubs.
„Die internationale Jury und auch der Serienpromoter Infront Moto Racing haben alles nur einmal gelobt. Sie sehen auch jedes Jahr, wenn sie zu uns kommen, einen Entwicklungssprung und arbeiten mit unserem MSC sehr gern zusammen.“
Jahnke betonte zudem, wie zuverlässig die Organisation in Teutschenthal mittlerweile aufgestellt ist.
„Wenn sie nach Teutschenthal kommen, ist es einfach so, dass wir aufschließen und loslegen. Dann ist alles gut. Das ist woanders in der Welt nicht so. Man kann sich auf uns verlassen, und dafür geben wir uns auch alle Mühe.“
Fazit: Der Talkessel ist bereit für den großen Rennsonntag
Der erste Tag des MXGP of Germany 2026 hat geliefert. Neue Samstagsieger in MXGP und MX2, starke Leistungen in den Support-Klassen, eine sichtbar verbesserte Strecke und eine beeindruckende Kulisse schon am Samstag – mehr kann man sich für den Auftakt kaum wünschen.
Romain Febvre und Camden Mc Lellan setzten die sportlichen Ausrufezeichen des Tages. Aus deutscher Sicht bleibt besonders spannend, wie sich Simon Längenfelder am Sonntag in der MX2 zurückmeldet und ob Tom Koch in der MXGP sein Ziel eines Top-15-Ergebnisses erreichen kann.
Der Talkessel lebt, die Fans sind da und die Strecke scheint bereit für große Rennen. Alles deutet darauf hin, dass der Sonntag beim LIQUI MOLY MXGP of Germany in Teutschenthal noch einmal richtig intensiv wird.
Weitere Informationen gibt es unter:
www.mxgp-germany.de
www.msc-teutschenthal.de
www.mxgp.com
Quelle: Thorsten Horn


