Tuareg Rallye 2012:

Sand, Sand & Sand – das Motto der 14. Rallye in Marokko

Tuareg Rally 2012

Am 18.03.2012 war es wieder einmal so weit. Der Rallyetross mit über 500 Personen,
davon über 150 Motorrädern, 70 Autos, sowie LKWs in Wertung fahrend, hat sich im
Hafen von Almeria in Spanien zur technischen Abnahme versammelt. Mit sämtlichen
Begleitfahrzeugen und Begleitpersonen möchte man meinen, die Dakar macht wieder
Station in Europa, da das gesamte Areal des Hafens mit von Almeria mit feinsten
Rallyegeräten bevölkert wird. Nach der technischen Abnahme und den Checks geht es
über Nacht mit 2 Fähren nach Nador in Marokko, wo am nächsten Tag am Morgen gleich
der Start im Hafen und somit die erste Etappe folgt.

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Die Organisation der Tuareg Rallye rund um Rainer Autenrieth hat sich für dieses Jahr
wieder etwas Spezielles einfallen lassen: ein Dünenrennen auf die höchsten Dünen im
Süden Marokkos, die Durchquerung des „Teufelsgartens“, oder Highspeed-Etappen vom
Norden Marokkos in den Süden – so liest sich das Menü der „Tuareg“. Gefragt ist bei
der Rallye aber nicht nur Schnelligkeit, sondern auch Navigation, da es jeden Tag
gilt viele „Secret Checkpoints“ anzufahren, ansonsten man sich viele Strafzeiten einhandelt.

An insgesamt 8 Wertungstagen werden über 2.500 Kilometer gefahren, davon ca. 80%
Off-Road. Die Teilnehmer kommen aus allen Erdteilen – von Australien, Japan, Schweden,
Polen, Tschechien bis zu Italien – und treffen sich alljährlich Profis wie auch Amateure
zu der mittlerweile größten Rallye im europäischen Raum. Auch Teams, die an der Dakar
teilnehmen, lassen sich die perfekt organisierte Veranstaltung als Test für die Welt-
meisterschaft nicht entgehen. Die meisten Rallyefahrer stellt naturgemäß Deutschland,
Italien und England, wobei Österreich mit 5 Startern relativ schwach vertreten ist,
die „Ösis“ aber doch jedes Jahr vorne um Podestplätze mitmischen.

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Zurück zur technischen Abnahme, welche viele Stunden im Hafen von Almeria in Anspruch
nimmt. Dass die Tuareg Rallye mittlerweile zu den besten Rallyes weltweit zählt, merkt
man sofort bei Beginn der Veranstaltung. Die Teilnehmer stehen geduldig in einer
Schlange und arbeiten sich von einem „Check“ zum nächsten. Alles wird peinlichst genau
kontrolliert, sodass auch im Falle des Notfalles alles wie am Schnürchen läuft.
Notrufnummern, Leuchtraketen, Notfallsets und der technische Zustand der Motorräder
wird genauestens überprüft. Ein eigens mitgereistes Notfallteam mit schwerem Bergegerät
– bestehend aus Notfallärzten und Sanitätern – gibt den Teilnehmern ein beruhigendes Gefühl.

In den Nachtstunden sind sämtliche Fahrzeuge auf den 2 Fähren verladen und es geht
endlich los Richtung Marokko. Nach wenigen Stunden Schlaf und nach der ungewohnt raschen
Einreiseprozedur des Zolls in Marokko erfolgt der Start zur 14. Tuareg Rallye. Die ersten
500 Kilometer nach Missor stehen am Programm und es geht bereits über die ersten staubigen
Pisten und Steinwege. Einige Teilnehmer haben sich bereits jetzt zu viel vorgenommen oder
zugemutet und glaubten, die Rallye am ersten Tag gewinnen zu müssen, weswegen es bereits
die ersten (glimpflichen) Unfälle gibt.

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Auch der 2. Rallyetag beginnt in aller Früh und es wird in Minutenabständen gestartet.
Viele sind jedoch nicht zum Schlafen gekommen, da es galt, in der Nacht die Schäden vom
Vortag zu reparieren. Die Not-Strom-Aggregate heulten die ganze Nacht und machten das
Fahrerlager zu einer riesen Baustelle für Mechaniker. Auch dem Wetter folgend möchte man
meinen, dass man nicht in Afrika ist. Hatte es doch angenehme kühle 15 Grad, wobei es in
den folgenden Tagen auch Nebel und Regen gab, was jedoch keinen störte. Die ersten
Dünengürtel kurz vor Mersouga hatten am Ende der 2. Etappe bereits einigen Teilnehmern
ihre Grenzen aufgezeigt. Dieses Jahr war der Sand besonders weich und trocken, und
aufgrund der schwachen Sonneneinstrahlung sehr schlecht zu lesen.

Der Rallyetross hat nun seine Zelte in Mersouga aufgestellt und war daher am 3. Tag ein
Rundkurs durch verschiedene Dünengürtel und das Erg Chebi am Programm. Ausgewaschene
Labyrinthe mit metertiefen Rinnen waren für die Motorräder nahezu unpassierbar – dies
war geradezu eine Herausforderung für die Organisation und musste man sogar einen
Checkpoint in diesem Labyrinth anfahren, was für manche eine stundenlange Herausforderung
war, da die Auswaschungen teilweise 2 Meter tief waren. Ein Highlight war der sogenannte
„Le Mans-Start“: alle Motorräder standen in einer Linie und nach dem Startsignal rannten
alle Piloten zu ihrem Bike und auf gings in die ersten Dünen. Da vorher bereits die Autos
starteten und viele bereits auf den ersten Metern stecken blieben, mussten die Motorräder
besonders aufpassen, da hinter jeder Düne ein Auto „lauerte“.
Der 4. Tag hatte es ebenso in sich: die „Kings Stage“, ein reiner Sandkurs, war angesagt.
Nur die härtesten und trainiertesten schafften diesen Rundkurs, da außer Sand nur im Sand
zu fahren war, und dies 280Km lang. Einige Fahrzeuge hatten technische Probleme und mussten
die Fahrer daher in den Dünen übernachten, da die Bergung in dieser Nacht zu lange dauerte
und dies auch eine Herausforderung für die Bergeteams war, die ihre Arbeit jedoch sehr
professionell erledigten und „bis zum letzten Mann“ unermüdlich im Einsatz standen.

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Das „Dune Race“ war das Highlight des 5. Rallyetages. 120 Kilometer durch die Dünen Mersougas
„fliegen“, ähnlich einem Motocross-Rennen, nur eben im Sand und mit einer Eigenheit: es galt
die höchsten Dünen zu befahren, auf denen sich die Checkpoints befanden. 4 Runden galt es zu
absolvieren, wobei dies nur die wenigsten schafften. Wer alle Runden absolvierte, durfte den
letzten Checkpoint auf der höchsten Düne anfahren. Es bot sich ein Bild für Götter:
Unzählige Motorräder lagen auf der Anfahrt zu dieser Düne und die Fahrer kletterten wie
Käfer die Düne hinauf. Ein Leckerbissen auch für viele Zuschauer und Photografen.

Der 6. und 7. Rallyetag bot ein ähnliches Bild wie an den ersten beiden Tagen. Kurze
Dünengürtel und schnelle Pisten, gespickt mit einer kniffligen Navigation, begleitete
die Teilnehmer in den Norden Marokkos zurück. Während bei den Autos das Rennen bereits
entschieden war, ging es bei den Motorrädern – sowohl Profis als auch Amateuren – heiß zu,
da nur wenige Minuten über einen Stockerlplatz entschieden. So hieß es auch auf den letzten
Wertungsprüfungen mit über 60 Kilometern Länge, nochmals richtig Gas zu geben, wobei tiefe
Auswaschungen auf den Pisten für einige Teilnehmer für Schrecksekunden und auch Unfälle sorgten.

Der 8. Rallyetag begann entspannt: Während einige noch einen Kater von den Feiern auf der Fähre
hatten, war das Abladen der Bikes im Hafen am Programm. In Spanien erfolgte der Startschuss zur
letzten Etappe mit 70 Kilometern über die Berge Mojacars und einer kurzen Wertungsprüfung.
Am Nachmittag war es dann soweit: alle Teilnehmer (ca. 90 sind ausgefallen) fuhren im Konvoi
ins Ziel und fand dort auch sogleich die Siegerehrung statt. 2 deutschsprachige Teilnehmer
schafften bei den Bikes auch den Sprung auf das Podest: Robert Labinsky wurde bei den Profis
Dritter, und der Österreicher Christian Horwath wurde bei den Amateuren ausgezeichneter Zweiter.

Gesamtergebnisse:
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Bildergalerie:

Video´s von der Tuareg Rallye:
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Text & Fotos:  Christian Horwath