Malaga/Karlsruhe. Der 21-jährige Baden-Badener setzte am 17.02.2018 in Malaga/Spanien seine eindrucksvolle Siegesserie fort – erneut 3 Rennen – 3 Siege, der 2. Grand Prix Sieg in Folge – der Titel des Juniorenweltmeisters 2018 zum Greifen nahe. Was sich beim Auftakt in Polen mit seinem ersten Sieg in einem WM-Lauf schon andeutete, konnte Kevin Gallas bereits vor heimischem Publikum im Januar in Riesa ausbauen: 3 Rennen – 3 souveräne Siege und mit dem Grand Prix Germany die maximalen 60 WM-Punkte aufs Konto gesammelt. Spätestens jetzt richtete sich auch die internationale Aufmerksamkeit auf den jungen Deutschen.

Die große Frage war: Welchen Anteil hatte der Heimvorteil? Würde Gallas diesen Triumpf in Malaga wiederholen können?
Um es vorweg zu nehmen: Er konnte – und wie! Kraftstrotzend und energiegeladen setzte das deutsche Nachwuchstalent schon im Qualifying die Bestmarke. Im Zeittraining für die Startreihenfolge peilte er nicht unbedingt den Spitzenplatz an:
Gallas: „Wer in Rennen 1 und 3 als erster den Platz am Gate wählen kann, muss im 2. Rennen nehmen was übrigbleibt.“
Fieberhaft arbeitete das Team Hill Climb am Vortag des Rennens noch an der Zweitakt-Husqvarna, die durch das intensive Training in Spanien sehr gelitten hatte. Doch aller Einsatz und die Investitionen des Hauptsponsors Grenzgaenger und von MH Motorräder haben sich gelohnt – voller Stolz auch über das neue Dekor mit der roten Startnummer des Führenden positionierte sich Kevin Gallas als 5. Fahrer in der ersten Startreihe zum Finalrennen 1.

Der Start war brillant, aus dem Startgatter machte er einen weiten Satz nach vorne, in idealer Position trieb er seine
Husqvarna nach vorne, kontrolliert und mit voller Traktion die Stollen in den harten und schlüpfrigen Lehmboden gedrückt – Holeshot. Die erste Kurve nahm er in Führung liegend innen, die schnellen Sprünge überwand er quasi im Tiefflug und erreichte mit respektablem Vorsprung das lange und knifflige Steinfeld. Er konnte seine Linie fahren, kontrolliert die losen aufeinandergestapelten Steine überwinden. Die Matrix aus Baumstämmen war tückisch, weil die Strecke zwischendurch gewässert wurde und die Baumstämme jetzt noch rutschiger als im Training waren. Nur eine saubere und präzise Technik brachte die Fahrer bis zum anschließenden Steinhügel. Dieser erforderte höchste Aufmerksamkeit, denn zahlreiche Spalten lauern darauf, dass sich die Räder darin verkeilten. Doch Kevin Gallas fuhr konzentriert und fast fehlerfrei über den relativ kurzen Track, der dafür umso kräftezehrender und anspruchsvoller war. Der harte Lehmboden war so glatt und rutschig, dass in jeder Kurve Stürze drohten.
Gallas: „Jeder Fehler kostet Zeit und vor allem Kraft. Deshalb versuche ich, möglichst fehlerfrei zu fahren und vor allem im Steinfeld die Füße auf den Rasten zu lassen und immer in Vorwärtsbewegung zu bleiben.“

Dieser kontrollierte Fahrstil sieht nicht besonders schnell oder spektakulär aus, ist aber effizient. Er hat sich aus den vielen Jahren im Trialsport und im Training auch mit Marko Prodan von Endurides entwickelt. Mit beeindruckenden 30 Sekunden Vorsprung auf den Polen Emil Juszczak erreichte Gallas nach 6 Minuten + 1 Runde das Ziel. Der Dritte war der Brite William Hoare mit einem Rückstand von 50 Sekunden. Seinen direkten Verfolger in der WM-Liste, Kyle Flanagan aus Südafrika, hat er sogar überrundet.
Mit gestärktem Selbstbewusstsein fuhr Gallas beim 2. Rennen an den Start – in die 2. Reihe aufgrund der umgekehrten Startreihenfolge. Der Start war nicht optimal, seine gedachte Linie war „zu“. Doch er navigierte umsichtig durch das enge Fahrerfeld und lag am Ende der 1. Runde bereits an Position 5. Hier zeigte Gallas seine mentale Stärke. Wohl wissend, dass er genügend Zeit haben würde, um sich an die Spitze heran zu arbeiten, wählte er umsichtig „seine“ Linien, fuhr seinen Rhythmus und sein Rennen. Vor der Matrix prüfte er mit schnellem Blick, welche Seite auf dem anschließenden Steinhügel frei war, wo Fahrer die Spur blockierten – bevor er gezielt genau durch die Lücke fuhr. Ende der 3. Runde saß er dem zweitplatzierten Diego Herrera aus Chile im Nacken, um ihn in Runde 4 dann zu überholen. Bei der Jagd auf den Führenden Juszczak unterliefen Gallas ein paar kleine Fehler im Steinfeld, in der Matrix traf er die Baumstämme nicht sauber, das Hinterrad rutschte ab. Doch er behielt die Nerven und konnte auf Juszczak aufschließen und ihn schließlich problemlos passieren. Er baute seinen Vorsprung zügig auf komfortable 20 Sekunden aus und sicherte sich damit den 2. Finalsieg in Malaga.

Der Start im 3. Rennen war alles andere als bilderbuchmäßig. Am Ende der Startgeraden befand sich Gallas im hartumkämpften Mittelfeld und musste höllisch aufpassen, um sich und seine Husqvarna unbeschädigt durch das Gerangel in der ersten Kurve zu bugsieren. Es gelang ihm, unbeschadet die schnelle Passage mit den weiten Sprüngen zu erreichen. Er musste nichts riskieren und wartete geduldig ab, bis die vor ihm fahrenden Fehler machten, strauchelten oder im Steinfeld hängen blieben. Am Ende von Runde 2 lag er schon an dritter Position. In der 3. Runde konnte er dann zuerst den Briten William Hoare passieren. Als dann der bis dahin führende Pole Emil Juszczak am Ende des Steinfeldes patzte, übernahm Gallas auch im 3. Finale in Malaga die Führung. Diese gab er bis zum Ende nicht mehr ab und sah mit über 31 Sekunden Vorsprung auf Emil Juszczak die schwarzweiße Zielflagge. Hoare wurde Dritter und Kyle Flanagan Vierter. Erneut mit 3 glatten Laufsiegen den 2. Grand Prix in Folge gewonnen – auf eine solche Dominanz scheinen die anderen Junioren bislang keine passende Antwort zu finden. In der FIM MAXXIS SuperEnduro Weltmeisterschaft führt Gallas mit 7 Siegen in 9 Rennen die Junioren Klasse mit einem komfortablen Vorsprung von 37 Punkten vor Kyle Flanagan/Südafrika an.

Wird es Gallas gelingen, am 03. März in Bilbao den Titel schon vorzeitig für sich zu entscheiden? Wir dürfen gespannt sein….

Fotos: DG Design / Denis Günther