„Nach zwei Mal ‚Game Over’ endlich geschafft!“
 
Matthias Walkner beendet die härteste Langstrecken-Rally der Welt als erster Österreicher auf dem Podium.
 
Der Salzburger Matthias Walkner hat in Südamerika ein Stück rot-weiß-rote Rennsportgeschichte geschrieben. Der 30jährige KTM-Pilot aus Kuchl beendet die legendäre „Rallye Dakar“ als Gesamt-Zweiter der Motorradwertung. Nach zwei Wochen, einem Etappensieg und insgesamt fast 9000 extrem harten Rally-Kilometern musste sich Walkner nur dem Briten Sam Sunderland geschlagen geben. Die beiden Mannschaftskollegen sorgen damit für einen Doppelsieg des „Red Bull KTM Rally Factory Racing Team“. Der drittplatzierte Spanier Gerard Farres Guell pilotiert ebenfalls eine KTM und macht den Dreifachsieg der österreichischen Motorradmarke komplett. Damit setzt sich eine dominante Tradition fort: denn seit dem Jahr 2001 hat KTM ununterbrochen die Motorradwertung der „Dakar“ gewonnen.  
 
Für Matthias Walkner war es der dritte Anlauf. Bei seinem Debüt im Jahr 2015 konnte er zwar gleich mit einem Etappensieg für Aufsehen sorgen, doch musste er sich wenige Tage später einer Lebensmittelvergiftung geschlagen geben. Im vergangenen Jahr blieb Walkner nach einem schweren Sturz mit einem offenen Oberschenkelbruch liegen. Der MX3-Weltmeister 2012 und Rally-Weltmeister 2015 brauchte danach mehr als ein halbes Jahr, um wieder Motorrad fahren zu können und ist erst kurz vor der „Dakar“ wieder vollends fit geworden. 
Am Ende der letzten Sonderprüfung, als ihm Platz 2 nicht mehr zu nehmen war, machte sich Matthias Walkner mit sehr viel Emotion noch einmal bewusst, dass sein Weg zurück in die Weltspitze länger war, als die fast 9000 Kilometer der „Dakar 2017“: „Nach zwei Mal ‚Game Over’ ist es endlich vollbracht! Nach dem Oberschenkelbruch letztes Jahr war es sechs Monate lang wirklich richtig zach. Dieser Moment jetzt gibt mir so viel zurück. Dass ich  jetzt wirklich auf dem Podium stehe, das ist unbeschreiblich. Ja, jetzt ist es geschafft!“
 
Einer der ersten Gratulanten war Walkners Mentor Heinz Kinigadner. Der zweifache Motocross-Weltmeister hat auf KTM zahlreiche Dakar-Etappen gewonnen und hat Matthias Walkners Weg in den Rallysport begleitet: „Mich freut das ganz narrisch für den Matthias. Man muss bedenken, er hat vor nicht einmal drei Jahren erst mit dem Rallysport begonnen. Dass er die Dakar jetzt gleich auf dem zweiten Platz beendet, das ist noch keinem Motorradpiloten aus Österreich gelungen. Das ist natürlich riesig und ich gratuliere ihm und dem ganzen Team sehr! Unsere ganze KTM-Mannschaft hat einen top Job gemacht.“
 
Das „Red Bull KTM Rally Factory Racing Team“ hatte bei der diesjährigen „Dakar“ auch sehr viele Tiefen zu bewältigen, sagt Kinigadner. Vor allem, als sich der favorisierte Vorjahressieger Toby Price schwer verletzt hatte: „Als Toby Price etwa zur Halbzeit der Rally mit einem Oberschenkelbruch ausgefallen ist, da mussten Sam Sunderland und Matthias Walkner die Verantwortung übernehmen. Sie haben das mit Bravour gemacht! Nach Tobys Ausfall war zuerst Matthias auf dem Weg zur Gesamtführung. Doch leider hatte er dann an einem ultraschwierigen Tag Navigationsprobleme, das hat ihn 30 Minuten gekostet. Diese halbe Stunde konnte er nicht mehr aufholen. Und da hat Sam Sunderland die Führung übernommen, ist sehr clever gefahren und hat verdient gewonnen.“
 
Ihr Doppelsieg ist für die beiden KTM-Werkspiloten auch eine doppelte Premiere. Denn sowohl Sam Sunderland als auch Matthias Walkner haben zuvor noch nie das Ziel der „Dakar“ erreicht. Für Sunderland klappte es nun im vierten Versuch, für Walkner schon im dritten Anlauf.
 
Fotos: Marcin Kin