Diverses Interviews

Fahrer im Fokus – heute: Paul Roßbach

In Mainz geboren, wohnhaft im wenige Kilometer entfernten Harxheim – einem Enduro-Niemandsland, wie Paul Roßbach es selbst mit einem Augenzwinkern bezeichnet. Dennoch mausert sich der großgewachsene 26-Jährige zu einer festen Größe im deutschen Endurosport. Nach Titelerfolgen in den Nachwuchsklassen der IGE und GCC sowie zwei Jahre im Deutschen Enduro-Pokal, setzte er mit dem Gewinn des Junioren-Titels 2014 ein erstes dickes Ausrufezeichen. Fortan verbesserte sich Paul kontinuierlich immer weiter, was im Vorjahr mit Rang drei in der E3-Meisterschaft vorerst gipfelte. Ob er für die Zukunft weiteres Steigerungspotenzial sieht, warum er gefühlt mehr Stunden im Auto als auf dem Motorrad verbringt und was es mit dem Teamwechsel auf sich hat, verrät er uns im folgenden Interview.

Hallo Paul, du kommst aus einer Gegend, die auf der „Enduro-Landkarte“ eher ein weißer Fleck ist. Von daher, wie bist du überhaupt das erste Mal mit dem Endurosport in Berührung gekommen?

Paul Roßbach: „Ja, stimmt. In meiner Gegend existiert der Endurosport praktisch gar nicht. (lacht) Aber dennoch bin ich durch meinen Vater, der selbst jahrelang hobbymäßig Enduro gefahren ist, doch recht früh mit der ganzen Sache in Berührung gekommen. Meine ersten Fahrversuche unternahm ich bereits auf einer 50iger. Und auch danach hatte ich so ziemlich jedes Kinder-Motorrad von KTM bei mir zu Hause stehen. (lacht) Sporadisch bin ich zu dieser Zeit einige Motocross-Rennen gefahren, später dann in den Nachwuchsklassen der IGE und GCC. Als ich mit 18 Jahren den Führerschein hatte, habe ich zum ersten Mal an einer klassischen Enduro-Veranstaltung teilgenommen. Das war damals in Kempenich, quasi mein Heimrennen (lacht). Das hat mir solchen Spaß gemacht, so dass ich im Folgejahr gleich die ganze Saison im Deutschen Enduro Pokal bestritt.“

Du hast es gerade angesprochen. Kempenich – dein Heimrennen, obwohl du in der Nähe von Mainz wohnst. Da liegen satte eineinhalb Autostunden dazwischen. Sieht es zumindest mit den Trainingsstrecken bei dir in der Gegend etwas besser aus?

„Leider nicht, ich wohne hier im Enduro-Niemandsland. Bei mir direkt gibt es so gut wie gar keine Trainingsmöglichkeiten für Enduro. Ich muss jedes Mal schon einen gehörigen Aufwand betreiben, um vernünftig fahren zu können. Eine kleine Kiesgrube gibt es, ca. eine halbe Stunde von mir. Das ist aber nichts Wildes. Oft fahre ich ins Saarland oder gleich an die französische Grenze. Da bin ich aber auch ein, zwei Autostunden unterwegs – für eine Fahrstrecke. Also eigentlich Wahnsinn.“ (lacht)

Du hast bisher nahezu deine ganze Karriere auf KTM und die letzten drei Jahre im Team GST Berlin verbracht. Nun ein neues Team und ein neues Motorrad. War es Zeit für einen Tapetenwechsel?

„Zunächst möchte ich festhalten, dass bei GST immer alles super war. Ich hätte auch in dieser Saison wieder dort fahren können. An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön an das Team für die drei gemeinsamen und erfolgreichen Jahre! Die Entscheidung, etwas Neues zu probieren, war mehr oder weniger spontan. Ich habe viel mit Yannik Mosch zu tun, den ich schon lange kenne und mit dem ich hin und wieder auch trainiere. Er fährt schon einige Zeit für ZAH Racing. So kam der Kontakt zu Andreas Herresthal (Anm. Teambesitzer) und Beta zustande. Schließlich haben sie mir ein gutes Paket für dieses Jahr angeboten und da habe ich gedacht, ach komm, ich probiere es einfach mal aus. Und außerdem habe ich den Anfahrtsweg zu meinem Team von 600 km nach Berlin nun auf 300 km halbiert.“ (lacht)

Konntest du dich bis jetzt mit deinem neuen Motorrad schon ausreichend vertraut machen oder hat dich die durch Corona verursachte, verrückte Situation in diesem Jahr doch ein wenig ausgebremst?

„Im Winter war ich bereits ausgiebig mit meinem neuen Motorrad unterwegs. Da habe ich richtig viel trainiert und getestet. Ich komme mit der Zweitakt-Beta bestens zurecht, obwohl ich die letzten Jahre ausschließlich Viertakter gefahren bin. Ich fühlte mich vor dem Saisonstart wirklich gut vorbereitet und fit. Als dann aber die ersten Rennen abgesagt wurden und damit alles zum erliegen kam, bin ich natürlich auch weniger gefahren. Zugegeben, da ging die Motivation schon etwas in den Keller. Aber ausgebremst hat es mich jetzt nicht entscheidend.“

Nach einigen starken Jahren und knapp verpassten Chancen die vergangenen Meisterschaften unter den Top Drei abzuschließen, hat es nun im letzten Jahr endlich mit dem langersehnten Sprung auf das Podium geklappt. War es eine innerliche Genugtuung, endlich auf dem Treppchen zu stehen?

„Nein, eine Genugtuung war es für mich jetzt keine. Ich sehe es sportlich. Ich gebe immer mein Bestes  und wenn es am Ende der vierte Platz wird, dann ist es eben so. Wenngleich ich mich natürlich schon sehr über meinen dritten Platz gefreut habe, na klar logisch. (lacht)

Bedeutet dir dieser Erfolg mehr als dein Junioren-Titel 2014?

„Ja natürlich. Aber eher weil ich mich insgesamt zu damals verbessert habe. Klar, war der Junioren-Titel ein schöner Erfolg. Doch jetzt, generell im Championat weiter vorn zu stehen, freut mich wesentlich mehr. Ich bin in dieser Hinsicht extrem ehrgeizig. Da ist es für mich fast zweitrangig, ob ich in der Klasse Dritter, Vierter oder Fünfter werde, wenn ich im Championat weit vorn bin. Fahrerisch immer das Optimum herausholen und selbst dabei mit der eigenen Leistung zufrieden sein, dass zählt für mich mehr, als die Platzierung an sich.“

Siehst du dich für die Zukunft noch weiter vorn, um vielleicht sogar einmal in den Titelkampf eingreifen zu können?

„Ich muss realistisch bleiben. Ich kann nicht erwarten, dass ich über den Winter nun die ein, zwei Minuten gefunden habe, die mir im letzten Jahr noch bis ganz nach vorn gefehlt haben. Keine Ahnung, vielleicht war es letztes Jahr schon das Maximum, was ich aber jetzt nicht hoffe. (lacht) Natürlich würde ich mich freuen, noch weiter nach vorn zu kommen und vielleicht auch einmal um einen Titel zu fahren. Ich bin jedenfalls motiviert und werde weiterhin hart arbeiten und trainieren, um in den kommenden Jahren immer näher an die Spitze heran zu kommen. Das ist auch meine Motivation! Würde ich die stetige Entwicklung und Verbesserung bei mir jetzt nicht sehen, hätte ich wahrscheinlich schon längst die Reißleine gezogen…“ (lacht)

Dann wünschen wir dir alles Gute, weiterhin viel Erfolg und das du uns noch möglichst lange als aktiver Fahrer erhalten bleibst!

-> Facebook: Paul Roßbach #211
-> Instagram: @paulrossbach211

Action-Foto: digades GmbH, dguard.com / Portrait-Foto: Peter Teichmann

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